18. Mai 2021 - 10:14 / Ausstellung / Gegenwartskunst 
15. Mai 2021 22. August 2021

Die künstlerischen Praktiken von Alfredo Aceto und Denis Savary – beide in der Romandie wohnhaft und freundschaftlich miteinander verbunden – sind so nah wie verschieden. Gemeinsam ist ihnen, dass sie medienübergreifend bestehende Formen verdrehen, neue imaginieren und mit unerwarteten Bedeutungen aufladen.

In ihrer ersten gemeinsamen Ausstellung "Ambarabà Ciccì Coccò" erschaffen die beiden Künstler eine fragmentarische Installation, in der unterschiedliche Schichten kultureller Zeichen zusammengetragen werden. Der Titel der Ausstellung, einem italienischen Abzählreim entlehnt, ist sprachlicher Ausdruck dessen, was sich durch die Räume zieht: Eine Anordnung vielfältiger Zeichen, die Assoziationen hervorrufen und sich zu Erzählungen verdichten. Schlüpfrig entziehen sich die Werke dabei einer eindeutigen Benennung und nähren sich – wie die fantasierten Worte 'Ambarabà Ciccì Coccò' — von ihren vielfältigen Bedeutungsebenen. Formen und Funktionen sind inspiriert von verschiedensten Quellen, unter anderem von kunsthistorischen Mythen über Kurt Schwitters oder das Fabelwesen Gargoyle, von Flughäfen oder Badezimmern. Durch dieses Loslösen von und Schwanken zwischen festgelegten Bedeutungen wird eine gewisse Freiheit in der Beziehung zu den Werken und in den Bezügen, die zwischen ihnen festgestellt werden können, eröffnet.

Neue und bereits bestehende Werke beider Künstler, sowie gemeinsam produzierte Arbeiten werden kombiniert und installativ aktiviert. Dabei entstehen unerwartete Verbindungen und ihre künstlerischen Produktionsweisen werden neu gedacht, als Zusammenarbeit und als möglicher Eingriff in die Produktion des Anderen. Funktionen und Assoziationen überlagern sich: Werke werden zu Träger für Skulpturen, künstlerische Eingriffe überführen Erinnerungen an Alltägliches in eine narrative Dimension. Dabei zeigen Aceto und Savary, dass Möbel beides sind: Gebrauchsgegenstände und sozial konstruktive Faktoren. Betten lesen sich somit sowohl als Schauplatz der Erholung als auch Zeichen innerer Befindlichkeiten.

Trotz seiner Abwesenheit spielt der Körper eine wesentliche Rolle in der Ausstellung. Er taucht implizit in verschiedenen Formen und Erscheinungsweisen – zum Beispiel sprachlich als Lautgedicht (Savary) oder logopädisches Instrument zur Artikulationsübung (Aceto) – im Raum auf. So liest er sich nicht in Abgrenzung sondern in Verbindung zu seiner Umgebung, zumal er als zusammenlaufendes Wirkungsfeld und möglicher Handlungsspielraum erscheint. Durch den Körper zeigen sich die Kräfte, die auf ihn einwirken und auf die er einwirkt. In "Ambarabà Ciccì Coccò" schaffen Aceto und Savary ein sichtbares Ergebnis solch aktivierender Kräfte, um eine neue Sichtweise sowohl auf ihre Arbeit als auch die Welt, die sie umgibt, zu ermöglichen.

Alfredo Aceto (geboren 1991, Turin/IT) lebt und arbeitet in Lausanne/CH. Denis Savary (geboren 1981, Granges-près-Marnand/CH) lebt und arbeitet in Genf/CH.

Alfredo Aceto und Denis Savary
15. Mai bis 22. August 2021

Kunst Halle St. Gallen
Davidstrasse 40
CH - 9000 St. Gallen

W: http://www.k9000.ch

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  15. Mai 2021 22. August 2021 /
Alfredo Aceto, Centaure, 2019. Courtesy: der Künstler und Istituto Svizzero, Mailand. Photo: Giulio Boem
Alfredo Aceto, Centaure, 2019. Courtesy: der Künstler und Istituto Svizzero, Mailand. Photo: Giulio Boem
Denis Savary, Villa, 2021, Courtesy: der Künstler und Galerie Maria Bernheim, Zürich. Photo: Annik Wetter
Denis Savary, Villa, 2021, Courtesy: der Künstler und Galerie Maria Bernheim, Zürich. Photo: Annik Wetter
Alfredo Aceto und Denis Savary «Ambarabà Ciccì Coccò», Ausstellungsansicht, 2021. Photo: Annik Wetter
Alfredo Aceto und Denis Savary «Ambarabà Ciccì Coccò», Ausstellungsansicht, 2021. Photo: Annik Wetter
Alfredo Aceto und Denis Savary, Ambarabà Ciccì Coccò I-III, 2021. Courtesy: die Künstler; Denis Savary, Le Phare, 2017. Courtesy: der Künstler und Galerie Maria Bernheim, Zürich. Photo: Annik Wetter
Alfredo Aceto und Denis Savary, Ambarabà Ciccì Coccò I-III, 2021. Courtesy: die Künstler; Denis Savary, Le Phare, 2017. Courtesy: der Künstler und Galerie Maria Bernheim, Zürich. Photo: Annik Wetter