Pompeji. Götter, Mythen, Menschen

Erstmals wird einer der größten Stadtpaläste Pompejis vollständig in einer Ausstellung gezeigt. Die Präsentation im Bucerius Kunst Forum ist angelehnt an die Architektur des Hauses. Sie zeigt die prachtvolle Ausstattung in ihrem ursprünglichen Kontext. Die außergewöhnlich großformatigen Wandmalereien, Bronzefiguren, Reliefs und Portraits zählen künstlerisch zu den qualitätsvollsten der Vesuvstadt. Mit über 80 herausragenden Leihgaben des Archäologischen Nationalmuseums Neapel wird das Leben der Menschen in der Antike und die Rolle der Kunst in ihrem Alltag erfahrbar.

Im antiken Pompeji schmückten die Bürger ihre Wohnräume mit Bildern mythischer Liebespaare, schwebender Göttergestalten und Gartenszenen. Diese Wandbilder gehören zu den am besten erhaltenen Zeugnissen der römischen Malerei. Die "Ausstellung Pompeji. Götter, Mythen, Menschen" im Bucerius Kunst Forum zeigt die Entwicklung der pompejanischen Bildwelten von ihren Anfängen bis zum Untergang der Stadt beim Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. Die ältesten Fresken imitieren farbigen Marmor, später kamen perspektivische Darstellungen von Heiligtümern, Landschaften mit Villen, Stillleben und Mythenbilder in Mode.

Im Zentrum steht das Haus des Kitharaspielers, dessen großformatige Malerei und prunkvolle Ausstattung erstmals in einer Ausstellung versammelt sind. Die Casa del Citarista erzählt die Geschichte der Popidier, einer der reichsten und angesehensten Familien Pompejis, die den Stadtpalast seit der Errichtung um 300 v. Chr. über Generationen erweiterte. Eine lebensgroße Statue des Apoll mit der Kithara gab dem Hauskomplex seinen Namen. Drei große, von durchgehenden Säulenhallen umgebene Gärten bildeten das Zentrum des fast 3.000 Quadratmeter großen Gebäudes.

Skulpturen und Reliefs aus Bronze und Marmor verzierten die Gärten, kostbare Brunnenfiguren aus Bronze dienten als Wasserspeier. Zwei bis drei Meter hohe Wandmalereien zeigen Portraits von Dichtern und Philosophen, aufwändige Villenanlagen und mythologische Szenen, wie die Auffindung Ariadnes oder die erotische Begegnung von Mars und Venus. Statuen, Statuetten und Altäre sind als Zeugnisse des Hauskults ebenso erhalten wie Reste der Möbel und der Schmuck der Hausbewohner, der auf der Flucht vor der Eruption des Vesuvs zurückblieb. Eigens für die Ausstellung wurden einige Fresken, ein Mosaik und eine Statuette mit Mitteln der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius restauriert.

Die von Valeria Sampaolo und Andreas Hoffmann kuratierte Ausstellung macht anhand der über 80 Exponate aus der Sammlung des Archäologischen Nationalmuseums Neapel die Bedeutung des Stadtpalastes, der zu den größten Pompejis gehörte, erstmals wieder erfahrbar. Die Präsentation der prachtvollen Ausstattung ist angelehnt an die Architektur der ursprünglichen Räume und führt die verschiedenen Funktionsbereiche des Hauses vor Augen. Die Wandmalereien, Bronzefiguren, Reliefs und Portraits zeugen vom Luxus und Kunstverstand der Antike. Sie zählen künstlerisch zu den qualitätsvollsten der Vesuvstadt.

"Pompeji. Götter, Mythen, Menschen" veranschaulicht das Leben der Menschen in der Antike und zeigt die große Präsenz der Kunst in ihrem Alltag. Die Schau vermittelt einen Eindruck vom Zustand des Hauses kurz vor dem Vulkanausbruch. Eine digitale Rekonstruktion der Casa del Citarista, die in Zusammenarbeit mit dem Museo Archeologico Virtuale in Herculaneum entsteht, ergänzt die Ausstellung.


Der Ausstellungskatalog mit Beiträgen von Bettina Bergmann, Stefano De Caro, Andreas Hoffmann, Carol C. Mattusch, Henrik Mouritsen, Valeria Sampaolo und Andrew Wallace-Hadrill erscheint im Hirmer Verlag, München (ca. 220 Seiten mit farbigen Abbildungen aller ausgestellten Werke, EUR 29 in der Ausstellung).

Pompeji. Götter, Mythen, Menschen
27. September 2014 bis 11. Januar 2015