5. Oktober 2012 - 3:23 / News
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Am 20. September 2012 feierte das Metro Kino sein 60-jähriges Jubiläum. Zum Feiern ist dem Kinobetreiber aber derzeit kaum zumute, denn wenn der Konstantin-Filmverleih mit seinem Kinoformat "Cineplexx" den kolportierten Plan eines Großkinos in Bregenz in die Tat umsetzen kann, wird es für das Metro Kino kein Überleben geben.

Am 20. September 1952 eröffnete das Metro Kino als 2. Kino der Landeshauptstadt Bregenz. Es bestand damals aus einem Kinosaal und einem dazugehörenden Cafe-Betrieb. 1964 wurde der Fassungsraum des Kinosaales durch den Zubau eines Balkons von 520 auf 854 Plätze erweitert. Das Metro-Kino war somit das größte Lichtspieltheater Westösterreichs.

1975 wurde das Kino als einziges in Vorarlberg mit einer TODD AO – DP 70mm Filmprojektion und 6 Kanal Stereo-Raumtonanlage ausgestattet und präsentierte sich als das modernste Erstaufführungskino des Landes und weit über die Grenzen. 1983 wurde wegen des Mehrsaalkinotrends der große Kinosaal wieder zurückgebaut und aus dem Kinobalkon ein zweiter Saal errichtet. Zwei Jahre später wurde durch Verlegung des Haupteinganges noch ein 3. Saal Kinosaal mit 107 Plätzen dazugebaut.

2007 wurden das Kinofoyer mit Kinokassen sowie der Saal 2 großzügig renoviert und erneuert. 2012 wurden alle drei Kinosäle mit moderner Digital-Projektionstechnik ausgestattet. Bei allen Umbau und Renovierungsarbeiten wurde auf die bauliche Strukturerhaltung großen Wert gelegt, um das traditionelle Erscheinungsbild eines klassischen Lichtspieltheaters zu bewahren.

Das Programm des Metrokinos bietet einen Mix aus aktuellen Blockbustern und einer Arthouse-Schiene, die vor allem vom Filmforum Bregenz mit jährlich rund 200 Vorstellungen bespielt wird.

Nun häufen sich die Nachrichten, wonach die Cineplexx-Kinobetriebe durchaus interessiert sind, im Bregenzer Seestadtareal ein Multiplex-Kino mit etwa sieben Sälen und für 900 bis 1000 Besucher zu errichten. Die Gespräche mit der Prisma-Gruppe, einem Konsortium um die Rhomberg-Gruppe, laufen laut VN (21.9. 2012), D 1) sehr positiv und kooperativ. Die Sache scheint an der Stadt zu hängen, die eine Anpassung des Bebauungsplans genehmigen muss.

Ein Bau eines Großkinos im Stadtzentrum von Bregenz würde für das Metrokino sicherlich und wohl auch für anspruchsvolles Kino in Bregenz im Allgemeinen das Aus bedeuten, sodass sich mehrere Fragen stellen: Will Bregenz nur noch Kino für Kids in einem Multiplexx oder weiterhin Filmkultur auch für ein erwachsenes Publikum? Die Entscheidung liegt hier bei der Politik, die den Bebauungsplan genehmigen muss.

Wieso meldet sich das Filmforum Bregenz in dieser Angelegenheit nicht zu Wort (z.B. in Form eines Leserbriefs) und antwortet auch nicht auf Anfragen bezüglich seiner Position? - Hat es sich schon einen Saal im zukünftigen Cineplexx gesichert?

Wieso berichten die VN, die 2007, als das Metro Kino schon einmal von der Schließung bedroht war, auf den Kulturseiten entschieden Partei für die Erhaltung des Kinos eintraten, nur auf den Wirtschaftsseiten und einseitig in der Art einer Promotion von den Cineplexx-Plänen?

Und falls das Cineplexx wirklich kommt: Welche kulturpolitischen Pläne gibt es, um den damit verbundenen filmkulturellen Kahlschlag zu verhindern? - Wenn ein Kinokonzern die Kinolandschaft im Land mit seinem Mainstream-Programm völlig beherrscht, scheint nur noch ein subventioniertes Programmkino eine zielführende Antwort zu sein. fear



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Blick vom Balkon in den Saal, 1958
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Foyer und Treppenaufgang, 1958
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Blick vom Saal auf den Balkon, 1958
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Eröffnungsinserat im 'Vorarlberger Volkswille' am 20. September 1952