Buchtipp im Januar 08

12.01.2008 Irene Selhofer

Nach einer Reise in die Libysche Wüste ist mein persönliches Interesse an diesem Land natürlich gross. Kontakt mit Einheimischen kam kaum zustande und die Kommunikation ist aus sprachlichen Gründen schwierig. Herrn Gaddafi und den Medien kann ich auch wenig Glauben schenken, so war ich auf Herrn Matars Roman sehr neugierig.


Es ist ein Roman aus der Sicht eines 9jährigen Buben, dessen Vater in einer geheimen Widerstandsgruppe mitarbeitet. Das Kind ist angewiesen, auf die Mutter aufzupassen, wenn der Vater auf Geschäftsreise ist. Immer dann wird Mutter krank und nimmt «Medizin» - streng verbotenen Alkohol. So wächst das Kind in familiärer und äusserer Bedrohung, umgeben von Geheimnissen, auf.

Als der Freund und Nachbar «abgeholt» und später öffentlich und im Fernsehen übertragen, gehenkt wird, zerbricht die enge Freundschaft mit dem Sohn des Nachbarn. Auch der Vater wird verhaftet und nach Folterungen schwer verletzt wieder nach Hause gebracht. Ohne «Beziehungen» wäre er auch nicht mehr am Leben, dafür gilt er jetzt als Verräter. Das Kind wird zu Freunden nach Kairo geschickt, wo ihm eine Ausbildung und somit eine Zukunft ermöglicht wird. Nach Libyen zurückkehren ist allerdings nie mehr möglich.

Der Roman ist ein Lehrstück in Sachen Diktatur. Die besondere Tragik und Bedrohlichkeit wird deutlich, weil er aus der Sicht eines Kindes geschrieben ist, das von allen Seiten missbraucht wird.


Matar, Hisham: Im Land der Männer. Roman
Luchterhand Vlg., 2007, 254 S. EUR 20,60

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