18. Dezember 2007 - 2:13 / Ausstellung / Archiv 
14. Juli 2007 6. Januar 2008

Seit nunmehr dreißig Jahren schafft Hiroshi Sugimoto (Jg. 1948) überaus faszinierende, rätselhafte fotografische Bilder. Befreit aus ihrer Realitätsverpflichtung, wird die Fotografie zum Medium seiner künstlerischen Reflexion über Zeit, Vergänglichkeit und Erinnerung.

"Mein Anliegen ist es", so der Künstler 2002, "mit den Mitteln der Fotografie eine uralte Stufe der menschlichen Erinnerung sichtbar zu machen. Ob individuelle oder kulturelle Erinnerung oder die kollektive Erinnerung der Menschheit insgesamt: Es geht darum, in die Vergangenheit zurückzugehen und sich zu erinnern, woher wir kommen und wie wir entstanden sind." Sugimoto gibt formal äußerst reduzierte Denk-Bilder, in denen er dem Wesen der Fotografie sowie grundlegenden Phänomenen der menschlichen Erfahrung nachforscht.

Das Werk des japanischen Künstlers, der seit 1970 in den USA lebt, ist seriell aufgebaut. In jeder einzelnen Fotografie ist aber der gedankliche Raum der jeweiligen Serie enthalten. Marcel Duchamps Ansatz, die amerikanische Minimal und Concept Art sind ebenso prägend für seine Kunst wie die Kultur des alten Japans und die fernöstliche Ästhetik. Sugimoto arbeitet mit einer alten Großbildkamera des ausgehenden 19. Jahrhunderts; er überschreitet in seinen jüngeren Werken jedoch zunehmend die medialen Grenzen der Fotografie, um mit Skulpturen und Architektur den Raum zu erschließen.

Die Ausstellung in K20, Auftakt einer Tournee mit drei weiteren Stationen, ist die bisher größte Retrospektive des Künstlers im deutschsprachigen Raum. Sie empfängt den Besucher in der großen Halle im Erdgeschoss, wo auf einer monumentalen, leicht gekurvten Wandscheibe dreizehn großformatige Bilder der Serie Seascapes präsentiert werden. Auf den beiden folgenden Etagen entwickelt sich der Parcours in neun Räumen mit den Serien Theaters und Drive-in Theaters, Portraits, Pine Trees, Colors of Shadow, Conceptual Forms (Mathematical Forms), Dioramas, Architectures, Lightning Fields und Fox Talbot. Im räumlichen Zentrum der Ausstellung wird Onduloid gezeigt, eine virtuell endlos verlängerbare Aluminiumstele aus konvexen und konkaven Formen.

Sugimotos Kunst zeichnet sich durch vollkommene Ruhe und Schönheit, durch größte Präzision und auratische Wirkung aus. Sie fordert einen konzentrierten Betrachter, der in einem langsamen Rhythmus zwischen der Nahsicht der Bilder mit ihren vielen Detailinformationen und dem Gesamtarrangement der Werke im Raum wechselt. Sugimoto bewertet Fotografie als Medium der Reflexion und der Kontemplation. Ein vertiefender Blick auf sein Werk ist gerade in Düsseldorf – einer Stadt, die international als Zentrum der fotografischen Kunst
wahrgenommen wird – aufschlussreich und erhellend.


Der Katalog zur Ausstellung im Hatje Cantz Verlag ist als Künstlerbuch in der Art eines Catalogue raisonné konzipiert. Autoren: Hiroshi Sugimoto, Kerry Brougher, Pia Müller-Tamm.

Hiroshi Sugimoto
14. Juli 2007 – 6. Januar 2008

Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
Ständehausstraße 1
D - 40217 Düsseldorf

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