30. Januar 2022 - 19:08 / Aktuell / Köpfe 

Die österreichische Lichtkünstlerin Brigitte Kowanz ist am 28. Jänner im Alter von 64 Jahren in Wien verstorben. Gemäss den Angaben ihres Sohnes Adrian Kowanz hatte die Künstlerin schon seit Längerem mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Sie habe sich von der Krankheit allerdings nie unterkriegen lassen und bis zuletzt gearbeitet.

Im Zentrum der Arbeit von Brigitte Kowanz stand seit den 1980er Jahren die Untersuchung von Raum und Licht. Am Beginn dieser Auseinandersetzung entstanden zwischen 1979 und 1984 in Zusammenarbeit mit Franz Graf Papier- und Leinwandbilder mit phosphoreszierenden und fluoreszierenden Pigmenten. Ab 1984 entwickelt die Künstlerin erste Lichtobjekte aus Flaschen, Leuchtstofflampen und Fluoreszenzfarbe. Mit einfachsten Mitteln entstehen komplexe Raumbilder und Licht-Schatten-Projektionen.
Ein Themenkomplex, der Kowanz ebenfalls bereits seit den achtziger Jahren beschäftigte, war jener der Sprache bzw. der Schrift und deren Übersetzung in Codes. Licht wurde als raumbildendes Medium ebenso wie als Informationsträger und Medium der Erkenntnis und der Sichtbarkeit untersucht. Seit 1995 setzte Kowanz unter anderem – ausgehend von einfachen Strich-Punkt-Kombinationen – auch regelmäßig das Morsealphabet zur Codierung ein.
Zuletzt entstanden durch die wechselseitige Bespiegelung von Licht, Sprache und Spiegel (Rainer Fuchs) hybride Räume, deren Grenzen in einem Moment klar definiert zu sein scheinen, sich im nächsten aber schon wieder auflösten. Realer Raum und virtuelles Spiegelbild durchdrangen einander, die Grenzen zwischen Kunstwerk und Betrachter wurden fließend. Zu ihren jüngsten Arbeiten zählten die Installation „Lichtkreise“ auf dem „Libelle“ genannten Aufbau auf dem Dach des Leopold Museums sowie die Installation „Sphere of Time“ auf dem Varta Haus gleich gegenüber dem Museumsquartier.

Kowanz studierte von 1975 bis 1980 an der Universität für angewandte Kunst Wien. Von 1997 bis 2021 war sie dort Professorin für Transmediale Kunst. Kowanz lebte und arbeitete in Wien. 2009 wurde sie mit dem Großen Österreichischen Staatspreis gewürdigt, 2017 vertrat Kowanz, die auch Mitglied im Österreichischen Kunstsenat war, gemeinsam mit Erwin Wurm Österreich bei der Biennale in Venedig. Oft wurde die Künstlerin als „Botschafterin des Lichts“ bezeichnet. 2018 wurde sie mit dem Deutschen Lichtkunstpreis ausgezeichnet. 2019 erhielt sie den Cairo Biennale Prize.



Brigitte Kowanz: Kunst am Bau, Lünerseepark Bürs bei Bludenz (© Friedrich Böhringer, CC BY-SA 2.5)
Brigitte Kowanz: Kunst am Bau, Lünerseepark Bürs bei Bludenz (© Friedrich Böhringer, CC BY-SA 2.5)