Kurt Bracharz

2. Juli 2007 - 3:29

"Heimatlos sind viele auf der Welt", sang einst Freddy Quinn und meinte damit vermutlich nicht die heimatlose Linke, die damals noch Parteien vor der Nase sitzen hatte, denen sie sich eventuell zugehörig glauben konnte. Heute ist das (nicht nur, aber besonders) in Österreich schwierig geworden, oder kennen Sie etwa einen Linken in der SPÖ? Oder sonst wo an einer auch mit Macht ausgestatteten Position? Na eben.

In Deutschland gibt es seit dem 16. Juni 2007 eine Partei, die sich schlicht und unmissverständlich "Die Linke" nennt und die "Demokratisierung der Demokratie" auf die Fahnen geschrieben hat, was leider eher ein Beispiel für schlechtes Deutsch als eine vernünftige Forderung ist. Eine einfache "Demokratisierung" täte es ja auch schon.

Parteiprogramm gibt es noch keines, aber ein programmatisches Gründungsdokument, dem man unter anderem entnehmen kann, dass Deutschland von hoch konzentrierter Kapitalmacht beherrscht wird. "Die Linke" ist gegen Sozialabbau und für Sicherung und Förderung aller Menschen, für die Demokratisierung aller Entscheidungen und gegen den Abbau von Grund- und Freiheitsrechten, für die Integration der eingewanderten Bevölkerung und gegen den Neofaschismus usw. Kürzer wäre die Formel "pro bonum, contra malum" gewesen, wie seinerzeit das Motto der "Welt im Spiegel", einer Doppelseite in der satirischen Zeitschrift "pardon", lautete.

Im Detail wird es schon problematischer. "Die Linke" fordert zum Beispiel die völlige Legalisierung der Abtreibung und die öffentliche Ächtung und entschiedene Verfolgung von Gewalt gegen Frauen. Und "Die Linke" will "insbesondere gegenüber Anhängern des islamischen Glaubens (...) eine Kultur des Dialogs und der Zusammenarbeit" vertreten. Den Dialog mit den Imamen über die Abtreibung werde ich mir gerne anhören.

Einen Hoffnungsschimmer sehe ich doch: Mehrere Landesbehörden für Verfassungsschutz, zum Beispiel in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg, wollen "Die Linke" beobachten. Demnach trauen die ihr mehr zu als ich.

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