Auf eigene Faust - Ride Lonesome

28.06.2012 Walter Gasperi

Kleine, sich nur geringfügig unterscheidende Geschichten erzählt Budd Boetticher in seinen sechs im so genannten «Ranown»-Zyklus zusammengefassten Western, aber es sind Musterbeispiele ökonomischen und gelassenen Erzählens. Mit «Auf eigene Faust – Ride Lonesome» ist eines dieser entschlackten Meisterwerke in der Western-Reihe der SüddeutscheZeitung Cinemathek auf DVD erschienen.


Zwischen 1956 und 1960 drehte Budd Boetticher mit Randolph Scott in der Hauptrolle sechs Western, die als «RanOwn»-Zyklus zusammengefasst werden. Der Name stammt von der von Scott und Harry Joe Brown geleiteten Produktionsfirma. Gedreht wurden die Filme in kaum mehr als zwei Wochen, keiner hatte eine Spielzeit, die wesentlich über 70 Minuten hinausging, und bevorzugter Drehbuchautor war Burt Kennedy.

In allen diesen Filmen spielte Scott einen wortkargen Einzelgänger, Schauplatz war immer die raue Fels- und Wüstenlandschaft um das kalifornische Lone Pine und die Handlung kreist zumeist um Rache. Einer dieser meisterlichen Western ist neben «Seven Men from Now» («Der Siebente ist dran», 1956), «The Tall T» («Um Kopf und Kragen» 1957) oder «Comanche Station» («Einer gibt nicht auf», 1960) «Auf eigene Faust – Ride Lonesame» (1959).

«Komisch wie das Leben so spielt. Es kommt doch immer anders als erwartet», stellt der Outlaw Boone am Ende dieses Western fest. Das ist ein Satz, den man auch auf den ganzen Film beziehen kann, denn nichts kommt hier so wie erwartet. Da schleicht sich der Kopfgeldjäger Ben Brigade (Randolph Scott) zunächst in einer Felslandschaft an einen Verbrecher an, überwältigt ihn problemlos und sieht sich dann doch in einer Falle, dreht aber den Spieß nochmals um.

Der Mörder Billy John ist jetzt in seiner Hand, Brigade scheint es nur um das Kopfgeld zu gehen, doch gegen Ende wird ein ganz anderer Plan sichtbar, bei dem der Gefasste nur als Lockvogel diente.

Von der Felslandschaft des Beginns führt der in Cinemascope gedrehte Film zu einer Postkutschenstation in der Halbwüste. Angriffe von Indianern drohen hier, der Leiter der Postkutsche wurde schon ermordet, zurück blieb seine Witwe. Brigade nimmt diese mit auf den Ritt durch die Wüste, auch zwei Outlaws begleiten sie, die selbst den gefassten Mörder der Justiz übergeben wollen, um so Amnestie zu erhalten.

Wie an die Stelle der Wüste eine lichte Waldgegend tritt, ändern sich aber wieder die Verfolger, verschwinden die Indianer aus dem Film und die wahren Beweggründe Brigades werden sichtbar.

Mit einer gelassenen Kamerabewegung beginn «Auf eigene Faust», und gelassen ist der Erzählrhythmus des ganzen Films. Praktisch auf fünf Personen beschränkt sich Boetticher, begleitet nur diese durch Zufall zusammen gewürfelte Gruppe, und lässt in ruhiger Abfolge Pausen mit Gesprächen, in denen die Personenkonstellationen immer wieder wechseln mit langen Reitszenen abwechseln.

In seinem Minimalismus und seiner Lakonie erzählt Boetticher zunächst einmal von dem, was er zeigt, von der Veränderung der Landschaft im Lauf des Ritts, von der Hitze des Tages und den Pausen am Abend. Bei diesen Pausen wiederum liegt der Fokus ganz auf den Menschen, auf der Sehnsucht der Outlaws nach einem Neubeginn, dem undurchschaubaren und wortkargen Brigade, der Frau, die sich wieder neu orientieren muss.

Aufs Skelett reduziert ist dieser Western, rund 70 Minuten reichen Boetticher aus, um seine Geschichte zu erzählen. Kein Gramm Fett ist an diesem Film, kein Schnörkel, keine Szene zu viel, jedes Bild von meisterhafter Präzision, Klarheit und Prägnanz, ebenso treffend wie knapp und immer wieder ironisch gebrochen die Dialoge.

So abgeschlackt «Auf eigene Faust» ist, so reduziert ist auch die DVD-Ausgabe. Keine Extras gibt es hier, an Sprachfassungen werden die englische und die deutsche angeboten, aber keine Untertitel.

Originaltrailer von 1959 zu «Auf eigene Faust - Ride Lonesome»

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