24. März 2021 - 10:59 / Ausstellung / Retrospektive 
24. März 2021 27. Juni 2021

Zum 91. Geburtstag widmet das Kunstforum Wien Daniel Spoerri eine Ausstellung. Damit ist in Wien erstmals seit über 30 Jahren eine umfassende Retrospektive zu Daniel Spoerri in jener Stadt zu sehen, in der der Künstler seit 2007 lebt. Die Schau versammelt über 100 Schlüsselwerke Spoerris aus 43 öffentlichen und privaten internationalen Sammlungen und ermöglicht durch reiches Archivmaterial zusätzliche Einblicke in das Leben und Wirken dieses Universalkünstlers.

Daniel Spoerri, der 1930 als Daniel Feinstein in Galaţi (Rumänien) geboren wurde emigrierte 1942 – nachdem sein Vater in Zuge eines rumänischen Pogroms ermordet worden war – nach Zürich. Er lebt und arbeitet heute – nach Stationen in unter anderem Paris, New York, Symi, Toggwil (Ueberstorf) und Düsseldorf – in Wien. Im "Il Giardino di Daniel Spoerri" in Seggiano in der Toskana sucht er seit 1997 zudem die Auseinandersetzung mit dem skulpturalen Werk von Künstlerkolleginnen und -kollegen, wie Eva Aeppli, Meret Oppenheim, Nam June Paik, Niki de Saint Phalle oder Jean Tinguely.

Mit seinen seit 1960 kontinuierlich weiterentwickelten "Fallenbildern" (frz.: "Tableaux pièges") schrieb sich Spoerri in die Kunstgeschichte ein. Die Ausstellung im Kunstforum Wien erweitert den Blick auf den in nahezu allen künstlerischen Medien tätigen Künstler und begeisterten Sammler, in dessen vielseitigem Werk seit 60 Jahren soziale Interaktionen und die sinnliche Wahrnehmung des Alltäglichen – insbesondere der menschliche Geschmackssinn – im Fokus stehen. Neben seinen Alltagsmaterialien nutzenden Assemblagen und Collagen werden in der Ausstellung seine seit 1970 entstehenden Bronzeskulpturen ebenso präsentiert, wie auch seine Schrift und Textilien verschränkenden Arbeiten und seine, oft in Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen und Künstlern umgesetzten Aktionen.

Diese Intermedialität ist auch der Biografie Daniel Spoerris eingeschrieben: So studierte er klassischen Tanz (gefördert von u.a. Max Terpis), inszenierte Theaterstücke, legte in der von ihm 1958 gegründeten Edition MAT (Multiplication d’art transformable) Objekte von Marcel Duchamp, Man Ray, Dieter Roth und Victor Vasarely auf, unterzeichnete 1960 des Manifest des Nouveau Réalisme mit, schuf 1962 mit "Anekdoten einer Topographie des Zufalls" ein literarisches Pendant zu seinen "Fallenbildern", arbeitete mit Fluxus-Künstlern wie Emmett Williams und Robert Filliou zusammen, gründete zahlreiche Restaurants, rief die Eat Art ins Leben und veranstaltet bis heute Bankette.

Von 1978 bis 1982 lehrte Daniel Spoerri in Köln, wo er mit Studierenden Ausstellungsprojekte und Bankette realisierte, von 1983 bis 1989 war er Professor an der Kunstakademie München. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen präsentiert, unter anderem im Centre Georges Pompidou, Paris (1990), mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (2002) und Mocak – Museum für Gegenwartskunst, Krakau (2015). Seit 1996 wird das Archiv Daniel Spoerri in der Graphischen Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern verwaltet und kontinuierlich aufgearbeitet. In Hadersdorf am Kamp werden im Ausstellungshaus Spoerri seit 2009 Wechselausstellungen präsentiert, die Daniel Spoerris Arbeiten in Dialog mit jenen namhafter Kolleginnen und Kollegen treten lassen.

Daniel Spoerri
24. März bis 27. Juni 2021



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Daniel Spoerri, Palette pour Grégoire Müller, 1992, Assemblage (Farbtuben, leere Terpentinflaschen, Pinsel, Putzlappen auf Holz), 92 x 214 x 20 cm, ZKM - Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe © Daniel Spoerri und Bildrecht, Wien 2021 Foto: © Tilman Daiber
Daniel Spoerri, Palette pour Grégoire Müller, 1992, Assemblage (Farbtuben, leere Terpentinflaschen, Pinsel, Putzlappen auf Holz), 92 x 214 x 20 cm, ZKM - Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe © Daniel Spoerri und Bildrecht, Wien 2021 Foto: © Tilman Daiber
Daniel Spoerri, Santo Grappa, 1971, Bronzeabguss eines Sessels, Kuhschädels, Schuhes, 160 x 41 x 64 cm, Mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, ehemals Sammlung Hahn, Köln, erworben 2003 © Daniel Spoerri und Bildrecht, Wien 2021 Foto: © mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, ehemals Sammlung Hahn, Köln
Daniel Spoerri, Santo Grappa, 1971, Bronzeabguss eines Sessels, Kuhschädels, Schuhes, 160 x 41 x 64 cm, Mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, ehemals Sammlung Hahn, Köln, erworben 2003 © Daniel Spoerri und Bildrecht, Wien 2021 Foto: © mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, ehemals Sammlung Hahn, Köln
Daniel Spoerri & Robert Filiou, Rat’s Nest, 1977, Assemblage, 43 x 42,5 x 12,7 cm, Kunsten Museum of Modern Art Aalborg © Daniel Spoerri und Bildrecht, Wien 2021 Foto: © Niels Fabaek
Daniel Spoerri & Robert Filiou, Rat’s Nest, 1977, Assemblage, 43 x 42,5 x 12,7 cm, Kunsten Museum of Modern Art Aalborg © Daniel Spoerri und Bildrecht, Wien 2021 Foto: © Niels Fabaek
Daniel Spoerri, Tableau Piège, Restaurant Spoerri, 1972, Assemblage mit Geschirr- und Speiseresten auf blauem Papiertuch in Plexiglaskasten, 70 x 70 x 40 cm, Bündner Kunstmuseum Chur, Ankauf © Daniel Spoerri und Bildrecht Wien, 2021 Foto: Bündner Kunstmuseum Chur
Daniel Spoerri, Tableau Piège, Restaurant Spoerri, 1972, Assemblage mit Geschirr- und Speiseresten auf blauem Papiertuch in Plexiglaskasten, 70 x 70 x 40 cm, Bündner Kunstmuseum Chur, Ankauf © Daniel Spoerri und Bildrecht Wien, 2021 Foto: Bündner Kunstmuseum Chur