4. Mai 2010 - 4:00 / Walter Gasperi / Filmriss
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Die Belgierin Nathalie Borgers begleitet in ihrem Dokumentarfilm eine Karawane von Frauen, die drei Wochen durch die Sahara ziehen, um in der Oase Bilma Handel zu treiben und somit das Überleben im folgenden Jahr zu sichern. Vor der grandiosen Wüstenlandschaft lauscht die Regisseurin den Gesprächen von drei Frauen über ihre Ehen und Zukunftsträume.

Ob ein Dokumentarfilm gelingt, das hat manchmal auch mit der Wahl eines Themas zu tun. Nathalie Borgers, die zuletzt mit ihrer Doku "Kronenzeitung - Tag für Tag ein Boulevardstück" für Aufsehen sorgte, ist in dieser Beziehung mit "Die Frauenkarawane" ein Glücksgriff gelungen.

Denn erstens bietet eine Karawane durch die Wüste Potential für großartige Bilder, und zweitens ist der Umstand einer solchen Karawane von Frauen hierzulande weitgehend unbekannt: Einmal im Jahr schickt nämlich der in der südlichen Sahara lebende Stamm der Toubou seine Frauen mit Kindern und Kamelen los, damit sie in der 1500 Kilometer entfernten Oase Bilma Datteln ernten. Diese werden sie dann gegen Hirse, Salz und andere Lebensmittel eintauschen und so den Unterhalt fürs folgende Jahr sichern.

So beschwerlich, wie der Weg der Karawane ist, waren wohl auch die Dreharbeiten, bei denen Borgers die Frauen mehr als zwei Monate lang bei 50 Grad Hitze am Tag durch die Wüste begleitete: Es geht durch endlose Sandebenen bei Hitze und Sandsturm. Wasser gibt es nur etwa alle drei Tage bei einem Brunnen. Leicht kann man sich hier verirren, doch der Trupp von sieben Frauen und kleinen Kindern wird von der erfahrenen Domagali sicher geführt,

Großartig fängt Nathalie Borgers die Wüste ein. Verschwindend klein sind vor dieser endlosen sandfarbenen Leere die etwa zehn Frauen in ihren farbenprächtigen Gewändern mit Kindern und Kamelen.

Die Regisseurin bleibt geduldige und distanzierte Beobachterin, verzichtet auf jeden Off-Kommentar und wechselt in ruhiger Montage zwischen den majestätischen Wüstenbildern und Gesprächen der Frauen. Nicht überrumpelnd dringt Borgers in die Frauengruppe ein, sondern bleibt außen, wenn sie die Karawane immer wieder in der Ferne isoliert, nicht die Kamera an sie ranfahren oder zoomen, sondern sie stets quer die Leinwand durchqueren lässt. Näher kommt die Belgierin den Frauen aber bei ihren Gesprächen, in denen sie ungestört von den Männern, von Zwangsverheiratung, prügelnden Ehemännern und Zukunftswünschen sprechen können.

Bildschön ist dieser Film und öffnet gleichzeitig den Blick nicht nur auf eine patriarchale Gesellschaft, sondern in den portärtierten Domagali, Amina und Magali auch auf moderne, selbstbewusste und sich emanzipierende Frauen. Beim Handel in der Oase lassen sie sich nicht so schnell übers Ohr hauen, sondern treten als gleichwertige Gegenüber den Männern entgegen. Auch wollen sie nicht zurück zur Männerherrschaft, sondern träumen vom Leben in der Stadt oder dem Abschluss der Schulbildung.

So archaisch, der Zeit enthoben, dieses Treiben aber auch wirkt, so sieht man doch in Digitaluhren an den Armen, an einem Gespräch mit dem Handy, oder, wenn die Frauen in der Oase sich bei einer französischen Fernsehserie amüsieren, dass dieser Stamm nicht ganz von der modernen Welt abgeschlossen ist. Und auch der Humor kommt nicht zu kurz, wenn über den Preis einer Ziege verhandelt wird oder die Kamera lange auf den Köpfen von drei Kamelen, die Datteln fressen, verweilt.

Wird vom TaSKino Feldkirch vom Freitag, den 7.5., bis Dienstag, den 11.5., im Feldkircher Kino Namenlos gezeigt (O.m.U.)
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Trailer zu "Die Frauenkarawane"

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)



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