5. Oktober 2022 - 6:45 / Ausstellung / Zeichnung 
6. Oktober 2022 19. November 2022

Die Galerie.Z in Hard zeigt eine umfassende Werkschau des in Wolfurt lebenden und arbeitenden Künstlers Harald Gmeiner. Sein künstlerisches Schaffen fußt unter anderem auf ausgedehnte Reisen in den Nahen Osten, Südostasien, China und Australien. Seit 1981 fließen die vielfältigen kulturellen Eindrücke in seine Kunst ein. Es mag somit wenig überraschen, dass sein Oeuvre ebenso vielschichtig wie variantenreich ist. Neben Malerei und Zeichnung, die den wesentlichen Part seines Werks darstellen, gestaltet er Videos, Performances und Rauminstallationen. Bei den zuletzt groß angelegten Präsentationen im Kunstraum Engländerbau in Vaduz, im bildraum07 in Wien, im Palais Thurn und Taxis in Bregenz oder in der Villa Claudia in Feldkirch zeigte er vornehmlich Gemälde.

Sammeln, beobachten, umsetzen

Ganz dem Zeichnerischen hingegen ist “Pflanze und Gespenst”, so der Titel der aktuellen Ausstellung gewidmet. Zu sehen sind groß- und kleinformatige Exponate sowie Monotypien. Zum Einsatz kommen dabei Graphit, Kohle, Druckerschwärze und Acryl. Für die intensive Auseinandersetzung mit einem Thema bevorzugt er die serielle Herangehensweise, weil sie für ihn eine sukzessiv vertiefende Methode darstellt. Die Intensität steigert sich von Blatt zu Blatt bis die intellektuelle Aufladung erschöpft, die bildhafte Umsetzung vollbracht und das Anliegen beendet ist, verdeutlicht der Künstler seine Arbeitsweise.

Inhaltlich setzt sich Harald Gmeiner mit brennenden gesellschaftlichen sowie geopolitischen Themen auseinander, ohne sich in einem belehrenden oder moralischen Wust zu verfangen. Im Mittelpunkt steht dabei nichts weniger als die Erforschung der Welt, deren Geschehnisse sowie die Vorstellungen und Interpretationen der Menschen in Bezug zu deren Lebensumgebungen.

Denn er ist ein aufmerksamer Beobachter, kritischer Sondierer und sorgfältiger Seismograph. In der Konsequenz bedeutet dies, dass er weniger eindeutig Definiertes, Benennbares oder Sichtbares zeichnet als Mehrdeutiges, Vermutetes, Diffuses. Eine Pflanze beispielsweise nimmt bei ihm eine Vielgestaltigkeit an, mutiert zu Annäherungen an phantasievolle Gebilde. Diese können als Köpfe, Torsi oder Wesen infernalischen Ursprungs wahrgenommen werden.

Ebenso verhält es sich mit Gmeiners Gespenstern. Energetisch aufgeladene Knäuel von Strichen, Linien, Kritzeleien und Kurven drängen sich nicht plakativ als das Böse, Bedrohliche, Unheilvolle in den Vordergrund. Vielmehr vermitteln sie eine Stimmung, die zwischen harmlos, gefällig bis gruselig und unheimlich oszilliert. Inwiefern sich neue Sichtweisen und Zugänge auf gesellschaftlich codierte Perzeptionsgewohnheiten auswirken, ist ein zentrales Thema in Harald Gmeiners Arbeit.

Was wäre wenn

Deshalb entscheidet er sich ganz bewusst dazu, bestimmten Arbeiten keinen Titel zu geben. Einerseits soll damit die Interpretationslust nicht begrenzt werden. Andererseits hält der Künstler einen Titel für entbehrlich, wenn er für das Bild nichts Zusätzliches liefern kann. Eine banale Beschreibung würde nach seiner Einschätzung die beabsichtigte Offenheit konterkarieren.

Wichtig ist er für ihn, seine schöpferische Kraft dafür einzusetzen, Möglichkeitsräume zu schaffen. Die geistigen Abenteuerspielplätze, die er mit seiner Kunst bietet, laden zu anregenden Entdeckungen ein. Zeit und Muse, um in die geheimnisvollen Bildwelten einzutauchen, empfiehlt sich.

Monika Helfer zu den Zeichnungen von Harald Gmeiner

Sehe ich mir die Bilder von Harald Gmeiner an, ist es, als ginge ich mit geschlossenen Augen einen mir unbekannten Weg. Die Gerüche sind mir vertraut, Wald, Moos, Farnkraut, wilde Pflanzen. Ungezähmte Natur.
Die Köpfe, die Gesichter, spiegeln die Atmosphäre der Fremdheit.
Die Gewissheit, sich selbst zu haben und damit Kunst zu veräußern, ist das Höchste, was ich mir vorstellen kann.
Die Figuren des Künstlers tanzen über dem Abgrund. Wir wissen nicht, was geschehen ist.
Weiß es der Künstler? Das Schöne ohne das Schreckliche kann er nicht zeichnen.
Was wir in und für uns selbst sind (ein Zitat von Schopenhauer) fällt mir ein, wenn ich an die Art des Zeichnens und Malens von Harald Gmeiner denke, eine Konzentration auf das Selbst, ein Inneres, das sich nach Außen verkehrt.
Er zeichnet. Dem Körper seinen Schatten. Die Geister höherer Art begleiten ihn. Kleine schwache und schiefe Köpfe, die einmal waren, was sie wieder sind, vergessene Geschöpfe, verkohlte Gesichter, Arme wie Draht.
Das Unklare, das Verworrene, das Hirnlose, das Lebendige, das Sterbliche, all dies in Zeichnungen gefasst, die etwas mit mir machen. Mit Ihnen? Weiß der Künstler, was er bewirkt, weiß er, was fortlebt in dem Seher? Er lässt es geschehen. Schaut auf das angefangene Blatt und denkt, ist es fertig, soll es weiterleben?
Also spazieren wir durch sein Labyrinth und lassen unseren Gedanken Freiheit. Wie in einem Spiegel sehen wir, was sein könnte, wohin sich die Verwandlung dehnt.
Bei einem dunklen Bild beugt sich der Tod über mich.

Harald Gmeiner - Pflanze und Gespenst
Ausstellungseröffnung: Do. 6. Oktober 2022 I 19:30 Uhr
Zur Eröffnung spricht Monika Helfer

Ausstellungsdauer: 6. Oktober bis 19. November 2022



  •  6. Oktober 2022 19. November 2022 /
Harald Gmeiner, 1947, 50 x 30 cm, Kohle auf Papier, 1995 © Foto: Günter König
Harald Gmeiner, 1947, 50 x 30 cm, Kohle auf Papier, 1995 © Foto: Günter König
Harald Gmeiner, 1951, 50 x 30 cm, Kohle auf Papier, 1995 © Foto: Günter König
Harald Gmeiner, 1951, 50 x 30 cm, Kohle auf Papier, 1995 © Foto: Günter König
Harald Gmeiner, 1979, 164 x 100 cm  © Foto: Günter König
Harald Gmeiner, 1979, 164 x 100 cm © Foto: Günter König