27. Februar 2012 - 1:32 / Ausstellung / Sonstige 
25. November 2011 4. März 2012

Zeichnungen von unendlich ruhiger, fast meditativer Ausstrahlung, vorrangig aus dem Spätwerk Giorgio Morandis (1890 – 1964), einem der bedeutendsten Künstler der Klassischen Moderne, werden in der Ausstellung "Die Stille der Dinge" in einen Dialog gesetzt mit den phantasievollen, fragilen Plastiken der Münchener Künstlerin Christina von Bitter (*1965).

Die Stillleben von Giorgio Morandi zeigen immerfort dieselben Gebrauchsgegenstände wie Kannen, Flaschen, Dosen in verschiedensten Arrangements, wohingegen sich der Künstler bei den Landschaften auf seine unmittelbare Umgebung konzentriert. Diese Reduktion auf ausgewählte Motive verleiht den Werken Kraft und eine kontemplative, stille Intensität. Eine Materialität der Dinge blendet Morandi völlig aus, er vermeidet das Aufzeigen von der Härte des Materials, von der Beschaffenheit der Oberfläche. Die Ausstellung präsentiert vor allem Zeichnungen der 1960er Jahre. Diese späten Arbeiten weisen unter anderem einen gewissen Grad an Abstraktion auf, der den Werken Leere und Leichtigkeit verleiht.

Christina von Bitter erarbeitet mit Draht, Zeitungspapier und meist weißer Farbe organisch wirkende Plastiken, die alltägliche Gebrauchsgegenstände darstellen. Die Kleider, Musikinstrumente und Häuser sowie die Gefäße, Kannen, Flug- und Fahrzeuge wirken fragil und fast schwerelos. Abgehängt von der Decke verwandeln die schwebenden Objekte den Ort in eine poetische Traumwelt.

Stille, Leichtigkeit und Leere sind für beide Künstler, die in gewisser Weise auch ihre Sujets teilen, von zentraler Bedeutung. Handelt es sich bei Morandi um einen Negativ- oder Leerraum zwischen den dargestellten Gegenständen, so sind es bei von Bitter die Hohlräume, die ihre Werke entscheidend mitdefinieren. Und während Morandi ein Aufzeigen von Oberflächenqualität vermeidet, ist die Oberfläche bei von Bitter von besonderer, nicht zuletzt ästhetischer Bedeutung: "Die Haut der Dinge" verleiht den Plastiken eine surreal anmutende Aura.

Die Stille der Dinge
Giorgio Morandi und Christina von Bitter
25. November 2011 bis 4. März 2012

Kunsthaus Kaufbeuren
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Giorgio Morandi: Landschaft, 1961. 24,1 x 16,7 cm; Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn, 1993
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Giorgio Morandi: Stillleben, 1956. 17,9 x 20,7 cm; Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn, 1993
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Christina von Bitter: Ballonkleid, 2011. Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn, 2011
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Christina von Bitter: Hermes 2003, Der Weltempfänger 1998, Leuchten im Klee 1998. Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn, 2011