Di, 03.05.2011 / Ausstellung / Sonstige
Fr, 11.03.2011 So, 08.05.2011
thumb

Die Ausstellung "Image Leaks – Zur Bildpolitik der Ressource" von Dierk Schmidt lässt durch die Verbindung von neu produzierten mit älteren, thematisch verwandten Arbeiten ein pointiertes Bild ökonomisch-politischer Zusammenhänge der Gegenwart entstehen. Zentral ist für Schmidt die Frage, wie sich künstlerische Bilder mit tagespolitischen Ereignissen und deren geschichtlichen Hintergründen beschäftigen können.

In seinen Bildserien erprobt er die Möglichkeiten einer kritischen Malerei. Weit über das bloße Abbilden geschichtlicher Ereignisse hinaus geht es ihm um eine erweiterte Definition des Historienbildes: um die permanente Überprüfung aktueller Bezüge des Historischen im Heute. Seine Malerei begreift er dabei nicht als Illustration gesellschaftlicher Konstellationen, sondern als ein Medium, in dem Auseinandersetzungen geführt und streitbare Interessenlagen offen gelegt werden können.

Ausgangspunkt vieler Projekte von Dierk Schmidt ist eine aufmerksame Beobachtung der ökonomischen Bedingungen künstlerischer Produktion vor dem Hintergrund größerer wirtschaftlicher und politischer Zusammenhänge. Er konzentriert sich auf die Imageproduktionen und hiermit einhergehenden Bildpolitiken von Regierungen, multinationalen Konzernen oder Medienkonglomeraten, die er als die Nachfolgeinstanzen herrschaftlicher Repräsentationsformen vergangener Jahrhunderte begreift. Diese Verhältnisse analysiert Schmidt, indem er eine so in der gesellschaftlichen Realität nicht gegebene Konkurrenzsituation zwischen ökonomisch-politischer und künstlerischer Repräsentation reflektiert.

Ein Beispiel hierfür ist die 1998 entstandene Arbeit "Questionnaire to H. von Pierer". Hier hatte Schmidt wirtschaftspolitische Manöver von Siemens kritisch thematisiert. Das Unternehmen war als Sponsor und Initiator einer Ausstellung aufgetreten, die mit liberaler Geste "politische Malerei" der Kulturkampagne des Unternehmens eingliedern sollte. Bereits bei diesem Projekt spielten auch formale Fragen eine ausschlaggebende Rolle: hier ersetze der Künstler konventionelle, auf Wertbeständigkeit angelegte Bildträger durch funktionale Materialien, zum Beispiel transparente Kunststofffolien.

Die neuen, für die Ausstellung am internationalen Finanzplatz Frankfurt konzipierten Bilder agieren in einem Referenzrahmen aus Finanzkapitalismus, Imageproduktion und Ressourcenpolitik. Die für die gleichnamige Ausstellung im Frankfurter Kunstverein produzierte Arbeit "Image Leaks - Zur Bildpolitik der Ressource" wirft die Frage auf, ob und wie künstlerische Bildstrategien jener Bildpolitik entgegengesetzt werden können, die im Rahmen des vom multinationalen Ölkonzern BP zu verantwortenden Desasters im Golf von Mexiko 2010 zu beobachten war.

Der Konzern versuchte das öffentliche Bild vom Ausmaß der durch das Ölleck verursachten Verseuchung derart zu kontrollieren, dass auch alle Gegenkampagnen die gleichen Bild-Ressourcen verwenden sollten. Schmidt vertraut bei seinem Ansatz darauf, dass die vergleichende, analytische Darstellung der konkurrierenden Image-Kampagnen – des Ölkonzerns BP, der Konzerngegner, aber auch der US-Regierung –, in letzter Instanz das "brand washing" von BP zu stören vermag.

Image Leaks – Zur Bildpolitik der Ressource
11. März bis 8. Mai 2011

Frankfurter Kunstverein
Markt 44
D - 60311 Frankfurt am Main

T: 0049 (0)69 219 314-0
F: 0049 (0)69 219 314-11
E: post@fkv.de
W: http://www.fkv.de/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



15132-15132dierkschmidtichweisswas...wasdunichtweisst...1mail.jpg
'Ich weiß was... was Du nicht weißt... When opinion becomes an occasion for calculation' (Detail), 2001/2006. Arbeit in mehreren Teilen und einem ausgelegten Text; © VG Bild-Kunst, Bonn 2011. Courtesy the artist
15132-15132imageleaksdetail1mail.jpg
'Image Leaks - Zur Bildpolitik der Ressource' (Detail), 2011. Mehrteilige Installation, Größe variable; © VG Bild-Kunst, Bonn 2011. Courtesy the artist and Galerie Walbröl
15132-15132questionairetoh.piererdetail3mail.jpg
'Questionaire to H. von Pierer' (Detail), 1998. © VG Bild-Kunst, Bonn 2011; Courtesy the artist and Sammlung Harrie Kolen