Kurt Bracharz

27. August 2007 - 4:39

Obwohl diese Tage, an denen griechische Dörfer von Vegetationsbränden eingeschlossen werden, Priester in aller Öffentlichkeit die Pfeilkreuzlerfahnen ungarischer Faschisten segnen, ostdeutscher Pöbel das Pogrom probt und Bush den Irak mit Vietnam vergleicht (wobei er gar nicht weiß, wie recht er damit hat), obwohl also die Tage nun wirklich keine journalistische Sauregurkenzeit sind, machen unsere Zeitungen doch lieber drei Frauenschicksale zum bevorzugten Subjekt der Zeilenschinderei.

Zum zehnten Jahrestag des Unfalltodes der Prinzessin Diana wird von allen Medien noch einmal aufgewärmt, was schon frisch ungenießbar war, nämlich das Verschwörungsgefasel, dass der britische Inlandsgeheimdienst sie (im Auftrag der Queen oder von sonst wem) umgebracht hätte, weil sie Muslima werden wollte oder warum auch sonst immer. Dazu genügt eigentlich der Hinweis, dass sowohl sie als auch Dodi Al Fayed den Crash ihres betrunkenen Fahrers überlebt hätten, wenn sie angeschnallt gewesen wären. Dass sie sich auf den Rücksitzen nicht anschnallten, kann ihnen ja wohl auch kein noch so perfider Geheimdienst per Intrige oder sonstwie aufgezwungen haben. Das erste Gefasel (erinnern Sie sich noch?) war übrigens, dass die Papparazzi den Unfall verschuldet hätten.

Die zweite Sache ist das nicht enden wollende Kampusch-Gelaber. Auf die angeblich (ich habe mir das nicht angetan) völlig nichtssagende Doku-Soap des ORF reagierten immerhin auch schweizer und deutsche Zeitungen, allerdings verärgert. Erfreulich immerhin, dass das Buch der Mutter floppt.

Drittens natürlich die kleine Maddie, bei der zuletzt ein Schweizer Pädophiler schon fix als Mörder gehandelt wurde, während man jetzt seitenweise über das sinnieren kann, was sich jeder schon von Anfang an gedacht hat: ob ein so spurloses Verschwinden nicht doch nur von den Eltern inszeniert worden sein kann.

Ein deutscher Chefredakteur kräht angeblich bei Konferenzen immer "Fakten, Fakten, Fakten"; in Wirklichkeit aber doch wohl "Fuck, fuck, fuck!"

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)