19. August 2007 - 2:07 / Ausstellung / Archiv 
23. Juni 2007 26. August 2007

Die Ausstellung "Neu Bau Land" im Deutschen Architektur Museum Frankfurt zieht bis 26. August 2007 die erste große (Zwischen-)Bilanz des Bau- und Stadtumbau-Geschehens in den neuen Bundesländern. In den letzten anderthalb Jahrzehnten sind viele der besten baukulturellen Leistungen Deutschlands aus dem Osten der Republik hervorgegangenen.

Politische Fehlsteuerungen hatten in den vier Jahrzehnten der Deutschen Demokratischen Republik zur Folge, dass nicht nur die Bestandspflege vernachlässigt, sondern notwendige Neubauten nicht errichtet wurden und ganze Stadtviertel dem Verfall preisgegeben waren. Daher musste ab 1990 ein ganzes Land neu auf- und umgebaut werden.

Die Fülle und Vielfalt des Geschaffenen ist so überraschend wie überzeugend. Die baulichen Aktivitäten entfalteten sich in allen Bereichen des öffentlichen und privaten Bauens, und so entwickelte sich ein veritables Musterbuch heutiger Architektur. Es entstanden Bauten für Parlament, Regierung, Justiz und Verwaltung, für Verkehr, Industrie und Gewerbe. Es gibt neue Museen, Hotels, Schulen, Universitäten, Bibliotheken, Theater, Rundfunk- und Fernsehanstalten, Kaufhäuser, Kliniken, Thermal- und Kuranlagen, Kirchen, Klöster und Synagogen, Anlagen für Messen, Kongresse und Sportveranstaltungen und, nicht zuletzt, Häuser zum Wohnen, vom Einfamilienhaus bis hin zu ganzen Siedlungen.

In ihren besten Beispielen entsprechen die neuen Bauten den avancierten Ideen heutiger Architektur. Das gilt nicht nur für die Werke der bekannten großen Namen wie Norman Foster, Herzog & de Meuron, Zaha Hadid, Peter Kulka, Jean Nouvel, Sauerbruch & Hutton. Die beinahe in allen öffentlichen Verfahren durchgeführten Wettbewerbe haben auch jungen, bislang unbekannten Büros eine Chance gegeben und zu faszinierenden Ergebnissen geführt.

Die wirtschaftliche und demographische Entwicklung in den neuen Bundesländern hat dazu beigetragen, dass in den letzten Jahren Fragen der Stadtplanung, des Stadtumbaus- und des Rückbaus immer wichtiger wurden. Dabei wird deutlich, dass der durch Abwanderung vorgegebene Schrumpfungsvorgang nicht in erster Linie – und schon gar nicht ausschließlich – Abriss (im Sinne von ersatzlosem Verlust) bedeuten muss, sondern im Hinblick auf mehr Lebensqualität mit ganzheitlichen Strategien bewusst gestaltet werden kann.

Ausführlicher werden die städtebaulichen Entwicklungen in Leinefelde, Hoyerswerda, Leipzig, Halle, Greifswald und Cottbus vorgestellt. Ein Schwerpunkt liegt bei allen Beispielen auf der Umgestaltung bzw. dem intelligenten Rückbau von Plattenbausiedlungen. Doch stehen diesem zentralen Thema Aspekte der Altstadterneuerung, der Neubelebung von Gründerzeitvierteln und der Konversion ehemaliger Militärareale kaum nach.

Neben dem Stadtumbau geht es aber auch um das Thema des großräumigen Landschaftsumbaus in Tagebaugebieten wie der Lausitz und dem Leipziger Süden – Dessau/Bitterfeld/Wolfen - , welche die Dimensionen gewöhnlicher Freiflächenplanungen weit hinter sich lassen.

»Neu Bau Land« ist eine Doppelausstellung mit zwei eigenständigen Modulen »Architektur« und »Stadtumbau«. Aus der reichen Fülle der Neu- und Umbauten wurden 145 Beispiele ausgewählt, von denen 25 ausführlicher dargestellt werden. Hinzu kommen sechs Beispiele für den Stadt- und Landschaftsumbau. Ziel der Auswahl ist es, das Baugeschehen in seiner ganzen Breite und Vielfalt widerzuspiegeln. Das Bundesland Berlin ist mit Absicht ausgelassen worden, da als neu gebaute Hauptstadt der Stadtstaat einer eigenen Dynamik unterliegt. Alle Projekte werden an Hand von Zeichnungen, Fotografien und Modellen erläutert.

Katalog: Begleitend zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog bei E.A.Seemann in Leipzig mit vertiefenden Essays von Antje Heuer und Stefan Rettich, Ernst A. Busche, Oliver G. Hamm, Jürgen Tietz, Michael Bräuer. Der Katalog ist zweisprachig dt./ engl. und umfasst 300 Seiten und 600 farbige und s/w Abbildungen. Er kostet im DAM EUR 29,90 (Softcover-Version) und EUR 34,90 (Hardcover-Version) im Buchhandel.


Neu Bau Land
23. Juni bis 26. August 2007

Deutsches Architekturmuseum
Schaumainkai 43
D - 60596 Frankfurt am Main

T: 0049 (0)69 212-38844
F: 0049 (0)69 212-37721
E: info.dam@stadt-frankfurt.de
W: http://www.dam-online.de/

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Greifswald, Pommersches Landesmuseum. Architekten: Sunder-Plassmann Architekten BDA, Kappeln an der Schlei. © Armin Wenzel, Sielenbach
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Lutherstadt Eisleben, Museum Luther-Geburtshaus. Architekten: Springer Architekten, Jörg Springer Architekt BDA, Berlin. © Bernd Hiepe, Berlin
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Leipzig, Museum der bildenden Künste. Architekten: Hufnagel Pütz Rafaelian, Berlin. © Werner Huthmacher/artur, Essen
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Cottbus, Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (IKMZ BTU). Architekten: Herzog & de Meuron, Basel. © Werner Huthmacher/artur, Essen
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Potsdam, Nikolaisaal. Architekt: Rudy Ricciotti Architecte. © Heike Ollertz, Berlin