7. September 2013 - 4:14 / Bernhard Sandbichler / Oktopus

… ist ein Traumbuch, geschrieben von Heinz Janisch. Seine freien Verse stehen zuerst auf einer weißen Seite, die folgenden aber teilen sie sich mit Hannes Binders wunderbaren Illustrationen.

  1. Die Story: Wer hat nicht schon geträumt und ist dann erwacht? Ebendies passiert hier: eine große Entfremdung, die im Vertrautesten endet.

  2. Die Helden: Gras spielt eine nicht unwesentliche Rolle, Glas, Licht und Stein ebenso. Die eigentliche Heldin aber ist die Katze. Hannes Binder, der sozusagen das letzte Wort hat, lässt sie auf dem Nachsatz-Blatt sich herausputzen, im Licht des Mondes, der am hinteren Spiegel rechts oben leuchtet.

  3. Der Sound: Unser Ich ist ein alerter Knabe. Sagen wir, er ist 5 Jahre alt, aber spricht schon wie ein kultivierter 9-Jähriger. Er hat es ziemlich sehr gut gemacht.

  4. Coole Worte: "Ich ging" soll ja zwar im Deutschaufsatz von Anfang an vermieden werden. Diese 27-zeilige Geschichte aber beginnt damit – und lässt es viermal auftauchen bis hin zum "Ich ging und ging". Voll Spannung folgen wir dem Gang des "Ich" in Schuhen aus Gras, bis es sitzt (im Schaukelstuhl) und nur noch ist (zu Hause).

  5. Coole Bilder: Der Zürcher Graphiker Hannes Binder hat sich längst einen guten Ruf erworben, nicht zuletzt weil er – bereits vor Jahrzehnten – Glauser-Krimis als Graphic Novel adaptierte. Bekannt und anerkannt unter Illustratoren-Kolleginnen ist er als "Meister der Schabkarton-Technik". Er schabt, kratzt und stichelt also auf Karton – die tiefschwarze Druckfarbe weg – die hochweiße Kreideschicht frei. Alles Schaben, jeder Kratzer und Stich müssen sitzen. Und wie!

  6. Zum Nachdenken: ""Schön, dass du wieder da bist", sagte der Mann, der mein Vater war."

  7. Der Autor: Heinz Janisch hat viele schöne Kinderbücher geschrieben, unter anderem ein Liebes- und Schimpfwörterbuch. Außerdem ist er Redakteur der Ö1-Sendung "Menschenbilder", und seine Porträts klingen mindestens so gut, wie das Schumann-Stück, das sie einbegleitet.

  8. Das Buch: Heinz Janisch, Hannes Binder: Ich ging in Schuhen aus Gras. Zürich: Atlantis 2013, 28 Seiten, EUR 15,50



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