3. Januar 2008 - 1:40 / Ausstellung / Grafik 
26. Oktober 2007 13. Januar 2008

Idealisiert oder verachtet - das Mittelalter war groß in Mode in den 1920er Jahren und prägte das Revival des Holzschnitts in Hamburg. Die vierte Präsentation der Sammlung Hamburger Sparkasse stellt 50 Holzschnitte der Sezessionisten grafischen Vorbildern aus der Moderne und dem Mittelalter gegenüber. Eine Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe geht einer Bandbreite von Themen nach, von der Landschaft bis zu christlichen Symbolen, von sozialkritischen Werken bis zu Porträts, die die Faszination des Mittelalters verdeutlichen.

Die Organisation und die druckgraphischen Werke der Künstlergruppe Brücke diente den Künstlern der Hamburgischen Sezession als erfolgreiches Modell einer deutschen Avantgarde. Mithilfe des Mediums Holzschnitt verfasste die Brücke ihre eigene Identität, sei es in Mitgliederverzeichnissen, einer Chronik oder in Jahresmappen, die sie als Abonnements an passive Mitglieder der Künstlergruppe verkauften. Dies war revolutionär, hatten doch der Holzschnitt seit seiner Blütezeit im späten fünfzehnten und frühen sechzehnten Jahrhundert ein Schattendasein als Reproduktionsmittel fristen müssen. Durch die neue Hinwendung zu handgefertigter Produktion im Jugendstil wurde auch der Holzschnitt als eigenständige Gattung wiederentdeckt und gefeiert. Im Expressionismus wurde das Medium zum Träger vielfacher Bildthemen: ob mit religiösen Bezügen zum mittelalterlichen Heiligenbild, in Kriegszyklen, in friedlichen Elbelandschaften oder unheimlichen Interieurs – der Holzschnitt wurde repolitisiert und als deutscher Beitrag zum künstlerischen Aufbruch in der Moderne betrachtet.

Das Mittelalter und die Frührenaissance, insbesondere die Werke altdeutscher Maler und Druckgrafiker wie Albrecht Dürer, Lucas Cranach oder Hans Holbein wurden zu Orientierungspunkten in der eigenen Kulturgeschichte und erfuhren eine Schwemme wissenschaftlicher Publikationen in den ersten beiden Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts. Die als primitiv empfundene Ästhetik fiel auf fruchtbaren Boden bei Künstlern, die auch den Einfluss der "primitiven" Kunst Ozeaniens oder Afrikas in der französischen Moderne verfolgten. In bedeutenden Holzschnitten von Emil Maetzel, Karl Opfermann und Kurt Löwengard lassen sich daher stilistische und inhaltliche Anlehnungen an bekannte Werke der Frührenaissance finden. Ihnen gegenüber verdeutlichen die Landschaften in Holzschnitten von Eduard Bargheer und Arnold Fiedler die Auseinandersetzung mit lokalen und nordeuropäischen Bildtraditionen. Karl Lorenz’ Folge zu Walther von der Vogelweide treibt den Kontrast zwischen mittelalterlichem Inhalt und avantgardistischer Form auf die Spitze.


Es erscheint ein Katalog, 64 Seiten, ca. 50 Abb., Hardcover. Preis 16 Euro.

Inspiration Mittelalter
Holzschnitte der hamburgischen Sezession

26. Oktober 2007 bis 13. Januar 2008

Museum für Kunst und Gewerbe
Steintorplatz
D - 20099 Hamburg

T: 0049 (0)40 428 1342-732
F: 0049 (0)40 428 1342-834
E: service@mkg-hamburg.de
W: http://www.mkg-hamburg.de/

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Emil Maetzel: Salome, Holzschnitt 1919
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Erich Hartmann: Frauenkopf mit Blume, 1920er Jahre; Holzschnitt
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Eduard Bargheer: Die Elbe bei Ebbezeit, 1935. Holzschnitt 25,2 x 22 cm
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Eduard Bargheer: Fischereihafen, 1935. Holzschnitt 25,4 x 33 cm