Deutscher Schriftsteller-Verband kritisiert Amazons neues Vergütungsmodell scharf

Das neue Vergütungsmodell des US-amerikanischen Online-Handelsriesen Amazon wird vom Verband Deutscher Schriftsteller (VS) heftig kritisiert. Der VS-Vorsitzenden Eva Leipprand zufolge ist das Modell ein "kontrollierender Eingriff in den intimen Dialog des Lesers mit dem Buch," wie sie in Berlin bekannte.

Amazon bezahlt seit Anfang Juli Autoren von eBooks, die ihre Bücher selbst über die Kindle-Leihbücherei sowie die eBook-Flatrate Kindle Unlimited veröffentlichen, nur noch pro tatsächlich gelesener Seite. Dafür muss Amazon das Leseverhalten der Kunden auswerten. Bisher bekamen die Autoren für jeden Download ihres Buches Geld. Voraussetzung für diese neue Art des Bezahlens sei, dass Amazon das Leseverhalten seiner Kunden wie "Big Brother" verfolge, kritisierte der VS. Sollte Amazon das Bezahlsystem weiter ausdehnen, sei dies eine "Katastrophe für die Literaturlandschaft". Die Gedankenfreiheit der Leser und Autoren werde dadurch einem fortschreitenden "rein ökonomisch orientierten" Zugriff unterworfen.

Amazon begründet das neue Vergütungsmodell damit, dass viele Autoren sich gewünscht hätten, dass eBooks mit mehr Seiten besser bezahlt würden als weniger umfangreiche elektronische Bücher. Wie genau Autoren beim US-Online-Händler bezahlt werden, gibt Amazon im Internet bekannt: Der Autor eines 100 Seiten starken Buches, das 100 Mal komplett gelesen wird, bekommt 1.000 Dollar (901,23 Euro). Der Autor eines 200 Seiten starken Buches bekommt unter gleichen Bedingungen 2.000 Dollar.