Do, 05.04.2012 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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Andrew Jarecki erzählt retrospektiv nach einem wahren Fall die Geschichte des jungen David Marcks, der unter seinem dominanten Vater leidet und mit der Zeit ein immer psychopathischeres Verhalten zu Tage legt. Ascot Elite hat den mit Ryan Gosling und Kirsten Dunst hervorragend besetzten Thriller auf DVD herausgebracht.

Vor einigen Jahren hat Andrew Jarecki mit dem Dokumentarfilm "Capturing the Friedmans" für Aufsehen gesorgt. Faszinierend ambivalent spürte der Amerikaner darin der Frage nach, ob Mr. Friedman ein Kinderschänder oder aber das Opfer eines Justizirrtums war und dokumentierte den Zerfall der Familie unter dem öffentlichen Druck. In seinem ersten Spielfilm greift Jarecki wieder einen realen Fall auf und wieder spielt die Familie eine zentrale Rolle.

Ausgehend von einem Gerichtsprozess, bei dem man bis kurz vor Ende nur wenige Fragen des Staatsanwalts und die Antworten des Angeklagten hört und nur mehrfach kurz das Gesicht des Angeklagten sieht, zeichnet Jarecki die wahre Geschichte von Richard Durst nach, der im Film David Marcks (Ryan Gosling) heißt. Auf Bilder einer Autofahrt im Nebel, die Film noir-Stimmung aufkommen lässt und die im Laufe des Films noch mehrfach wiederholt werden, blendet der Film mit Super-8-Filmen in die Kindheit von David zurück.

Das Glück, das hier beschrieben wird, zerbrach offensichtlich mit dem gewaltsamen Tod der Mutter, als Daniel sieben Jahre alt war. Schwer leidet er unter seinem dominanten Vater (Frank Langella), einem steinreichen New Yorker Immobilienmakler, gibt ihm die Schuld am Tod der Mutter, scheint sich aber mit der Ehe mit Katie (Kirsten Dunst) zu fangen.

David löst sich vom Vater, eröffnet in der Provinz einen Bio-Laden, der wie der Originaltitel des Films den Namen "All Good Things" trägt, beginnt dann aber doch, um Katie materiellen Luxus bieten zu können, als Geldeintreiber im New Yorker Unternehmen des Vaters zu arbeiten. David wird zunehmend labiler, Gewaltausbrüche zerstören die Beziehung zu Katie, doch sie ist von ihm finanziell abhängig…

Von 1971 bis ins Jahr 2003 spannt sich die Handlung des Films. So geschickt auch mit der Off-Stimme Davids die Erzählung gerafft wird, so werden doch im letzten Viertel die Ereignisse mehr abgehakt als wirklich ausformuliert, Brüche entstehen hier mit den Zeitsprüngen.

Atmosphärisch dicht und spannend ist aber der erste Teil, in dem zunächst das Liebesglück, dann das langsame Abdriften Davids ins Psychopathische geschildert wird. Nachvollziehen kann man, wie Katie langsam erkennen muss, dass sie mit einem Mann verheiratet ist, den sie eigentlich überhaupt nicht kennt. Eindringlich beschreibt Jarecki auch den Übervater, von dem sich David nicht befreien kann.

Je mehr der Spielfilmdebütant aber nach den Fakten die Thrillerhandlung forciert, desto mehr tritt diese präzise Schilderung von Beziehungs- und Familienkonstellationen in den Hintergrund. Wenn man dem Geschehen dennoch gespannt folgt, dann liegt das nicht nur an der soliden Inszenierung und einer an die Hitchcock-Soundtracks von Bernard Herrmann erinnernden Musik von Rob Simonsen, sondern auch und vor allem an einer hervorragenden Schauspielerriege. Eindrucksvoll spielt Frank Langella den Übervater, Kirsten Dunst überzeugt als Katie und überragend ist Shooting-Star Ryan Gosling als der über ein traumatisches Kindheitserlebnis nie hinweggekommene David.

Interessante Einblicke in die Hintergründe des Falls bietet das Bonus-Material mit Dokus über die "wahre Geschichte" und das Verhältnis von Film und Wahrheit sowie einem Audio-Kommentar. An Sprachversionen werden die englische Originalfassung sowie die deutsch synchronisierte angeboten, deutsche Untertitel können für den Film, nicht aber für den Audiokommentar zugeschaltet werden.

Trailer zu "All Beauty Must Die"



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