Fragen von Migration und Globalisierung

20.07.2008

28.06.2008 bis 27.07.2008  

Die Galerie der schwarze Punkt präsentiert die Viedeoarbeit «Journal No. 1 – An artist’s impression» von Hito Steyerl. Bereits seit 1990 besteht diese konzeptionell-imaginierte und temporäre Galerie, als ein Projekt von Davor Ljubicic. Im Gewölbekeller des Konstanzer Kulturzentrum am Münster und in Kooperation mit dem Kulturbüro, findet die Galerie in diesem Jahr wieder ihren realen Raum. Mit der Ausstellung von Steyerl geht die Galerie erstmals eine Zusammenarbeit mit dem Excellenz Cluster (EXC 16, Kulturelle Grundlagen von Integration) der Universität Konstanz ein.


In ihren Filmen thematisiert die 1966 in München geborene Hito Steyerl, Videokünstlerin und Autorin, insbesondere interkulturelle Fragen von Migration und Globalisierung. Mit ihren Arbeiten nahm sie an mehreren Filmfestivals und Kunstausstellungen teil, zuletzt an der documenta 12 in Kassel. Dort zeigte sie auch «Journal No. 1», die Arbeit, die nun im Gewölbekeller des Kulturzentrums am Münster zu sehen ist.

Zwei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Sarajewo das Film-Journal No. 1 veröffentlicht, vier Jahre nach dem Ende des kommunistischen Blocks ging diese Wochenschau, die nur auf Nitrofilm überliefert wurde, in den Wirren des Jugoslawienkriegs verloren. Steyerl versucht in «Journal No. 1 – An artist’s impression» herauszufinden, was auf diesem Filmdokument aus dem Sutjeska-Studio von Sarajewo zu sehen war. Sie lässt dazu Augenzeuginnen und Augenzeugen sprechen, und den Künstler Arman Kulasic nach ihren Angaben mehrere Zeichnungen anfertigen, die wie Storyboards zu einem verlorenen Film wirken.

In der Parallelprojektion von «Journal No. 1 – An artist’s impression» wird das Unerreichbare eines historischen Nullpunkts der nationalen Identität konkret: Was in der Rückschau als Moment des Aufbruchs erscheint (die Wochenschau handelte von einer Alphabetisierungskampagne, die muslimischen Frauen nahmen selbstbewusst ihren Kopftücher ab, das kommunistische Jugoslawien unter Tito feiert in seinen frühen Filmen eine Modernisierung durch Bildung), bleibt unter dem Vorbehalt der subjektiven Erinnerung. Stattdessen gewinnt der Zeichner, der doch eigentlich nur als «Medium» für die Stimmen aus dem Off dienen sollten, selbst eine Stimme: Er war auch von den ethnischen Säuberungen im Jugoslawienkrieg betroffen.

Spielfilmbilder des Sutjeska-Studios (den antifaschistischen «Walter rettet Sarajewo» oder «Erinnerst du dich an Dolly Bell?» von Emir Kusturica) setzt Hito Steyerl dort ein, wo das dokumentarische Bild fehlt, ohne jemals auf eine komplette Rekonstruktion zu zielen: Das multiethnische Jugoslawien bleibt historisch wie filmhistorisch ein Fragment, ein Land zwischen den Bildern. Bert Rebhandl

Hito Steyerl ist gegenwärtig Gastprofessorin für Medienkunst an der Universität der Künste Berlin. Sie studierte von 1987 bis 1990 in Tokio Kino- und Dokumentarfilm, arbeitete danach im Team von Wim Wenders und studierte im Anschluss an der Hochschule für Fernsehen und Film in München Dokumentarfilm. Nach verschiedenen Lehraufträgen und Gastprofessuren in Berlin, Wien, München und Hannover war sie Dozentin für Cultural Studies und Postcolonial Studies am Goldsmiths College in London.


Journal No. 1 – An artist’s impression
2007, 21 min
28. Juni bis 27. Juli 2008
Foyer des Kulturzentrums am Münster

weiterführende Links:

http://www.galerie-der-schwarze-punkt.de

http://www.exc16.de

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