Di, 09.07.2013 / Walter Gasperi / Filmriss
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Nicht nur das Pixar-Studio zaubert begeisternde Animationsfilme auf die Leinwand, auch die Konkurrenz schläft nicht. Vor drei Jahren landete Universal mit "Ich - Einfach unverbesserlich" einen Hit und legt jetzt mit einem Sequel nach, dessen Story zwar eher dünn ist, bei dem dafür in vielen kleinen Szenen ein Feuerwerk an Gags abgebrannt und fürs Herz auch eine zarte Liebesgeschichte erzählt wird.

Pixar hat 1995 mit "Toy Story" den Prototypen der Computer-Animationsfilme geschaffen. Inzwischen kommen jährlich an die 20 Filme dieser Art heraus. Wie die jüngsten Beispiele zeigen, hat Pixar längst kein Monopol mehr darauf: "The Croods" kam aus der Schmiede von DreamWorks, für "Epic" zeichnet 20th Century Fox verantwortlich und hinter "Ich - Einfach unverbesserlich 2" steckt Universal.

Schier atemlos ist schon der Beginn, wenn mit einem fliegenden Riesenmagneten ein Forschungszentrum in der Arktis beinahe zur Gänze eingesogen wird. Brillant parodieren Pierre Coffin und Chris Renaud in dieser Szene Agentenfilme à la James Bond.

Wer hinter diesem Verbrechen steht, kann nur einer klären, der selbst mit dem Verbrechen bestens vertraut ist. Doch Superschurke Gru, der in "Ich - Einfach unverbesserlich" noch den Mond stahl und schrumpfte, hat sich von finsteren Machenschaften abgewendet, organisiert lieber eine Geburtstagsparties für seine drei Adoptivtöchter Edith, Margo und Agnes. Seinen Lebensunterhalt verdient er inzwischen mit der Herstellung von Marmelade, wobei er von Dr. Nefario und seinen gelben Minions untertützt wird.

Mit Gewalt muss ihn deshalb der Chef der Anti-Verbrecher-Liga von Agentin Lucy Wilde in das Hauptquartier schaffen lassen. Aus dieser Entführung machen Coffin/Renaud wieder eine furios komödiantische Actionszene. Zunächst weigert sich Gru zwar nach den Superschurken zu suchen, der mittels eines gestohlenen Serums die Weltherrschaft an sich reißen will, beginnt dann aber doch mit Lucy seine Recherchen.

Recht vorhersehbar ist die Handlung, doch die Details und kleinen Szenen, mit denen Coffin und Renaud diese Geschichte anreichern, machen "Ich - Einfach unverbesserlich 2" zu einem Feuerwerk an Gags und rasanter Action. Voll Ironie zeichnen sie die Familiensituation und lassen mit dem schüchternen und glatzköpfigen Gru mitfühlen, wenn er sich an eine traumatische Zurückweisung in der Kindheit erinnert.

Bissig wird die amerikanische Frauenwelt karikiert, wenn eine Nachbarin Gru verkuppeln will, gleichzeitig kommen aber auch die echten erwachenden Gefühle von Gru nicht zu kurz. Wie er von der Liebe erfasst die Welt rosa sieht und freundlich durch die Kleinstadt streift, um wenig später im Liebeskummer in gleichen Situationen extrem aggressiv und böse zu reagieren, ist ein unvergesslicher kleiner großer Höhepunkt des Films.

Aber auch die Beziehung zu Grus Adoptivtöchtern kommt nicht zu kurz, wenn die eine darunter leidet, dass sie keine Mutter hat, die andere sich ganz gegen den Willen Grus in einen smarten jungen Hispanic verliebt. Dieser ist wiederum der Sohn eines Restaurantbesitzers, den Gru für den Superschurken El Macho hält.

An Tempo, Witz und Einfallsreichtum ist dieser Film kaum zu überbieten, wartet auf mit zahllosen Lachern, und kann auf die - an die Verpackung von Überraschungseier erinnernden - gelben Minions mit ihren blauen Jeans-Latzhosen vertrauen. Unverständlich ist zwar ihr Kauderwelsch, aber ungetrübtes Vergnügen bereitet es zuzusehen wie energiegeladen sie durch den Film rasen, wie sie die Hits "YMCA" und "I swear" interpretieren und auch noch im Nachspann ihre teils ziemlich bösen Scherze treiben.

Im Gegensatz zu den meisten Filmen der letzten Zeit wird hier auch wieder einmal 3D überzeugend genutzt. Beeindruckend wird der Raum mehrfach in den Kinosaal erweitert, sodass die kleinen gelben Männchen einem im Nachspann Luftrüssel direkt ins Gesicht zu blasen und Seifenblasen sich im Kinosaal zu verteilen scheinen.

Anarchisch ist dieser Film auch dadurch, dass er Erzählstrukturen beinahe torpediert, kaum wert auf überzeugendes Storytelling legt, vielmehr lustvoll nach Belieben und ohne Rücksicht auf die Dramaturgie witzige Momente einbaut. Damit wird "Ich - Einfach unverbesserlich 2" kaum zu einem Film, der lange nachwirkt, aber ein unglaublich rasantes, höchst unterhaltsames und auch ganz schön böses Kinovergnügen, das Jung und Alt gleichermaßen begeistern kann, ist das auf jeden Fall.

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Trailer zu "Ich - Einfach unverbesserlich 2"

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)



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