verfasst von Heimo L. Handl / So, 20.01.2019 / Handls Essais
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Gewisse Begriffe sind besetzt. Lügenpresse ist so einer, oder fake news und postfaktische Fakten. Einige sind frei, vorläufig zumindest. Wie lange noch? Ich schlage vor, gewisse postfaktische Behauptungen bzw. Zitate, die keine echten sind, aber so aussehen, als "fabelhaft" im Sinne der Fabel, des Märchens, zu benennen. Der Fall Menasse hat viele guten Geister dazu gebracht, öffentlich Farbe zu bekennen. Etliche verteidigten den Fälscher und Lügner Menasse, als ob sie Priester wären mit der Autorität zur Absolution und befanden, dass Menasse sich höchstens der lässlichen Sünde schuldig gemacht habe und fanden im Übrigen nur gute Worte für den guten Menschen RM. Sogar der sonst so gescheite Philosoph Liessmann ließ sich hinreißen laut nachzudenken über die Frage "Dürfen Dichter lügen?", um die es nie gegangen war und um die es nicht geht. Fiktionales Schreiben, Dichten, wie einige es etikettieren, ist nicht Lügen. Fiktion mit Lüge gleichzusetzen ist schon ein Missverstehen, typisch für unsere Zeit.

Das Operieren mit fake news ist nicht nur eine amerikanische Spezialität, sondern auch eine Domaine rechtsgerichteter, nationalistischer und chauvinistischer Politiker in Europa. Ein französischer Abgeordneter behauptete kürzlich, Macron wolle den Deutschland Elsass-Lothringen "schenken". Auf diese fake news angesprochen meinte er verschmitzt lächelnd, es ging ihm um das Anstoßen einer Diskussion und einer Warnung, nur so könne er entsprechende Aufmerksamkeit erlangen.

Das britische Brexit-Drama hat nicht nur Unterhaltungswert, sondern schürt ebenfalls Ängste. Heimische Firmen fürchten Geschäftseinbußen. Und? Die Deutschen vor allem, aber auch Österreich, wollen den Briten helfen, wo es nur geht. Aber die Briten haben zwei Jahre Zeit gehabt, haben selbst entschieden. Was soll der Zirkus? Gehen Geschäftsinteressen vor? Fast könnte man es meinen. Aber es wäre an der Zeit, konsequent zu bleiben und den Brexit durchzuziehen, ohne jeden Aufschub. Hart auf hart. Unsere Geschäftsjammerer würden ja mit jedem alles machen, solange es für sie ein Geschäft ist. Mit Putin, mit den Saudis, mit den Israelis, mit den USA und auch mit Britannien. Es werden Konzepte geprüft, wie man die Folgen des harten Brexit aufweichen könne, wie man dennoch unbeschadet mit den Briten Geschäfte machen könne ohne Zölle oder Sondersteuern. Hoffentlich unterbindet das die EU und legt Strafzahlungen jenen Ländern auf, die ausscheren.

Bei uns in Österreich üben sich vor allem die Freiheitlichen in fake news und entsprechender Aufmerksamkeitsgewinnung. Da werden Pauschalverdächtigungen in die Welt gesetzt, die sich mit keinen Zahlen belegen lassen, aber in den Medien präsent bleiben und die Stimmung im Sinne der Angst- und Neidpolitik der F-ler befördern. Mit Menasse dürfen sie ungeniert behaupten "Was kümmern uns Fakten oder belegbare Zahlen", es gilt der Sinn... Also malen die F-ler von Wien ein Bild, als ob alle Tschetschenen außerhalb Tschetscheniens in Wien auf Kosten der österreichischen Steuerzahler hausten und die SPÖ praktisch der Wegbereiter einer Tschetschenen-Mafia sei. Sogar das Bubi, das sonst smart zurückhaltend bleibt, wandte sich untergriffig gegen die faulen Sozialschmarotzer in Wien, die dank der Wiener Mindestsicherung nicht arbeiten, sondern spät aufstehen und die armen Kinder alleine aufstehen lassen. Belege? Wer braucht denn die? Als ob sie von Menasse gelernt hätten, reicht der Rekurs aufs Vordergründige, auf die Annahmen, die Indizien. So verstärkt man nicht nur fake news, sondern vergiftet das Rechtsempfinden, alles, um die spießerhafte Politik der Rechtsradikalen im Verein mit den Wirtschaftsinteressen abzusichern. Die Mehrheit der Bevölkerung nimmt das nicht nur hin, sondern applaudiert sogar. Der Zuspruch für den kurzen Kurz ist enorm.

Dieselbe Regierung, die Wien verdächtigt und gegen die Landesregierung einen Propagandafeldzug führt, versucht andererseits in Großbritannien Firmen zum Umzug nach Wien zu bewegen. Man stelle sich vor: eine Regierung mit Beteiligung der F-ler will Firmen hereinholen. Auf was hin? Weltoffenheit nach Facon der F-ler, wie man sie bei Kickl und Vilimsky nachlesen kann oder dem notorischen Rechtsaußen Gudenus? Die reinste Peinlichkeit, geführt vom türkisen Bubi.

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)