21. November 2009 - 2:08 / Archiv / Fotografie 

Am 3. Oktober 2009, am Tag der deutschen Einheit und anlässlich des 20. Jahrestages des Berliner Mauerfalls, eröffnet die Stiftung Brandenburger Tor im Max-Liebermann-Haus die Ausstellung "Szenen und Spuren eines Falls. Die Berliner Mauer im Fokus der Photographen". Mit knapp 200 Arbeiten von 21 renommierten Photographen wird diese Zeitenwende individuell und gleichzeitig repräsentativ erzählt.

Die Ausstellung vereint Werkgruppen und Einzelbilder von Wilfried Bauer, Wolfgang Bellwinkel, Sibylle Bergemann, Thierry Buignet, Dietmar Bührer, Norbert Enker, Thomas Ernsting, Harald Hauswald, Kai-Olaf Hesse, Karl-Ludwig Lange, André Kirchner, Barbara Klemm, Eberhard Klöppel, Werner Mahler, Hans W. Mende, Nelly Rau-Häring, Karsten de Riese, Gilles Peress, Regina Schmeken, Ralf Schuhmann und Maurice Weiss.

Die ausgewählten Photographen (und manche ihrer Kollegen) haben den revolutionären politischen Veränderungsprozess im Herbst 1989 und seine Folgen begleitet; daraus sind Dokumente von hoher historischer Signifikanz entstanden. In der Ausstellung wird der Besucher Zeuge von überschwänglichen Verbrüderungen vor dem Hintergrund der provisorisch geöffneten Mauer, schaut in die Gesichter von noch immer streng dreinblickenden und frustrierten Grenzbeamten und Zöllnern, deren Tage gezählt waren.

Der CNN-Starreporter Peter Arnett berichtete bereits am 12. November live vom Brandenburger Tor. Die internationale Medialisierung dieses Ereignisses, die in manchen dieser Aufnahmen thematisiert wird, offenbart die weltpolitische Bedeutung des Mauerfalls in Berlin. Immer wieder steht die Mauer selbst, mit ihrer kreativen Bemalung im Westteil und in ihrem schlichten Grau auf der Ostseite, im Zentrum des bildnerischen Interesses; gelegentlich auch die Hinterlandmauer.

Die geöffnete Mauer – an prominenten Orten wie dem Potsdamer oder Pariser Platz, aber auch an abgelegenen Brücken zwischen Johannisthal und Rudow – ist das Leitmotiv, die ersten Momente der Verbindung zwischen Ost und West, wenn mit schwerem Gerät eine Schneise geschlagen wurde, kehren immer wieder.

Die Ausstellung "Szenen und Spuren eines Falls" präsentiert die unterschiedlichsten Aspekte des Mauerfalls mit individuellen Handschriften und verschiedenen Ansätzen zwischen journalistischer Prägung und klassischer Architekturphotographie. Einige schilderten den Mauerfall spontan vor Ort mit aller darin enthaltenen Dramatik, andere photographierten systematisch oder distanziert, als trauten sie weder der Situation noch sich selbst.

Zusammengenommen ist eine visuelle Studie deutsch-deutscher Befindlichkeit entstanden, für die das Medium Photographie wie geschaffen erscheint. Die Photographie ist – trotz aller Diskussionen um das Authentische im Bild – ein so wirkungsmächtiges Medium, dass es unsere eigenen Assoziationen anregen, lenken und sogar überlagern kann.


Zur Ausstellung erscheint ein zweisprachiger Katalog (dt./engl.) im Berliner Nicolai-Verlag mit Texten von Monika Grütters, Norbert Lammert und Matthias Harder.

Szenen und Spuren eines Falls

Die Berliner Mauer im Fokus der Photographen
3. Oktober bis 6. Dezember 2009

Stiftung Brandenburger Tor
Max Liebermann Haus
Pariser Platz 7
D 10117 Berlin
T 0049 (0)30 226330-16
F 0049 (0)30 226330-14

Öffnungszeiten:
Mo bis Fr 10 – 18 Uhr
Sa und So 11 – 18 Uhr
Dienstag geschlossen



  •  3. Oktober 2009 6. Dezember 2009 /
9423-9423weiss.jpg
Maurice Weiss; Brandenburger Tor, Berlin, Sylvester 1989-1990. © Maurice Weiss / Agentur OSTKREUZ
9423-9423mende.jpg
Hans W. Mende; Checkpoint Charlie, Berlin, 9. November 1989. © Hans W. Mende
9423-9423mahler.jpg
Werner Mahler, Brandenburger Tor, Berlin, 10. November 1989 (4 Uhr nachts). © Werner Mahler / Agentur OSTKREUZ
9423-9423deriese.jpg
Karsten De Riese; Öffnung der Massantebrücke, Berlin 1989. © Karsten De Riese