Mo, 15.07.2013 / Kurt Bracharz / Vorax
logo vorax

Dass die Tausendjährigen Eier auch als Hundertjährige Eier bezeichnet werden, macht schon klar, dass sie weder tausend noch hundert Jahre alt sind, sondern nur ihr angeblich hohes Alter ausgedrückt werden soll – aber auch damit ist es eigentlich nicht weit her, denn sie werden binnen etwa drei Monaten produziert. Die Chinesen nennen sie pídàn, was "Ledereier" bedeutet, in Thailand ist Khai Yioua Maa eine verbreitete Bezeichnung, deren deutsche Entsprechung "Pferdepisse-Eier lautet. Ihre erste Erwähnung fanden sie in einem chinesischen Dokument aus dem Jahre 1633.

Bei der klassischen Methode wurden die Hühner- oder Enteneier in einer Mischung aus Löschkalk, Holzkohle, Salz, Teeblättern, Kiefernadeln und Reisspelzen eingelegt, und man ließ beim Verkauf ein bisschen von dem Material am Ei kleben, damit man die traditionelle Produktionsmethode sehen konnte. Mittlerweile behilft man sich wohl mit mehr Chemie als Natur, denn die jetzt verkauften Eier sind außen glatt. Innen liegt immer noch der grüne Dotter in der braunschwarzen Gallerte, in die sich das Eiweiß verwandelt hat.

Nathan Myhrvold, der seine Tausendjährigen Eier aus Enteneiern lediglich in einer Mischung aus Wasser, Natriumhydroxid und Salz herstellt, erklärt den Vorgang so: "Häufig wird angenommen, das Einlegen in Teeblätter würde diesen Effekt hervorrufen, aber tatsächlich ist die Maillard-Reaktion dafür verantwortlich. Mit der Zeit bewirkt der hohe pH-Endwert (von 9 bis 12) eines Tausendjährigen Eis, dass Proteine und Zucker im Eiweiß und Eigelb sich einer Maillard-Bräunung unterziehen, die die Farbe des Eies verändert."

Obwohl Tausendjährige Eier lange haltbar sind (und ohne Kühlung in den Läden liegen), sollte man sie binnen zwei, drei Monaten verbrauchen. Man isst sie normalerweise als Vorspeise, in Scheiben geschnitten und mit etwas Reisessig oder Sojasoße beträufelt. Was man in der nicht-chinesischen Literatur über Geruch und Geschmack der Tausendjährigen Eier lesen kann, ist größtenteils Blödsinn (insbesondere, dass sie wie Käse riechen oder schmecken würden), am einfachsten ist auch hier wieder einmal das Ausprobieren. Schon mancher, der zuerst nur aus Neugier probiert hat, hat die Tausendjahreier als Vorspeise schätzen gelernt.



24600-24600p1000455.jpg
(c) Kurt Bracharz