Sa, 24.09.2005 / Bernhard Sandbichler / Erratum
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Britische und österreichische Wissenschafter entdeckten unlängst zwar nicht den Stein der Weisen, aber die Spur zu ihm. Das Land Salzburg richtet nun zur endgültigen Erforschung einen neuen Zweig an der Fachhochschule Paracelsus ein. Abschluss: Mag. alchim. (FH)

Sir Isaac Newton (1643—1727), dessen Nachruf vornehmlich auf seinen Verdiensten um die klassische Mechanik fußt und der als Begründer der modernen theoretischen Physik gilt, dürfte unsterblich gewesen sein (obwohl er als gestorben in die Geschichte eingegangen ist, siehe Lebensdaten). Grund zu solcher Annahme besteht, da ein vor einiger Zeit bei Katalogisierungsarbeiten in den Archiven der Londoner Royal Society aufgetauchtes Manuskript, dessen Inhalt vorerst Rätsel aufgab, dechiffriert werden konnte. Newton verhandelt in dem 15-Seiten-Konvolut Errungenschaften von Leuten wie Bolos von Mendes (ein Ägypter um 200 v. Chr.), Geber und Al-Rasi (zwei Araber um 900 n. Chr.), Albertus Magnus und Roger Bacon (spätes Mittelalter) — allesamt Vertreter der alchimistischen Zunft. Über ihre Errungenschaften ging Newton anschließend zwei Schritte hinaus.

Dies behaupten Forscher an der Cambridge University und am österreichischen Boltzmann-Institut. Sie stellten Newtons Versuchsanordnungen experimentell nach und sind sicher, dass Newton die Lösung für zwei wesentliche Ziele der Alchimie gefunden hatte: einerseits aus Stoffen wie Blei, Kupfer oder einfach Erde Gold zu machen und andererseits durch Lebenselexier der menschlichen Normalsterblichkeit zu entgehen. In Newtons Grab, das aufgrund dieser Erkenntnisse näher untersucht wurde, konnte man beim besten Willen keine sterblichen Überreste finden. Alles spricht nun dafür, dass der Gelehrte nicht zu Staub wurde, sondern sich, bevor sein Grab in der Westminster Abbey zugemauert wurde, aus demselben machte. Scotland Yard, von Königin Elisabeth II. mit Aufklärung der Angelegenheit betraut, hat jetzt eine Belohnung für zweckdienliche Hinweise zum Verbleib von Sir Isaac Newton ausgesetzt. Newton war ein Mann von durchschnittlicher Größe und feingliedriger Statur; als man ihn zuletzt im Jerusalem Chamber aussetzte, trug er kurzes, schlohweißes Haar.

Zurück zum gefundenen Manuskript: Pech für die Nachwelt ist, dass Seite 16 des Konvoluts (wie es der Teufel will!) unauffindbar ist. Sodass die Forscher der Gegenwart dazu angehalten sind, die finale Ergänzung selbst zu finden, um zu Newtons Ergebnissen zu gelangen. Führende Universitäten der gesamten Wissenschaftswelt kündigten zwischenzeitlich die Gründung von Lehrstühlen für Alchimie an. In Salzburg wird ab Herbst 2005 ein neues Fachhochschulstudium der Alchimie möglich sein. Oder irre ich?

Und wenn schon! »Errare humanum est«, sagt Vater Hieronymus
(Epistulae 27,12), und wir sind schließlich alle bloß Menschen.

Quelle: Die Zeit, 7. Juli 2005