Do, 28.03.2013 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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Mit seinen Musikvideos zu "Stress" der französischen Band "Justice" und zu "Born Free" der englischen Sängerin M.I.A. sorgte Romain Gavras für Kontroversen. In seinem ersten Spielfilm erzählt der Franzose von zwei Rothaarigen, die aus ihrer bürgerlichen Welt ausbrechen. Bei Universum Film ist das Roadmovie in der Reihe "FilmFrontal" auf DVD erschienen.

Auf eine Abfolge von Ansichten einer tristen Industrielandschaft folgt der Blick auf backsteinerne Arbeitersiedlungen. Vom Allgemeinen geht der Sohn von Constantin Costa-Gavras aufs Spezielle, pickt ein Fenster heraus und blickt dann in die Wohnung. Keine Menschen nur das Mobiliar sieht man zunächst, bis sich die Kamera dem auf einem Stuhl sitzenden Remy (Olivier Barthelemy) zuwendet. Zuhause hat der rothaarige junge Mann immer Streit mit Mutter und Schwester, beim Fußballtraining ist er ein Außenseiter. Eine Internetbekanntschaft scheint sein einziger sozialer Kontakt zu sein.

Parallel dazu zeigt Gavras den ebenfalls rothaarigen Psychoanalytiker Patrick (Vincent Cassel), den die Probleme seiner Patienten langweilen. Abends fährt er mit seinem Wagen durch die Gegend und stößt so schließlich auf Remy. In ihm scheint er ein interessantes Versuchsobjekt zu sehen, das er formen und manipulieren kann. Während Remy nämlich versucht für die Umwelt praktisch unsichtbar zu bleiben und alles duldend hinnimmt, eckt Patrick bewusst an, provoziert und sucht Streit. Er fordert zwei afrikanische Migranten ebenso heraus wie zwei junge Rapper oder einen jüdischen Autohändler, wobei er dann vielfach Remy die Sache ausbaden lässt.

Patrick erklärt seine Aktionen mit der Diskriminierung der Rothaarigen, um die es schon in Gavras Video zu "Born Free" ging. Doch diese Vorurteile und eine Ausgrenzung sind in "Our Day Will Come" nicht wirklich zu erkennen, vielleicht nur Einbildung der beiden Protagonisten. Evident ist das Thema des Umgangs mit Minderheiten freilich in den Begegnungen des Duos, denn sie treffen vielfach auf solche.

Der Stillstand und die Lethargie des Beginns wird zunehmend durch Bewegung abgelöst, ein Roadmovie entwickelt sich, bei dem die äußere Bewegung mit einer inneren Wandlung Remys korrespondiert. Immer offener und aktiver wird er, beginnt die Handlungen zu steuern und, angeregt durch ein Prospekt, von einer Flucht nach Irland, das ihm als Paradies der Rothaarigen erscheint, zu träumen.

Lose reiht Gavras Szenen einer zunehmend gewalttätigen Odyssee aneinander, lässt Remy und Oliver sich an der Gesellschaft und an anderen Minderheiten reiben. Die Breitwandbilder könnten ein Gefühl von Freiheit evozieren, doch wird dieses durch die kühle und triste Landschaft des französischen Nordens wieder konterkariert. Gleichzeitig hält auch die fragmentierte Erzählweise den Zuschauer auf Distanz. In kein Schema passen will dieser irritierende Film, wirkt aber gerade gerade dadurch nach.

Die bei Universum Film in der Reihe "FilmFrontal" erschienene DVD bietet die französische und die deutsche Sprachversion sowie deutsche Untertitel und als Extras den Trailer und ein 18-minütiges Making of, in dessen Mittelpunkt das Thema der Ausgrenzung von Rothaarigen und anderen Minderheiten steht.

Trailer zu "Our Day Will Come"



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