Kurt Bracharz

3. Juli 2006 - 14:17

Das spurlose Verschwinden des Gewerkschaftsführers James Riddle »Jimmy« Hoffa 1975 ist in der amerikanischen Kriminalgeschichte ein fast so bekannter Fall wie das Kennedy-Attentat und hat wie dieses Filme, Songs und Bücher nach sich gezogen. Hoffas »International Brotherhood of Teamsters« war eine korrupte Organisation und Hoffa weit mehr Gangster als Sozialpartner.

Im Vorjahr behauptete ein gewisser Richard Kuklinski, Hoffa stecke vielleicht heute noch in Japan in einem Auto. Kuklinski, bekannt als »The Iceman«, ein Mafia-Hitman aus New Jersey, will 1975 mit vier Kumpanen nach Detroit gefahren sein, Hoffa in einem Vorstadtrestaurant getroffen und gewaltsam ins Auto gepackt haben, wo er ihn bewusstlos schlug und mittels eines Jagdmessers durch Stiche in den Kopf tötete. Die Leiche habe er im Kofferraum nach New Jersey gebracht und dort den Wagen samt Hoffa in einer Autopresse entsorgt. Dieses Metall wurde später im Karosseriebau wieder verwendet, deshalb der Scherz mit dem Auto in Japan. Kuklinski will für diesen Hit 40.000 Dollar kassiert haben.

Ob’s wahr ist, weiß man nicht, der 2 Meter große und 150 Kilo schwere Iceman, der über 100 Morde begangen haben soll und 1998 wegen fünf verurteilt worden ist, ist im Mai in der Krankenabteilung eines Gefängnisses in New Jersey gestorben. Vorher unterhielt er sich über 240 Stunden lang mit dem Reporter Philip Carlo, der daraus ein Buch gemacht hat. Kuklinski behauptet darin, seinen ersten Mord im Alter von 14 Jahren begangen, später Tötungsvarianten an New Yorker Obdachlosen ausprobiert und 1979 den Mafia-Boss Carmine Galante erschossen zu haben.

Hoffas Geschichte ist mehrmals verfilmt worden, unter anderem mit Sylvester Stallone (»F.I.S.T.«, 1978) und halb-dokumentarisch mit Jack Nicholson (»Hoffa«, 1992). Die Verschwörungstheoretiker steuern der Hoffa-Story ein hübsches Detail bei: Ihrer Meinung nach liegt Hoffa im Grab von Elvis Presley, der nicht auf dem Klo gestorben ist, sondern sich freiwillig dem Fanrummel entzogen hat.

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