3. Januar 2014 - 2:42 / Ausstellung / Ethno 
18. Oktober 2013 6. Januar 2014

Nur wenige der in die Hunderte zählenden indigenen Völker Nordamerikas beschäftigten die europäische Vorstellung in dem Ausmaß, wie es die Irokesen taten. Diese Faszination gründet sich vor allem auf die herausragende Rolle, die die fünf (später sechs) irokesischen Nationen im kolonialen Nordamerika des 17. und 18. Jahrhunderts spielten. Im Verband einer schlagkräftigen Stammesliga galten sie als gefürchtete Krieger und geschickte Diplomaten – ein Ruf, der seinen Niederschlag nicht zuletzt auch in der Romanliteratur fand.

Das europäische Interesse an den Irokesen ging aber schon immer weit über die Beschäftigung mit ihren politischen und militärischen Leistungen hinaus. Die intellektuelle Auseinandersetzung mit der irokesischen Kultur prägte nicht nur die Geschichte der Ethnologie, sondern inspirierte auch die Friedens- und Frauenbewegung und hinterließ nachhaltige Spuren in der Populärkultur.

Die Ausstellung zeichnet die Entwicklung der irokesischen Kultur von ihren Ursprüngen bis hin zu ihrer lebendigen Artikulation im heutigen Kanada und den Vereinigten Staaten nach. Sie folgt der wechselvollen Geschichte der Irokesen durch die von Krieg, Handel und christlicher Missionierung gekennzeichnete Kolonialzeit bis zum Auseinanderbrechen der Irokesenliga im Zuge der Amerikanischen Revolution, durch das von Landverlust, Isolation auf Reservationen und Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft geprägte 19. Jahrhundert bis zu den Autonomiebestrebungen und dem Wiedererstarken indigener kultureller Identität im 20. und 21. Jahrhundert.

Mit über 500 Exponaten führt die groß angelegte Ausstellung Auf den Spuren der Irokesen erstmals historische Gemälde und Zeichnungen, kostbare ethnografische Objekte und herausragende Beispiele irokesischer Gegenwartskunst der bedeutendsten Sammlungen Europas, der Vereinigten Staaten und Kanadas zusammen. Die Konzeption der Ausstellung beruht auf umfassenden Vorgesprächen mit irokesischen Künstlern, Kuratoren und Intellektuellen und strebt nach einer vielschichtigen Darstellung der irokesischen Kultur und ihrer Veränderungen, in der auch zeitgenössische indigene Interpretationen irokesischer Geschichte und kultureller Identität zu Wort kommen.

Wie der Tuscarora-Künstler und Schriftsteller Richard W. Hill es ausdrückte, "kann sicher behauptet werden, dass die Haudenosaunee (Selbstbezeichnung der Irokesen als "Leute des Langhauses") sich heute über ihre Vielfalt definieren", da jede Generation "zu dieser vielschichtigen Definition beiträgt, indem sie den künstlerischen Ausdrucksformen der Vergangenheit und den Überlieferungen ihrer Vorfahren ihre eigenen Lebenserfahrungen hinzufügt". Neben Christian Feest, ehemaliger Direktor des Wiener Völkerkundemuseums, ist es gelungen, wichtige irokesische Wissenschaftler und Künstler in Kanada und den USA zur Mitarbeit zu gewinnen, darunter auch Thomas Hill, den ehemaligen Direktor des Woodland Cultural Centre in Brantford, Ontario, und auf amerikanischer Seite Peter Jemison, den Leiter der Ganondagan State Historic Site in Victor, New York.

Der Begleitkatalog zur Ausstellung (in deutsch- und englischsprachiger Ausgabe) vermittelt Einsicht in den historischen und kulturellen Kontext der Exponate und ihrer Hersteller und unterstreicht die Bedeutung ethnografischer Museumssammlungen für das Verständnis dieses faszinierenden Volkes und seiner Kultur. Er erscheint im Nicolai Verlag Berlin.

Auf den Spuren der Irokesen
18. Oktober 2013 bis 6. Januar 2014

Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7
D - 10963 Berlin

T: 0049 (0)30 25486-0
F: 0049 (0)30 25486-107
E: post@gropiusbau.de
W: http://www.gropiusbau.de/

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