27. Januar 2012 - 1:22 / Ausstellung / Sonstige 
20. Oktober 2011 29. Januar 2012

Das 1963 von Peter Schumann in den USA gegründete Bread & Puppet Theater gehört zu den bedeutendsten Figurentheatern des 20. Jahrhunderts weltweit. Mit seinem explizit politischen Ansatz und dank der performativen Bildkraft der Großfiguren, Masken und Massenszenen war es in Europa und den USA bald Legende. Die Ausstellung im Münchner Stadtmuseum ist keine klassische Retrospektive, sondern eine künstlerische Installation, die Peter Schumanns bildnerische Fähigkeiten in den Vordergrund stellt.

Er wird die Ausstellung auf der Grundlage von Masken und Figuren, die auf der EXPO 2000 entstanden, und neuen Figuren selbst zusammenstellen und dafür im Oktober 2011 in München arbeiten. Er ist während dieser Zeit als Stipendiat Gast im Internationalen Künstlerhaus Villa Waldberta. Die Ausstellung soll sich, in der Tradition des Theaters, auch als Aussage zur politischen Situation verstehen.

Der deutsch-amerikanische Künstler Peter Schumann (geb. 1934 in Lueben, Schlesien) begann nach dem Abitur 1953 zunächst ein Studium an der Werkkunstschule Hannover und dann 1955 an der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin. 1956 ging er nach München, wo er seine zukünftige Frau Elka, eine Amerikanerin, kennen lernte. Hier machte er erste Versuche in Richtung neuer Musik und neuem Tanz. Die ersten expressionistisch geprägten Puppen und Masken entstanden noch in München.

1961 brach die junge Familie zu einem Besuch bei den amerikanischen Schwiegereltern in Connecticut auf, von dem sie nicht nach Deutschland zurückkehren sollte. New York war für die nächsten Jahre der wichtigste Einfluss für Schumanns künstlerische Entwicklung. Im Bereich des Tanzes traf er Merce Cunningham und Robert Dunn, er erlebte die frühe Happening-Kultur, freundete sich mit Claes Oldenburg an, blieb auf der Suche. Parallel erfolgte eine politische Bewusstwerdung. 1963 zog Schumann mit einem Wohnwagen los, um als umherziehender Puppenspieler an der Ostküste zu spielen. Zurück in New York, arbeitete er mit Freiwilligen auf den Straßen der Lower East Side, in säkularisierten Kirchen und Universitäten. Brot und Puppen: Bei den Aufführungen des Bread & Puppet Theaters wurde von Beginn an nach der Vorstellung selbst gebackenes Brot an das Publikum verteilt, als Geste der Verbrüderung, aber auch, um die Notwendigkeit des Theaters als "Lebensmittel" zu unterstreichen. "Art is food. You can"t eat it but it feeds you. Art is for kitchens! Art is like good bread!"

Mit seinem Theater schrieb sich Schumann in die Bewegung der "radikalen Theater" ein, die in den 60er Jahren nicht nur in New York gegründet wurden. So unterschiedlich die ästhetischen Konzepte dieser Theater auch waren, einiges hatten sie gemeinsam: Die Ablehnung des konventionellen Theaters, die Suche nach neuen Ausdrucksmitteln und kollektiven Arbeitsmethoden, ein politisches Bewusstsein und die Tatsache, dass sie "arme" Theater waren, die außerhalb der gewöhnlichen Theater- und Kunstorte auftraten. Das Bread & Puppet Theater wirkte unter anderem bei Anti-Vietnam-Kriegs-Demonstrationen mit Straßenaktionen mit.

Auf der Suche nach einem neuen politischen Volkstheater nahm Schumann aber niemals den Weg des Agit-Prop-Theaters. Sein Parabeltheater betreibt eine "Agitation der Stille" (Hellmuth Karasek und Theo Hardtmann 1972 in Theater heute), es bleibt dem Zuschauer überlassen, die Bilder zu deuten. Ab 1968 ging das Bread & Puppet Theater mehrfach auf Europa-Tournee und feierte in Frankreich und Deutschland mit "Fire" und "The Cry of the People for Meat" Triumphe. Die performative Bildkraft der Großfiguren, Masken und Massenszenen war damals einzigartig. 1970 zog Schumann aufs Land, noch heute befindet sich das Theater in einer Farm in Glover, Vermont, dem Ausgangspunkt einer ausgedehnten Tourneetätigkeit.

Schumanns Bread & Puppet Theater hat sich bis heute seine Formensprache und seine politische Integrität bewahrt. Der Einfluss des Theaters als Vorbild politischer Straßentheater-Aktionen und eines magischen, tänzerischen Bildertheaters im 20. und jetzt auch 21. Jahrhundert ist als sehr groß einzuschätzen. Zudem verbreitet Schumanns Praxis der Arbeit mit Laien seine Theaterauffassung weiter und lässt sie in neue ästhetische und politische Zusammenhänge einfließen. In Deutschland war das Theater zuletzt auf der EXPO 2000 in Hannover und 2010 am Berliner Ensemble zu Gast.

Bread & Puppet Theater
20. Oktober 2011 bis 29. Januar 2012

Münchner Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
D - 80331 München

T: 0049 (0)89 233 22370
F: 0049 (0)89 233 25033
E: stadtmuseum@muenchen.de
W: http://www.muenchner-stadtmuseum.de/

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B&P Pageant, 8-6-06. Photo: Jack Sumberg
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B&P Museum, Photo: Jack Sumberg
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Sheep and Hand, 2007. Photo: Jack Sumberg
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Airplane Dance, 2007. Photo: Jack Sumberg
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Sourdough Circus, Photo: Jack Sumberg
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Peter Schumann, 7-05 Pageant. Photo: Jack Sumberg