Kurt Bracharz

23. April 2007 - 11:50

Der amerikanische Radiomoderator Don Imus bezeichnete am 4. April in seiner Sendung »Imus in the Morning« auf CBS die jungen schwarzen Frauen des Basketballteams der Rutgers University als »some nappy-headed hos«. »Nappy-headed« könnte man in etwa mit »kraushaarig« übersetzen (wörtlich auch »noppenköpfig«), »hos« sind »whores«, also Huren.

Also noch mal: eine Art amerikanischer Heinz Conrads nennt im Frühstücksradio ein Team erfolgreicher schwarzer Sportlerinnen »ein paar kraushaarige Huren«.

In folgenden Woche erklärte eine Reihe von Leuten, Imus sei zwar ein Trottel, aber er solle sich halt entschuldigen und seinen Job weiter machen. Unter diesen Ratgebern befanden sich beispielsweise der frühere Bürgermeister von New York, Rudolph Giuliani, und der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain, dazu einige New Yorker Verleger, deren Bücher Imus in seiner Sendung vorstellte. Don Imus entschuldigte sich dann tatsächlich, er habe im »Comedy-Kontext einen idiotischen Fehler gemacht«. Die Show wurde trotzdem eingestellt.

In Europa fällt es einem ziemlich schwer, den »Comedy-Kontext« zu erkennen. Der größere Teil der deutschen Comedy zum Beispiel ist so ziemlich das Tiefste, was man sich vorstellen kann (auch wenn es zugegebenermaßen immer von neuem unterboten wird), aber ein so witzloser, einfach nur rassistischer Sager ist dort nicht denkbar. Auch der jüngste Vorfall bei der Bundeswehr, bei dem sich deutsche Soldaten vorstellen sollten, »in der Bronx« unter ständigen »Motherfucker«-Rufen Schwarze umzunieten, hat wohl wirklich überall nur Befremden ausgelöst.

In den USA, der Heimat der Political Correctness, ist es aber offenbar anders. Der schon erwähnte Präsidentschaftskandidat John McCain sang letzthin bei einem Wahlkampfauftritt zur Erheiterung des Publikums »Bomb, bomb, bomb, bomb Iran« auf die Melodie des Beach Boys-Songs »Barbara Ann«, und meinte später auf die Frage, ob das nicht »unsensibel« gewesen sei: »Unsensibel gegenüber wem, gegenüber den Iranern?«

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)