16. Februar 2008 - 1:44 / Archiv 

Die Berliner Nationalgalerie setzt vom 8. November 07 bis 24. Februar 08 mit der Ausstellung "Jannis Kounellis" die Reihe der Einzel-Ausstellungen großer Künstler der Gegenwart fort, in der auch Jenny Holzer, Keith Sonnier, Jörg Immendorff u. a. gezeigt wurden. Die Schau in Ludwig Mies van der Rohes Neuer Nationalgalerie zeigt die zahlreichen Aspekte des umfangreichen Oeuvres des griechisch-italienischen Künstlers (*1936) in einer für die obere Halle entwickelten einzigartigen Zusammenstellung neuer und älterer Werke.

Aus großen, geschweißten Stahlelementen wird Kounellis im gläsernen Tempel der Neuen Nationalgalerie ein von Kohle bekröntes Labyrinth bauen, in das er verschiedene seiner Arbeiten einbettet. Weitere, großformatige Werke werden das Labyrinth umgeben. Durchblicke zeigen die enge Beschäftigung mit Mies van der Rohes Idee, Innen- und Außenraum miteinander zu verbinden. Durch Änderung der Inszenierungen bringt Kounellis seine Werke immer wieder in neue Zusammenhänge. "Seit vielen Jahren", äußerte der Künstler bereits 1995, "ist die Metamorphose mein eigentliches Thema."

Kounellis zählt zu den wenigen noch arbeitenden, europäischen Künstlern (Joseph Beuys und Mario Merz sind bereits verstorben), die die Kunst in den 60er Jahren grundsätzlich verändert haben. Als Zwanzigjähriger kam er nach Rom und entwickelte im Zentrum der abendländischen Kunst ein Werk, das auf den ersten Blick nichts mit dieser Tradition zu tun hat. Nach ersten Bildern, die aus Zeichen und Zahlen bestehen und eine Form von Code einer ihm fremden Welt darstellen, arbeitet er bis heute mit kunstfernen Materialien wie Kohle, Steinen, Stahl, Gas, Wolle, Kaffee, etc., die er zu geheimnisvollen Installationen und Tableaux zusammenstellt. Seine Werke umfassen alle Materialien der "Arte Povera", deren führender Vertreter er gemeinsam mit Mario Merz war.

Widersprüche und Gegensätze bestimmen das Erscheinungsbild seiner Arbeiten – besonders im Bezug auf die Werkstoffe: Kounellis kombiniert Dauerhaftes mit Vergänglichem, setzt organische Materialien neben anorganische, Künstliches neben Lebendiges und verbindet disparate Elemente zu scheinbar schlichten, oft sehr poetischen Einheiten. Bereits 1976 konstatierte er selbst: "Alles, was ich von 1959/60 an bis heute in Angriff nahm, könnte man charakterisieren als einen kritischen Dialog zwischen den beiden Begriffen Struktur und Sensibilität."

Kounellis hat sich schon lange vom traditionellen Tafelbild gelöst und bezieht die Dimension des Raumes klar in seine Werke mit ein. Nichtsdestotrotz bezeichnet er sich bis heute als Maler. Auch für seine Ausstellungen ist der umgebende Raum von großer Bedeutung. Der jeweilige Ort – wie hier die obere Halle der Neuen Nationalgalerie – wird zu einem direkten Bestandteil seiner Inszenierungen. Inhaltlich sind Kounellis’ Werke schwer zu fassen. Vergangenheit und Erinnerung spielen darin eine wichtige Rolle. Die Wiederverwendung seiner Arbeiten, die über den strengen Begriff einer Retrospektive hinausgeht, fügt dem noch die Ebene der Einbindung der Entstehungsgeschichte seines vorliegenden Werkes in neue Arbeiten und Präsentationen hinzu.


Der Katalog zur Ausstellung erscheint im Hatje Cantz Verlag. Ca. 240 Seiten, über 160 Abbildungen, 28 x 28 cm. Der Katalog wird erst nach Eröffnung der Ausstellung erscheinen, da Installationsfotos der Präsentation in der Neuen Nationalgalerie sowie Aufnahmen des Ausstellungsaufbaus ein wichtiger Bestandteil des Kataloges sein werden.

Jannis Kounellis
8. November 07 bis 24. Februar 08

Neue Nationalgalerie
Potsdamer Straße 50
Obere Halle
10785 Berlin
T 0049 (0)30 266-2651
F 0049 (0)30 262-4715



  •  8. November 2007 24. Februar 2008 /
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Untitled, 2003. Installation im Kunstmuseum Liechtenstein 2006; Foto: Heinz Preute, Vaduz
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Jannis Kounellis. Fondazione Arnaldo Pomodoro; Mailand 2006. Foto: Carlo Orsi
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Untitled, 1969; Foto: Claudio Abate
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Untitled, 1988; Foto: Manolis Baboussis, Mailand 2006
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Untitled, 1986/1999; Foto: Carlo Orsi