8. Oktober 2021 - 10:08 / Ausstellung / Malerei 

Die deutsche Künstlerin Michaela Eichwald präsentiert in ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung in der Schweiz neue Gemälde.

In ihren Bildern breitet sich auf den üppig beschichteten Oberflächen aus unkonventionellem Trägermaterial wie Lederimitaten oder Autositzbezügen eine künstlerische Praxis zwischen Abstraktion und Figuration, Sprache und Gestik aus – im Versuch, die klassischste Gattung der Kunstgeschichte, die Malerei, neu zu denken.

In den 1990er-Jahren experimentierte Eichwald mit Videos, um dann Fotografien, Arbeiten auf Papier sowie Skulpturen zu schaffen. Letztere sind eigenwillige, in Kunstharz gegossen Formen, angefüllt mit sorgsam ausgesuchten Alltagsgegenständen wie Hühnerknochen, Radiergummis, Halloween-Süssigkeiten und kleinen Zeichnungen, die in ätherischen Epoxidharz-Blasen erstarrt scheinen. Es ist jedoch ihre Malerei, die am meisten Aufmerksamkeit bekommt und im Zentrum dieser Präsentation neuer Arbeiten steht.

Eichwalds malerischen Ausdruck als eine Abfolge von Hauptsätzen zu begreifen, erscheint plausibel. Als Leserin von Lyrik und Autorin von regelmässigen Beiträgen auf uhutrust.com, ein "lo-fi" Blog, den sie in den frühen 2000er-Jahren zu führen begann, bildet Sprache das Grundgerüst ihrer künstlerischen Praxis. Mitunter taucht Text auf den Gemälden auf, häufiger jedoch zeigt sich ihr eigenwilliger Sinn für das Poetische in den Werktiteln. Eichwalds selbstironische Haltung kommt dort am deutlichsten zum Ausdruck, wo sie schlaue Seitenhiebe auf die Konsumgesellschaft Bezügen zur mittelalterlichen Mystik oder Theologie gegenüberstellt.

Die Künstlerin begibt sich beharrlich auf die Suche nach dem Neuen und findet es in einem nahezu alchemistischen Verfahren – bei dem jedes Gemälde zum lebendigen Testgelände dafür wird, wie grundverschiedene und unkonventionelle Materialien und Formen aufeinander reagieren können.

In einer Zeit des technologischen Gefunkels, der mit Instagram-Filtern geglätteten Gesichter, der Versuche zur Lebensverlängerung durch Kälteverfahren und einer Kunstwelt, in der es von geschönten Abbildern dieser Zustände nur so wimmelt, wagen Eichwalds Gemälde es, sich der Perfektion und der Politur, der Hochwertigkeit und der Eindeutigkeit zu entziehen.

Michaela Eichwald wurde 1967 in Gummersbach, DE, geboren und lebt und arbeitet in Berlin.

Michaela Eichwald
Auf das Ganze achten und gegen die Tatsachen existieren
8. Oktober 2021 bis 23. Jänner 2022

Kunsthalle Basel
Steinenberg 7
CH - 4051 Basel

W: http://www.kunsthallebasel.ch/

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Michaela Eichwald, Panzerwiese Hartelholz, 2020 © Michaela Eichwald
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Michaela Eichwald, Auf das Ganze achten und gegen die Tatsachen existieren, 2020 © Michaela Eichwald
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Michaela Eichwald, Heute kein Besuch, 2020 © Michaela Eichwald
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Michaela Eichwald, Heute Journal, 2020 © Michaela Eichwald
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