3. Mai 2019 - 0:05 / Ausstellung / Fotografie 
1. Mai 2019 29. Juli 2019

Anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls zeigt die Berlinische Galerie erstmalig ein besonderes Konvolut ihrer Sammlung. Mit der Serie „Stadtrand Berlin“ dokumentierte der Fotograf André Kirchner zwischen 1993 und 1994 die Spuren der jüngeren märkischen Geschichte und vor allem die Wirren der Umbruchszeit vier Jahre nach dem Fall der Mauer.

Geografischer Ausgangspunkt der Serie war der ehemalige Grenzkontrollpunkt Drewitz. Gegen den Uhrzeigersinn fortschreitend bewegte er sich innerhalb eines Jahres bis zur Glienicker Brücke vor Potsdam. In 60 Einzelaufnahmen entstand so ein Bild von der Peripherie Groß-Berlins, wie sie 1920 mit der Eingemeindung festgelegt worden war und mit ihrer Länge von 234 km nahezu der heutigen Ausdehnung entspricht.

Entgegen den Gepflogenheiten der klassischen Stadtfotografie richtete Kirchner seine Panoramakamera konsequent immer von außen nach innen. Auf den 24 x 50 cm großen schwarz/weiß Aufnahmen eröffnen sich unerwartet weit gefasste landschaftliche Räume mit Wohngebieten, Wäldern, Feldern, Gewässern, Industrie- bzw. Militäranlagen und allen möglichen Arten von wirtschaftlich genutzten Objekten.

Die zivilisatorischen Spuren auf diesen Bildern erzählen etwas über die Geschichte dieser Region in den zurückliegenden 150 Jahren – also von der gründerzeitlichen Architektur und den damaligen technischen Errungenschaften bis zu den kleinen und großen Zeichen der Umbruchszeit am Beginn der 1990er-Jahre. Zugleich lässt die Kargheit der märkischen Landschaft ein Gefühl für den Zustand des Lebensraumes entstehen, der Berlin trotz aller Globalisierungstendenzen noch immer bestimmt.

Die Bilder zeigen alle Anzeichen einer gesellschaftlichen Zwischenzeit. Zu sehen sind Spuren des Verfalls und des Vandalismus genauso wie die geradezu zaghaft wirkenden ersten Werbetafeln und die neuen Einkaufszentren am Horizont.

Was nun die abgebildete Realität auf den Bildern betrifft, so sind diese vor- und außerstädtischen Landschaften heute zu großen Teilen verschwunden. An ihrer Stelle sind Straßen, Wohnsiedlungen und Einkaufszentren entstanden.

Die Panoramakamera war für André Kirchner das geeignete Mittel, um mit ihren erzählerischen Möglichkeiten auf die allgemeine Neugier und Aufregung in dieser von politischen, sozialen und kulturellen Umbrüchen beherrschten Zeit zu reagieren.

André Kirchner. Stadtrand Berlin
1. Mai bis 29. Juli 2019

Berlinische Galerie
Alte Jakobstraße 124-128
D - 10969 Berlin-Kreuzberg

W: http://www.berlinischegalerie.de

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