11. März 2021 - 8:28 / Ausstellung / Installation 
13. März 2021 16. Mai 2021

Der österreichische Künstler Herwig Turk setzt sich seit Jahren mit der Flusslandschaft des Tagliamento auseinander. Der Tagliamento in der oberitalienischen Region Friaul gehört zu den wenigen nicht regulierten Flüssen Mitteleuropas.

Der Fluss entspringt am Mauriapass nahe der österreichischen Grenze und mündet 170 Kilometer weiter südlich zwischen Bibione und Lignano Sabbiadoro in die Adria. Das Flussbett ist charakterisiert durch weitläufige, mäandernde Kies- und Sandbänke, die sich je nach Jahreszeit durch das Wasser dynamisch verändern.

Der Tagliamento ist ein einzigartiges Ökosystem und verfügt über eine im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hohe Diversität an Tier- und Pflanzenarten. Eine solche Wildflusslandschaft ist heute für die meisten Menschen ein beeindruckender und seltener Anblick.

In seiner künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Tagliamento stellt Turk die Flussgebiete als Orte mit unterschiedlichen Nutzungen und kulturellen Zuschreibungen vor. Dem Künstler geht es dabei nicht nur um das Wasser, sondern auch um die Bewohner_innen der angrenzenden Ufer und die Ausläufer des Flusses.

Die raumgreifende Installation in der Garage des Kunst Haus Wien besteht aus mehreren Röntgenleuchtkästen unterschiedlicher Größe, aus Siebdrucksieben, beschrifteten Glasplatten und einer Vierkanal-Videoinstallation. Auf diese unterschiedlichen Medien hat der Künstler seine Beobachtungen der Flusslandschaft facettenreich montiert. Turk dokumentiert die geologischen Gegebenheiten und Veränderungen, wie durch das Erdbeben von 1976, hält die ökonomische Verwertung der Rohstoffe Kies und Wasser fest, folgt den Spuren kriegerischer Auseinandersetzungen im Ersten Weltkrieg und beleuchtet das Thema des Naturschutzes anhand ökologischer Forschungseinrichtungen vor Ort.

Turk zeigt den Fluss als dynamisches, komplexes System von geopolitischen Transformationen und verhandelt damit beispielhaft zentrale Facetten des mitteleuropäischen Naturverständnisses. Anamnese einer Landschaft wird als multimediale Installation im Kunst Haus Wien erstmals umfassend präsentiert.

Herwig Turk wurde 1964 in St. Veit an der Glan geboren und arbeitet als Künstler in Wien. Seine Projekte entstehen im Spannungsfeld von Kunst, Technologie und Wissenschaft. Seit 2006 nimmt die Landschaft als Versuchslabor industrieller, militärischer und logistischer Aktivitäten in seiner Arbeit eine zentrale Stellung ein. Seine Arbeiten wurden unter anderem in Wien, Klagenfurt, Amsterdam, Bremen, Berlin, Lissabon, Seoul gezeigt. Seit 2014 unterrichtet Herwig Turk als Senior Artist in der Abteilung Social Design an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

Herwig Turk. Anamnese einer Landschaft
13. März bis 16. Mai 2021
Kuratorin: Verena Kaspar-Eisert

Kunst Haus Wien
Untere Weißgerberstraße 13
A - 1030 Wien

W: http://www.kunsthauswien.com/

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  •  13. März 2021 16. Mai 2021 /
Herwig Turk, Ragona, 2018 © Herwig Turk, Bildrecht Wien
Herwig Turk, Ragona, 2018 © Herwig Turk, Bildrecht Wien
Herwig Turk, Schichtung / Stratification, 2020 © Herwig Turk, Bildrecht Wien, 2021
Herwig Turk, Schichtung / Stratification, 2020 © Herwig Turk, Bildrecht Wien, 2021
Herwig Turk, unstet / unstable, 2018 © Herwig Turk, Bildrecht Wien 2020
Herwig Turk, unstet / unstable, 2018 © Herwig Turk, Bildrecht Wien 2020
Herwig Turk, Schichtung  2 / Stratification 2, 2020 © Herwig Turk, Bildrecht Wien, 2021
Herwig Turk, Schichtung 2 / Stratification 2, 2020 © Herwig Turk, Bildrecht Wien, 2021
Herwig Turk, Braulins, 2018 © Herwig Turk, Bildrecht Wien, 2021
Herwig Turk, Braulins, 2018 © Herwig Turk, Bildrecht Wien, 2021