Der doppelte Kirchner

28.05.2015

06.02.2015 bis 31.05.2015  Kunsthalle Mannheim

«Auch ich muss etwas sparen jetzt, und das Material ist sehr kostspielig geworden. Aber die Leinwand hat Gott sei Dank zwei Seiten», schrieb Ernst Ludwig Kirchner 1919. Und so löste Kirchner, einer der weltweit bekanntesten deutschen Expressionisten, eine Vielzahl seiner Gemälde aus ihrem Keilrahmen, spannte sie anders herum wieder auf und bemalte sie erneut.


Diese Rückseiten-Bilder stellen heute in Kunstwissenschaft und Kunsthandel ein heiß diskutiertes Thema dar. Die Kunsthalle Mannheim rückt sie gemeinsam mit dem Kirchner Museum in Davos und dem Kirchner Archiv in Wichtrach erstmals ins Zentrum einer Ausstellung. Den Anstoß gab die Wiederentdeckung des «Marokkaners» (1909/1910) im Jahr 2009 auf der Rückseite des Kirchner-Gemäldes «Gelbes Engelufer», Berlin (1913) aus der Sammlung der Kunsthalle Mannheim.

Anhand 16 exemplarischer doppelseitiger Werke stellt die Schau «Der doppelte Kirchner. Die zwei Seiten der Leinwand» das spannende Feld der Werk- und Künstlerforschung vor und präsentiert die unterschiedlichen Perspektiven des Kunstbetriebs auf diese künstlerische Sonderheit, um eine wissenschaftliche und kuratorische Auseinandersetzung mit dem Phänomen in Gang zu setzen. Zentraler Punkt ist dabei der Umgang mit Rückseitenbildern im Kunstbetrieb oder die Frage nach den Möglichkeiten der Präsentation im musealen Raum.

Ernst Ludwig Kirchner (1880 – 1938) zählt zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Expressionismus. Durch seine avantgardistische Lebenseinstellung und seinen befreiten Umgang mit Form und Farbe, hat er die Malerei des frühen 20. Jahrhunderts revolutioniert. Nach seinem Architektur-Studium gründete er 1905 zusammen mit Erich Heckel, Fritz Bleyl und Karl Schmidt-Rottluff die Künstlergruppe «Die Brücke», deren Ansinnen es war, eine Verbindung («Brücke») zwischen Vergangenheit und Moderne zu bilden.

Nach seiner Beteiligung als Freiwilliger im ersten Weltkrieg erlitt Kirchner einen Nervenzusammenbruch und wurde fortan medikamentös behandelt. 1917 siedelt er nach Davos in der Schweiz über. Nachdem 1937 die Nationalsozialisten 639 Kirchner-Gemälde aus Museen entfernten – wovon 32 im Rahmen der Ausstellung «Entartete Kunst» geächtet wurden – zerstörte Kirchner im März 1938 einen Teil seiner Bilder selbst und setzte seinem Leben im Juni 1938 ein frühes Ende.


Der doppelte Kirchner
6. Februar bis 31. Mai 2015

Kunsthalle Mannheim
Friedrichsplatz 4
D-68165 Mannheim
T: 0049 (0)621 293 6452-6430
F: 0049 (0)621 293 6412
E: kunsthalle@mannheim.de
W: http://www.kunsthalle-mannheim.de


Öffnungszeiten

Di bis So & Fe 11 – 18 Uhr
Mittwoch bis 20 Uhr (Eintritt frei)

 


  • Fränzi, 1911. Öl auf Leinwand, 70 x 76 cm; Kunsthalle zu Kiel. Foto: Martin Frommhagen, WVZ-Nr. Gordon 0174 recto
  • Weiblicher Akt im Tub, 1911. Öl auf Leinwand, 76 x 70 cm; Kunsthalle zu Kiel. Foto: Martin Frommhagen verso
  • Bergwald, 1937. Öl auf Leinwand, 94 x 85 cm; Bündner Kunstmuseum, Chur. WVZ-Nr. Gordon 1016 recto
  • Drei Akte auf schwarzem Sofa, 1910. Öl auf Leinwand, 85 x 94 cm; Bündner Kunstmuseum Chur verso

artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.