13. Oktober 2007 - 2:25 / Ausstellung / Ethno 
16. Juni 2007 15. Oktober 2007

Schmuck gab es schon bei den prähistorischen indianischen Völkern, das heisst vor dem ersten Kontakt mit Europäern. Sein charakteristischer Stil ist heute noch in den Arbeiten der Indianer aus dem Pueblo Santo Domingo zu erkennen. Unter dem Einfluss der Spanier und Mexikaner entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der üppige Silberschmuck, den wir heute als typisch indianisch ansehen.

Die Navajo lernten als Erste die Kunst des Silberschmiedens und das Einsetzen von Schmucksteinen wie Türkis und Koralle. Koralle gelangte als Tauschware in den Südwesten. Die Navajo gaben ihre Fertigkeiten an die Zuni weiter, welche ihrerseits zu Lehrmeistern der Hopi wurden. Zu Anfang waren die Erzeugnisse der verschiedenen Ethnien einander sehr ähnlich, mit der Zeit aber bildeten sich deutliche Stilunterschiede heraus.

Santo Domingo Pueblo
Hier haben sich Schmuckformen und Herstellungstechniken aus prähistorischer Zeit erhalten. Sie zeichnen sich durch das weitgehende Fehlen von Silber aus, da Metallbearbeitung früher unbekannt war. Die Materialien sind Muscheln und Schmucksteine. Zwei Techniken sind typisch für den Pueblo-Stil: Mosaik und heishi.

Bei Mosaikarbeiten werden hauchdünne, in geometrische Formen geschnittene Plättchen aus Jett (schwarz), Türkis (blau bis grün), Koralle (rot) oder Muschelmaterial (weiss) auf einen Muscheluntergrund aufgebracht. Früher geschah dies mit Baumharz als Bindemittel, heute wird industrieller Leim verwendet. So entstehen Anhänger und Ohrgehänge. Selten und nur von ausgezeichneten Handwerkern werden in dieser Technik auch Ringe oder Armspangen hergestellt. Dabei bildet dann die innere Windung einer Muschel den eigentlichen Schmuckkörper.

Als heishi werden Ketten bezeichnet, die aus Muschelplättchen bestehen, die in tagelanger Handarbeit auf einen Durchmesser von wenigen Millimetern heruntergeschliffen werden. Schlangengleich gleiten solche Ketten durch die Finger, wenn sie perfekt gemacht sind.

Navajo
Nachdem die Navajo von mexikanischen Schmieden mit den Techniken der Metallbearbeitung vertraut gemacht worden waren, entwickelten sie den für sie typischen schweren, üppigen Stil: Silberschmuck mit aufgelöteten oder geprägten Verzierungen, der häufig mit Türkisen besetzt ist. Dabei entstanden folgende spezielle Formen: die concha und damit der Navajo belt (Gürtel) sowie die naja, die unten an einer squash-blossom-Kette hängt.

Als concha (nach dem spanischen Wort für Muschel) bezeichnet man ein ovales oder rundes silbernes Zierelement für Gürtel. Es kann auch mit Türkisen besetzt sein und sitzt in dichter Abfolge auf dem Ledergurt. Diese reich geschmückten Gürtel werden von Frauen wie von Männern getragen.

Zu den auffälligsten Schmuckformen der Navajo gehört die squash-blossom-Kette. Sie besteht aus silbernen Kugeln, zwischen denen seitlich herausstehend sogenannte squash-blossom-Elemente sitzen. Squash blossom heisst Kürbisblüte, doch leiten sich diese Zierelemente von silbernen Blüten in Granatapfelform ab, die an spanischen Offiziersuniformen angebracht waren.

Die squash blossoms können rein silbern sein, sind aber oft noch mit Türkisen besetzt. Unten im Zentrum der Kette befindet sich ein hufeisenförmiger Anhänger, genannt naja. Auch diese Anhängerform gelangte mit den Spaniern, die sie ihrerseits vermutlich von den Mauren übernommen hatten, in die Neue Welt. Ein hufeisenförmiger Anhänger gilt in vielen Kulturen als Glücksbringer.

Zuni
Der Schmuck der Zuni unterscheidet sich von dem der Navajo in erster Linie durch seine stilistische Leichtigkeit und durch die Feinheit in der Ausführung. Statt weniger grosser Türkise werden viele Steine platziert, neben Türkis auch Koralle, Perlmutt, Jett und andere Schmucksteine. Diese Steine werden in verschiedener Weise gefasst: als Mosaik, als inlay, als needle point, als petit point und als cluster.

Bei Mosaikarbeiten wird eine vorgegebene Form, oft eine Zeremonialfigur oder ein Tier, mit geometrisch geschnittenen und flach geschliffenen Schmucksteinen in verschiedenen Farben ausgefüllt. Inlay bedeutet, dass flach geschliffene Steine durch geradlinige silberne Fassungen voneinander getrennt sind.

Bei needle-point-Arbeiten wird das Schmuckstück mit vielen einzeln gefassten, schmalen und an beiden Enden zugespitzten Steinen besetzt. Bei petitpoint-Arbeiten ist das Stück mit kleinen, runden, ebenfalls einzeln gefassten Steinen besetzt. Beim cluster sind einzeln gefasste, etwas grössere Steine meist kreisförmig auf dem Schmuckstück angeordnet.

Hopi
Seit Ende der 1940er Jahre pflegen die Hopi einen von anderen Ethnien ganz unterschiedlichen Schmuckstil, der an eine spezielle Herstellungstechnik, das silver overlay, geknüpft ist. Dabei geht der Schmuckhandwerker von zwei gleichförmigen Silberplatten aus. Aus der einen wird von Hand ein Muster ausgesägt. Dann werden beide Stücke aufeinandergelötet, und die untere Platte wird chemisch geschwärzt.

Dadurch erscheint das ausgesägte Muster als deutliche, dunkle Form. Die Muster können abstrakt sein – angelehnt an Töpfereibemalungen – oder figürlich. Aber auch die figürlichen Darstellungen weisen meistens einen hohen Abstraktionsgrad auf, was den Hopischmuck sehr «modern» erscheinen lässt. Türkise werden nur selten eingesetzt.


Reich geschmückt
Indianischer Schmuck aus Arizona und New Mexico
16. Juni bis 15. Oktober 2007

Nordamerika Native Museum
Seefeldstrasse 317
CH - 8008 Zürich

T: 0041 (0)43 49924-40
F: 0041 (0)43 49924-49
W: http://www.nonam.ch/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  16. Juni 2007 15. Oktober 2007 /
532-53201.jpg
Anhänger, Gold mit Lapislazuli, Türkis- und Koralle-Inlay; Hopi, von Charles Loloma, 1980. © NONAM 2007, Foto: Peter Kuhn
532-53202.jpg
Korallenkette mit Silber- und Türkisanhänger in 'overlay'-Technik, Michael Kabotie, 1990. © NONAM 2007, Foto: Peter Kuhn
532-53203.jpg
2 Armspangen in Gusstechnik, Aaron Anderson, 2007. © NONAM 2007, Foto: Peter Kuhn
532-53204.jpg
Brosche, Silber und Türkis; Zuni, um 1950. © NONAM 2007, Foto: Peter Kuhn
532-53205.jpg
Brosche, Silber mit Jett-, Türkis-, Perlmutt- und Spondylus-Inlay: Zuni, um 1930, Sammlung Millicent Rogers Museum. © NONAM 2007, Foto: Peter Kuhn