15. September 2008 - 3:58 / Ausstellung / Archiv 
26. April 2008 21. September 2008

Die Ausstellung "1:1" im Basler Schaulager ist dem Werk der US-amerikanischen Künstlerin Andrea Zittel (1965) und demjenigen der polnischen Künstlerin Monika Sosnowska (1972) gewidmet. Die beiden Künstlerinnen reagieren auf ihre je unterschiedliche Umgebung, auf Architektur, Wohnraum, Lebensform und Tradition – sei dies in New York und Los Angeles bei Zittel, sei es in Warschau des 21. Jahrhunderts bei Sosnowska. Die Räume, Skulpturen, Objekte und Zeichnungen versammeln sich auf der grossen Bühne des Schaulagers zu einem vielgestaltigen Ensemble, das den Betrachter mit unerwarteten Auftritten in Bann schlägt und ihn zuweilen auf die Bühne holt.

Andrea Zittel wurde 1965 in Escondido in Kalifornien geboren. Nach der Schule besuchte sie die San Diego State University, wo sie 1988, mit dreiundzwanzig, mit dem BA in Painting and Sculpture abschloss. Im Anschluss daran zog Zittel an die Ostküste, an die Rhode Island School of Design in Providence, wo sie 1990 den MA of Sculpture erlangte. Die nächste und erste selbständige Station war New York, wo sie sich in Brooklyn niederliess. In New York begründete Zittel 1991 ihr künstlerisches Unternehmen "A-Z", ein Projekt, in dessen Rahmen sie seither alle ihre Recherchen durchführt und ihre Werke – möbelartige Objekte und Räume, Kleider und Gebrauchsgegenstände – entwirft und im Massstab 1:1 produziert. Mit "A-Z" schafft Zittel den experimentellen Raum für eine Parallelwirklichkeit, in der die Unterscheidung von Kunst und Wirklichkeit obsolet geworden ist.

Kaum in New York angekommen, konnte Andrea Zittel an Ausstellungen teilnehmen. Bald schon war sie in zahlreichen Gruppenausstellungen in den USA und ebenso in Europa vertreten, so z.B. prominent an der Documenta X von Catherine David 1997. Ihre erste umfassende Einzelausstellung begann 2005 in Houston und war an vier weiteren Orten in Amerika und Kanada zu sehen. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre verlässt Zittel immer wieder für längere Perioden New York, während denen sie sich in Europa aufhält und auf längeren Reisen das nicht urbane Amerika erkundet. Immer wieder führt in diesen "Wanderjahren" die Reise in den Westen. 2000 schliesslich beginnt Zittel ein neues Kapitel in und um Los Angeles. Sie erwirbt dort in der Wüste von Kalifornien eine verlassene Unterkunft (ein ehemaliges sog. Homestead Unit) und das dazugehörige Stück Land, das Zittel nun "A-Z West" nennt und zu ihrem neuen Versuchsfeld macht. Sie lebt seither dort und in Los Angeles.

Monika Sosnowska kam 1972 in Ryki im Südosten von Polen auf die Welt. 1993 bis 1998 besuchte sie die Kunstakademie in Posen und machte dort den MA. Danach, 1999-2000, verbrachte sie ein Jahr in Amsterdam an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten, ein wichtiges Jahr, währenddem sie für ihre künstlerische Arbeit entscheidende Schritte machte. Nach Ablauf der Akademiezeit in Amsterdam war es eine bewusste Entscheidung, nach Polen zurückzukehren und nicht in einem westeuropäischen Land zu leben. Jetzt wurde die Hauptstadt Warschau der neue Wohnort, dort wo sich seit Ende der 1980er Jahre eine aktive und lebendige, weit herum beachtete Kunstszene herausgebildet hatte.

In Amsterdam hatte Sosnowska im Jahr 2000 ihre erste Ausstellung. Seither ist ihre Arbeit regelmässig in Gruppen- ebenso wie in Einzelausstellungen in Europa und Amerika präsent. Am meisten Aufsehen erregte Sosnowska bisher mit der Ausstellung, die sie im vergangenen Sommer an der Biennale von Venedig im Polnischen Pavillon installiert hatte. Ausstellungen sind in Sosnowskas Fall nicht nur Möglichkeiten, ihr noch junges Schaffen öffentlich zu zeigen, sondern sie bieten überhaupt sehr oft erst die Voraussetzung, ein Werk realisieren zu können.

Die Werke von Monika Sosnowska sind fiktionale Raumgebilde, Form gewordene mentale Raumerkundungen. Fast immer im Massstab 1:1 konstruiert und oft begehbar. Wie bei ihren Künstlerkollegen, die in Polen nach 1989 zu arbeiten begonnen haben, ist das eigene Erbe und die Umbruchsituation der letzten Jahre eine prägende Vorgabe für Sosnowskas Schaffen. Am deutlichsten erlebbar und ablesbar ist für Sosnowska diese Situation in den polnischen Städten. Der rasende Wandel, in den diese geraten sind, und seine Folgen, die zahlreichen Auflösungserscheinungen ebenso wie die Spuren vergangener Utopien bilden die Grundlage, von der aus Sosnowska ihre subversiv-anarchischen "Raumbilder" entwickelt.


Publikation zu Monika Sosnowska und Publikation zu Andrea Zittel: beide Bände erscheinen deutsch-englich und beinhalten jeweils Texte der Künstlerin sowie zahlreiche Abbildungen. Herausgegeben von Schaulager und Steidl Verlag, Göttingen. Preis je ca. CHF 35.—

Andrea Zittel, Monika Sosnowska. 1:1
26. April bis 21. September 2008

Schaulager
Ruchfeldstrasse 19
CH - 4142 Münchenstein / Basel

T: 0041 (0)61 33532-32
F: 0041 (0)61 33532-30
E: info@schaulager.org
W: http://www.schaulager.org/

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Andrea Zittel, sfnwvlei (Something for Nothing with Very Little Effort Involved) Note #2, 2002. Gouache und Bleistift auf Birkenholz. © Andrea Zittel; Foto: Josh White. Courtesy Regen Projects, Los Angeles, and Andrea Rosen Gallery, New York
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Andrea Zittel, First Flaw in New RAUGH Furniture at A?Z West, January 2005. Gouache und Bleistift auf Papier. Courtesy die Künstlerin und Andrea Rosen Gallery, New York. © Andrea Zittel; Foto: Oren Slor. Courtesy Andrea Rosen Gallery, New York
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Monika Sosnowska, Untitled, 2003. Papier, ca. 40x40x70 cm; © Monika Sosnowska
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Monika Sosnowska, Untitled, 2006. Foto in Werkstätte; © Monika Sosnowska