Rosie und der Urgroßvater

... sind ein wunderbares Erzähl-G'spons – und Monika Helfer und Michael Köhlmeier sind das auch. In ihrem neuen Buch gibt es neun jüdische Geschichten aus dem alten Hohenems und eine Geschichte aus New York. Barbara Steinitz hat sie bebildert.


1. Die Story: «Das Geschichtenerzählen hat auch eine Geschichte», schreibt Hanno Loewy im Nachwort zu diesem Buch. Was bedeutet: Die Geschichten von Migration und Diaspora, die man hier liest, haben ihren Kern im Jüdischen Museum Hohenems. Dort findet man sie als Dauerausstellung für Kinder (parallel geführt zur historischen Ausstellung für Erwachsene) in Leuchtkästen mit Texten von Monika Helfer und Bildern von Barbara Steinitz. Es sind fiktive Geschichten rund um die Hohenemser Juden. Wer sie liest und klein ist, wird Fragen stellen, und die richtet er an die Großen. Die werden dann zu Historikern, und das ist gut für beide Teile. Das neue Buch hat den Vorteil, dass sich zu dem im JMH Bestehenden ein versierter Erzähler gesellt. Michael Köhlmeier hat den Geschichten einen Rahmen gesetzt, der alles schön zwischen zwei Pappband-Buchdeckeln zusammenhält. Da finden wir also zehn wunderschöne Geschichten und ein «Schönes Ende»: «Die Geschichte von Reikle und den Tieren im Winter», «Die Geschichte vom christlichen Erlöser und vom jüdischen Messias», «Die Geschichte von Claras Hochzeit» und noch andere.

2. Die Helden: ... stehen wie üblich schon im Titel – oder in der Überschrift, wie die Kleinen sagen. Rosie ist ein Volksschulmädchen und lebt mit ihrer Mutter und Großmutter in New York – wie ihr Urgroßvater. Der East River trennt sie, aber mittwochs fährt Rosie mit dem Rad über die Williamsburg Bridge zum Urgroßvater und liebt es, seinen Geschichten von den Juden in Hohenems zuzuhören: alten Geschichten oder neuen Geschichten, die dann schon Urgroßvaters Familiengeschichten sind. So ist es also damals zugegangen, so war es also einmal, und Hohenems, erfährt man, liegt nicht in Texas, und wie war das noch einmal mit Clara?

3. Der Sound: Den Urgroßvater, der hier erzählt, würden wir alle gerne als Urgroßvater haben. Manchmal ist er brummelig, aber im Grunde seines Herzens? Da liebt er es, die Welt an seinem Lebensabend so zu erzählen, wie es ihm passt. Wir hören Märchen, und eigentlich haben sie alle ein schönes Ende, zum Beispiel: «Da liefen Clara die Tränen über die Wangen, und sie wäre so gern wieder ein kleines Mädchen gewesen und hätte sich in Papas Arme geworfen.»

4. Coole Worte: Es gibt natürlich sehr schöne jiddische Wörter in diesem Buch, zum Beispiel «Schmusebacke», was Rosie ist, wobei «schmusen» eigentlich für «(zärtlich) reden» steht.

5. Coole Bilder: Von Barbara Steinitz finden sich 16 vorder-, aber vor allem hintergründige Collagen, offensichtlich Reproduktionen der
Leuchtkästen: eine schöne Art, Bilder erzählen zu lassen!

6. Zum Nachdenken: «Wer fragt, tut nichts.» (Samuel Menz in der «Geschichte von Samuel Menz, der wenig gefragt und viel getan hat»)

7. Das Buch: Monika Helfer, Michael Köhlmeier: Rosie und der Urgroßvater. 144 Seiten. München: Carl Hanser Verlag 2010

8. Die AutorInnen: Es ist überhaupt nicht notwendig, Monika Helfer oder Michael Köhlmeier vorzustellen. Aber diese im Schattentheater versierte Illustratorin? Hier lohnt ein Blick auf die HP: http://www.barbara-steinitz.de.


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