Kurt Bracharz

21. Mai 2007 - 9:45

Der OLAF mag den Martin nicht, daran bestehen kaum Zweifel; aber das ist wohl nicht der einzige Grund, warum die EU-Betrugsbekämpfer dem Generalsekretär des Europaparlaments Harald Römer die Voraussetzungen geliefert haben, vom parteifreien EU-Abgeordneten Hans-Peter Martin nicht ordnungsgemäß verwendete 163.381,54 Euro zurückverlangen zu können.

HPM ist selbstverständlich wie schon immer, seit er öffentlich in Erscheinung getreten ist, in jeder Hinsicht vollkommen schuldlos und – wie auch schon immer – empört über alles, was ihm angetan wird. Der Vorarlberger EU-Märtyrer wird zitiert mit »Sie wollen mich fertig machen, damit die anderen weiter abkassieren können« (was ein Körnchen Wahrheit enthalten mag, aber nichts darüber aussagt, ob er selbst abzukassieren versucht hat) und »Das ist wirklich ein politischer Willkürakt eines EU-Beamten, um einen unliebsamen Kritiker mundtot zu machen« (wer mag dieser besondere EU-Beamte sein? OLAF ist ja kein Eigenname). Natürlich fühlt HPM sich wie »ein Dissident in der Sowjetunion«, darunter geht es nicht, dem Manne droht offenbar ein Gulag, fragt sich nur wo.

Ursprünglich soll es um 264.000 Euro gegangen sein; laut HPM hingegen um 7100 Euro (für Computer), was der zuständige Finanzdirektor bestätigt habe, dessen Bericht aber »unterdrückt« worden sei. Und schuld sei am ganzen Schlamassel sowieso der heutige SPÖ-Finanzstaatssekretär Christoph Matznetter, dessen Kanzlei Merkur Treuhand seinerzeit HPMs Konten betreut habe. Die Kanzlei hat angeblich die Sache bereits dem Anwalt übergeben. Was für eine Sache, fragt sich der Laie, wenn HPM doch nur 7100 Euro für Computer versehentlich verkehrt verbuchen hat lassen.

Aber es ist ja wahrscheinlich sowieso wieder alles lediglich »eine mediale Hetzkampagne«, wie eine von HPMs offenbar treuen Anhängerinnen auf der »Die Presse«-Website postete; für Vorarlberg kann man das allerdings nicht sagen, denn hier wurde die Angelegenheit sehr diskret mit einer kleinen Meldung und einer Karikatur abgetan.

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