Buchtipp im August 10

19.08.2010 Irene Selhofer

Vladimir Sorokin überrascht immer wieder durch seine skurrilen, verrückten Ideen, seine Sprachgewandtheit und einen ausgeprägten Sinn fürs Absurde. Dieser Roman ist nun der letzte Teil der LJOD-Trilogie (man kann die Bände durchaus auch einzeln lesen). Die Erde ist allein im Universum und der Homo Sapiens ein Unikum. Darum muss man die Erde als Störfall ansehen, als Schandfleck am Leib des Universums.


Die Bruderschaft der Erweckten des Lichts setzt alles daran, diesen missratenen Himmelskörper durch die Sprache des Herzens und der Liebe mittels roher Gewalt, Mord und Vernichtung allen Lebens, auszulöschen, um selbst in die körperlose Ewigkeit einzugehen. Das Ende der Menschheit als Heilsgeschichte - ein provokantes und faszinierendes Gedankenspiel, mit atemberaubender Spannung erzählt. Eine kühne Spielart der Apokalypse, die sich vor dem realhistorischen Hintergrund der verheerenden Utopien des zwanzigsten Jahrhunderts anzubahnen scheint.

Sorokin spielt mit verschiedensten Genres: Gangsterroman, Thriller, Satire, pathetischer Hymnus. Eine geballte Ladung an Ideen und Spielarten – es bleibt zu hoffen, dass die Erweckten nie gewinnen mögen, ich möchte doch noch weitere Bücher von Herrn Sorokin lesen!


Sorokin, Vladimir: 23000
Berlin Vlg., 2010, 331 S., EUR 24,70

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