Markus Uhr im Aargauer Kunsthaus

In der zweiten diesjährigen Ausstellung in der Reihe für junge Kunst zeigt Markus Uhr Fotografien, Collagen und Zeichnungen, die in den letzten zwei Jahren entstanden sind. Dem Konzept der "Caravan"-Reihe entsprechend, welche die Raumwahl für ihre Präsentation im Aargauer Kunsthaus den Kunstschaffenden selber überlässt, hat Markus Uhr einen Saal innerhalb der Sammlungspräsentation gewählt.

Die Kleinbildkamera trägt Markus Uhr immer mit sich. Der Künstler sucht seine Motive nicht, er findet sie. Er fotografiert seinen persönlichen Alltag und hält in seinen "Fundbildern" zufällig entdeckte Gegenstände und Situationen fest. Diese Fotografien dienen ihm auch als Material für seine Collagen, für die er Bilder aus Printmedien oder alten Kunstpublikationen kombiniert. Die auf den ersten Blick gegensätzlich erscheinenden Bildfragmente führt er zu einem neuen Gefüge zusammen. So verschmilzt in der Collage Letzte Nacht (2009) die junge Brigitte Bardot mit dem Abbild des Jesuskindes aus dem Gemälde "Darmstädter Madonna"(1526/28) von Hans Holbein dem Jüngeren: Die lasziv posierende Filmikone mit dem Kind im Arm wird zur heiligen Mutter.

Nicht selten gruppiert Markus Uhr seine Bilder in Paaren, um auf Ähnlichkeiten, Doppelungen oder Polaritäten hinzuweisen, so, als würde das eine Bild dem anderen einen Spiegel vorhalten. In der Ausstellung im Aargauer Kunsthaus steht die Collage mit Brigitte Bardot mit einer mittelalterlichen, geschnitzten Pietà-Skulptur aus der Kunsthaussammlung im Dialog. Mutter-Kind-Darstellungen sind in der Kunstgeschichte ein klassisches Motiv. Markus Uhr interessiert sich gleichermassen für das tradierte Mutter-Kind-Motiv wie für die medientheoretische Reflexion des Bildes.

Anbetung und Abnabelung sind zentrale Themen mit denen sich Markus Uhr seit längerem auseinandersetzt und die er künstlerisch mittels verschiedener Medien erforscht. Diese Begriffe manifestieren sich teils konkret in den Bildern, teils verweisen sie auf die Entstehungsgeschichte einzelner Arbeiten. Für die wandfüllende Collage Das war schon immer so (2010) aus alten, vergilbten Plattenhüllen hat sich Markus Uhr von seiner umfangreichen Langspielplattensammlung getrennt. Die zusammengeklebten Hüllen finden in der Collage so eine neue Bestimmung während ihre ursprüngliche Funktion gleichzeitig sichtbar bleibt.

Caravan 2/2010 - Markus Uhr
14. Mai bis 8. August 2010