14. September 2008 - 3:23 / Ausstellung / Archiv 
28. Juni 2008 21. September 2008

Einem Defilee ähnlich präsentiert Tobias Rehberger rund 40 Werke in einer 70m langen Installation. Ungeachtet der Chronologie, stellt er Arbeiten aus 15 Jahren künstlerischen Schaffens nebeneinander: Stühle, die an Designklassiker erinnern, Blumenvasenportraits und Prothesen auf Sockeln, japanisch anmutende Blumen aus Papier, Lampen aus Klettband, Objekte aus Plexiglas, Videoregale. Von Spots beleuchtet, werfen all diese Werke Schattenbilder auf die gegenüber liegende weiße Wand. Das alte Werk strahlt im neuen Licht, während ein neues Werk zugleich entsteht: eine Wandmalerei aus Licht, Schatten und Farbe.

Mit dieser Installation überführt Tobias Rehberger das Dreidimensionale in die Zweidimensionalität. Indem er Lichtspiel und Malerei bei der Gestaltung der Wand kombiniert, bleibt die Abhängigkeit zwischen den Objekten im Raum und dem Dargestellten auf der Wand bewahrt – denn gingen die Lichter aus, so würde das Wandbild größtenteils verschwinden. "Mir gefällt die Vorstellung, dass etwas Ausgearbeitetes und Endgültiges den Ausgangspunkt für etwas Vages und Skizzenhaftes bilden kann", äußert Tobias Rehberger zu seiner Installation.

Handelt es sich dabei um eine Retrospektive oder ein neues Werk? Von Beginn an war Tobias Rehberger klar, dass seine Ausstellung keine Retrospektive werden würde, obwohl die Aufgabenstellung – Arbeiten aus den letzten 15 Jahren zu präsentieren – einen Rückblick geradezu erzwingt: "Da von Anfang an fest stand, dass es eine Ausstellung bereits existierender Werke sein sollte, dachte ich darüber nach, was das eigentlich bedeutet. Erstmal dachte ich natürlich an den klassischen Weg, damit umzugehen, eine Retrospektive. Wobei mich die "historische" Herangehensweise eines Überblicks über das bisherige Werk nicht interessiert. Deshalb fragte ich mich, was eine Ausstellung vorhandener Arbeiten für mich interessant machen könnte. Die Antwort lag dabei in der Frage, wie man mit so einer Ausstellung "nicht-existierende" neue Werke herstellen kann."

Obwohl Tobias Rehbergers Ausstellung einen retrospektiven Anklang hat, bildet sie in erster Linie eine neue Installation. Die Auswahl der Werke erfolgte nicht nach deren Bedeutung innerhalb des Oeuvres, sondern nach deren Funktion als Rohmaterial für etwas Neues. Die Kunstwerke – gewöhnlich Zweck an sich – sind hier zugleich Mittel zum Zweck. Was war zuerst da: die Henne oder das Ei? Tobias Rehbergers Wandmalerei ist ohne seine Skulpturen nicht denkbar, sowie das Ei ohne Henne unmöglich ist. Aber: Ist das Dreidimensionale ohne die zweidimensionale Skizze denkbar? Ist die Henne ohne Ei möglich? Was war zuerst da? Wie Henne und Ei stehen sich Rehbergers skulpturales Werk und sein Schattenbild gegenüber.

Die Ausstellung ist eine Übernahme aus dem Stedelijk Museum CS in Amsterdam.


Die "Das-kein-Henne-Ei-Problem"-Wandmalerei

28. Juni bis 21. September 2008

Museum Ludwig Köln
Bischofsgartenstrasse 1
D - 50667 Köln

T: 0049 (0)221 221-26165
F: 0049 (0)221 221-24114
E: info@museum-ludwig.de
W: http://www.museum-ludwig.de

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