So, 04.09.2011 / Archiv / Museum
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Köln ist nicht nur die Stadt des Doms, des Karnevals und der Medien, sondern auch der Ort, an dem international bekannte Marken entwickelt, produziert und beworben werden. Einige davon sind längst Vergangenheit und leben nur noch in der Erinnerung weiter. Viele aber behaupten sich bis heute auf dem Weltmarkt - wie etwa Ford, Kölnisch Wasser oder die Deutz AG. Manche, wie die Zigarettenmarke Overstolz, waren einst Ikonen der Reklame der 1950er Jahre, andere wie Afri-Cola erlangten in den 1960er Jahren Kultstatus.

Vom 11. Juni bis zum 11. September 2011 präsentiert das Kölnische Stadtmuseum in der Alten Wache typische Kölner Produkte, die Geschichte ihrer Firmen und die damit verbundenen Werbekampagnen sowie historische Werbefilme, die den Namen Kölns einst in die Welt trugen. Die Ausstellung umfasst eine Zeitspanne von 1709 bis ins späte 20. Jahrhundert und wurde in Kooperation mit der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln entwickelt.

Ob die Overstolz vom Rhein, Stollwerck, Deutz, Sidol, Tefifon oder Agrippina, die Historie der Kölner Marken steckt voller Überraschungen. Der Kurator Sascha Pries vom Kölnischen Stadtmuseum und sein Team haben sich dem Thema mit einer eher unkonventionellen Präsentation genähert, die nicht nur unterhaltsame Einblicke in die Werbegeschichte zahlreicher Kölner Produkte bietet, sie lädt auch dank zahlreicher inter-aktiver Elemente zum selbst Entdecken und Erleben ein. Damit will das Stadtmuseum auch ein jüngeres Publikum ansprechen und für dieses erstmalig in einer Ausstellung präsentierte Kapitel der Marken und Produkte aus Köln und ihrer Geschichte(n), begeistern.

Die Ausstellung gliedert sich in drei Bereiche, die sich über die Unternehmensgeschichte, über die Werbung und auch emotional der Thematik nähern: Elf Geschichten zu prägnanten Kölner Marken - mal persönlich, mal tragisch, mal komisch - bilden den Auftakt im Gewölbe der Alten Wache. Eine Zeitachse als Chronik der Kölner Firmengeschichten führt ins Obergeschoss, wo eine opulente "Wirtschaftsschau" Einblicke in die Welt der Kölner Marken und Produkte eröffnet. Hier finden sich sowohl diejenigen, die sich heute noch am Markt behaupten, als auch kaum mehr bekannte, die längst Geschichte sind. Ausgestellt werden die Produkte mitsamt der für sie einst entwickelten Werbung in Form von Plakaten, Anzeigen und nostalgisch anmutenden Reklamefilmen vergangener Zeiten.

Marken begleiten uns oft ein ganzes Leben lang - wecken Wünsche und Begierden, aber auch Gefühle und Erinnerungen. Sie sind zudem ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Visitenkarten für die Stadt. Dass man Kölsch, das "Nationalgetränk" der Kölner in Übersee schätzt, im Big Apple und selbst an der Chinesischen Mauer das Kölsch-Glas erhebt, ist kein Geheimnis. Aber es gab und gibt weit mehr aus Kölner Produktion, was den Namen der Rheinmetropole hinaus trägt in die Welt.

"Eau de Cologne" - das "Wasser von Köln" von Farina oder 4711 betören seit mehr als einhundert Jahren ganze Generationen mit ihrem Duft und sind von Köln ausgehend zu Weltmarken geworden. So wie auch "Klosterfrau Melissengeist" bis heute heilsam und weltumspannend wirkt. Mit Ford fasste 1930 ein Weltunternehmen der Automobilindustrie Fuß am Rhein. Wer aber weiß, dass schon 1898 findige Kölner die ersten Elektromobile bauten und diese mit Bravour den Praxistest in Kölner Taxibetrieben, bei Post und Feuerwehr bestanden? Als in den 1960er Jahren die Jugend revoltierte, kam der Energieschub aus Köln: Die "Sexy-mini-super-flower-pop-op-Cola" Afri-Cola hatte mehr Koffein und damit mehr Wachmacher-Potential als die US-Konkurrenz. Mit revolutionären Werbekampagnen sorgte das Kölner Unternehmen für Furore und bei Verfechtern von Moral und Sitte für manchen Aufschrei.

Zur Ausstellung haben das Kölnische Stadtmuseum und der Museumsdienst Köln ein umfangreiches Begleitprogramm entwickelt mit Veranstaltungen, Vorträgen, Workshops und Ferienaktionen für Kinder. Für den echten Kölner Marken-Fan sind Taschen im Ausstellungsdesign, gefüllt mit typischen Kölner Produkten, im Museumsshop des Kölnischen Stadtmuseums erhältlich. Außerdem wird die lange vergriffene DVD "Köln-Rolle" mit historischen Kölner Werbefilmen von der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln in erweiterter Form wieder angeboten: Alles "Made in Cologne".

Made in Cologne
11. Juni bis 11. September 2011

Kölnisches Stadtmuseum
Zeughausstraße 1-3
D 50667 Köln
T 0049 (0)221 221 25789
F 0049 (0)221 221 24154

Öffnungszeiten:
Dienstag 10 - 20 Uhr
Mi bis So 10 - 17 Uhr
Jeden ersten Donnerstag im Monat: 10 - 22 Uhr



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4711 Geschenkpackung aus den 1960er Jahren. Das Deckelmotiv zeigt die idealisierte Darstellung der Neubenennung des Hauses mit der Nummer '4711' durch einen französischen Korporal; Kölnisches Stadtmuseum Inv.Nr. 1995/306a. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köl
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Werbekampagne für Afri-Cola von Charles Wilp, 1968. Berauschte Nonnen laben sich 1968 an der 'Sexy-mini-super-flower-pop-op-Cola'. Die Werbekampagne von Charles Wilp führte zu Protesten von Seiten der katholischen Kirche. Karl Flach GmbH & Co. KG, Köln
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Ford Werbebroschüre, 1941. In den 40er Jahren kam Ford aus Köln, nicht aus den USA. In dieser Zeit wurde statt der 'Ford-Pflaume' auch ein Logo mit dem Kölner Dom benutzt. Kölnisches Stadtmuseum Inv.Nr. W 1015; Reproduktion: Rheinisches Bildarchiv Köln, W
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Sidol-Plakat, 1950er Jahre. Marken Sidol, Lodix, Sigella und Co wurden in der Werbung der Sidol-Werke zu den 'Heinzelmännchen von Köln'. Die Kölner Sage um die fleißigen Wichtel passte offenbar ins Marketing-Konzept des Unternehmens. Henkel AG und Co. KGa