Fr, 08.02.2019 / Ausstellung / Preview
Sa, 23.02.2019 So, 02.06.2019
thumb

Seit 1957 sammelten Hajo und Angelika Antpöhler Kunst. Rund 1.300 Graphiken und 200 Gemälde, Objekte und Plastiken hat das Paar zusammengetragen und 2010 der Kunsthalle Bremen geschenkt. Damit reihen sie sich ein in die großen Schenkungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Sammlung Antpöhler ergänzt die Bestände der Kunsthalle mit Werken von bisher nicht vorhandenen Künstlern und stärkt bereits vorhandene Bestände signifikant. Besonders gute Exemplare von Druckgraphik verdeutlichen die hohe Qualität der Sammlung.

Eine Auswahl dieser großzügigen Schenkung zeigt die Kunsthalle Bremen ab 23. Februar 2019. Ausgestellt werden Werke des Informel, der Künstlergruppe ZERO und CoBrA sowie Arbeiten des Minimalismus und der Pop Art, Bildhauerzeichnungen sowie Arbeiten der sogenannten Spurensicherung.

Mit einem Siebdruck von Karl Hartung legten Hajo (1930–2011) und Angelika (*1932) Antpöhler 1957, dem Jahr, in dem sich beide kennenlernten, den Grundstein ihrer rund 1.500 Werke umfassenden Sammlung. Diese enthält heute Arbeiten von über 500 überwiegend zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern. Hajo Antpöhler lag sehr daran, sich in der Gegenwart mit dem zu beschäftigen, was später Geschichte werden würde. Bemerkenswert war dabei ihre intensive, oft aufopferungsvolle Hingabe zur Kunst, die vielmals in engen persönlichen Beziehungen mit Künstler und Künstlerinnen resultierte. Die Sammlung ist so eine Reflektion persönlicher Entdeckungen und Vorlieben wie ein Panorama der Kunstgeschichte nach 1945.

Die Schwerpunkte der Sammlung sind Werke des Informel (u.a. von Karl Otto Götz, Emil Schumacher und Hann Trier), die Künstlergruppen ZERO (u.a. Heinz Mack, Otto Piene und Günter Uecker) und CoBrA (u.a. Karel Appel, Asger Jorn und Lucebert), aber auch Arbeiten des Minimalismus (u.a. von Antonio Calderara, Joel Fisher und Donald Judd) und der Pop Art (u.a. von Gernot Bubenik, Jim Dine und Eduardo Paolozzi). Hinzu kommen Bildhauerzeichnungen (u.a. von Eduardo Chillida, Henry Moore und Ossip Zadkine) sowie Arbeiten der sogenannten Spurensicherung (u.a. von Christian Boltanski, Jochen Gerz sowie Anne und Patrick Porier). Seine Sammlung sei eigentlich sein eigenes Museum, so Antpöhler, der entsprechend sein Haus zwischen 1962 und 1988 auch als "galerie bei antpöhlers" öffentlich zugänglich machte.

Neben seiner Sammlertätigkeit setzte sich Hajo Antpöhler, der nach seiner Ausbildung zum Finanzberater Theologie und Germanistik auf Lehramt studierte und selbst künstlerisch tätig war, zeitlebens für zeitgenössische Kunst ein, indem er Ausstellungen für Gegenwartskünstlerinnen und -künstler organisierte. Zuerst zu Hause, ab 1967 bzw. 1970 auch in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Bremen-Nord und der Stadtbibliothek Vegesack sowie zwischen 1990 und 1998 im Haus am Wasser. Angelika Antpöhler, die eine theologische und pädagogische Ausbildung absolvierte, teilte immer dieses Interesse für Kunst. Beide waren Mitglied im Kunstverein in Bremen – er seit 1954, sie seit 1957 –, dem sie schließlich ihre wertvolle Sammlung überließen.

Ein zentraler Bestandteil Hajo Antpöhlers eigener künstlerischer Äußerungen waren visualisierte Worte. Sie bestechen in ihrem mal ironischen, mal melancholischen Sprachwitz. So schrieb er in einer seiner konkreten poetischen Arbeiten auf Millimeterpapier: "Unser Lehm ist der Kunz geweint". Rund ein Dutzend dieser Arbeiten, die Antpöhlers Ansichten zur Kunst und zum Kunstbetrieb widerspiegeln, führen in die Ausstellung der Sammlung Antpöhler ein.

Die Sammlung Hajo und Angelika Antpöhler bereichert mit rund 1.500 Werken den Bestand der Kunsthalle in vielerlei Hinsicht. Vornehmlich profitiert das Kupferstichkabinett, dessen Bestände um weit mehr als 1.000 Blatt von Werken internationaler Kunst der Nachkriegsmoderne erweitert wurde. Gemälde, Skulpturen, Objekte und Editionen ergänzen das umfangreiche Konvolut der Werke auf Papier stimmig. Mit der Schenkung sind nunmehr neue große Namen in der Sammlung des Kunstvereins in Bremen vertreten wie Giuseppe Penone, Ulrich Rückriem, Reiner Ruthenbeck, Jan Schoonhoven und Cy Twombly. Außerdem werden vorhandene Bestände deutlich gestärkt, insbesondere im Bereich des deutschen Informel. Die Sammlung Antpöhler besticht darüber hinaus durch besonders gute Exemplare von Druckgraphik.


Unser Lehm ist der Kunz geweint
Sammlung Hajo und Angelika Antpöhler
23. Februar bis 2. Juni 2019

Kunsthalle Bremen
Am Wall 207
D - 28195 Bremen

T: 0049 (0)421 32908-0
F: 0049 (0)421 32908-47
E: office@kunsthalle-bremen.de
W: http://www.kunsthalle-bremen.de/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



Gernot Bubenik: Naturgeschichte, 1966. Siebdruck; Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Gernot Bubenik: Naturgeschichte, 1966. Siebdruck; Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Rupprecht Geiger: ohne Titel, 1958. Siebdruck; Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Rupprecht Geiger: ohne Titel, 1958. Siebdruck; Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Sam Francis: Voilà, 1964. Lithographie; Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen. © Sam Francis Foundation, California / VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Sam Francis: Voilà, 1964. Lithographie; Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen. © Sam Francis Foundation, California / VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Jim Dine: Palette No. 1, 1969. Multipel; Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Jim Dine: Palette No. 1, 1969. Multipel; Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Antoni Tàpies: ohne Titel, 1974. Lithografie; Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen. © Comissió Tàpies / VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Antoni Tàpies: ohne Titel, 1974. Lithografie; Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen. © Comissió Tàpies / VG Bild-Kunst, Bonn 2019