So, 16.11.2008 / Ausstellung / Archiv
Do, 30.10.2008 Sa, 22.11.2008
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Die 1976 in Weingarten (Deutschland) geborene Künstlerin Kirsten Helfrich spürt mit ihrem Werk Fragen der Schönheit und Hässlichkeit, der Vergänglichkeit, Erinnerung und Tod nach. Während ihrer Studienzeit in London am Royal College of Art (2003 bis 2005) experimentierte sie zunächst mit Früchten. Helfrich reihte verschiedene Obstsorten auf Regalfächern auf. Sie liess die zunächst frischen, knackigen, sinnlichen Früchte stehen und setzte sie dem Zerfall durch Schimmel, Fäulnis und Austrocknung aus.

Zu jener Zeit begann Helfrich auch, die Coverbilder von Frauen- und Modejournalen mit Filzstift nachzuzeichnen. Auf den Titelbildern wirken die Frauen durch die kosmetische "Vermaskung" und inszenierte Fotografie entmenschlicht. Sie scheinen keinen Charakter und keine eigene Persönlichkeit zu besitzen. Sie sind aller individuellen Ausdrucksformen beraubt. Durch die Zeichnung erhalten die dargestellten Frauen wieder Leben eingehaucht, auch wenn sie durch die Transformation der Zeichnung nun völlig anders aussehen wie auf den Fotos.

Die Weingartner Künstlerin operiert aber nicht nur mit Filzstift und Bleistift, sondern sie greift auch immer wieder auf das Mittel der Fotografie und des Videos zurück, um die Betrachter mit der Thematik des "Verschwindens" und des "Erinnerns" zu konfrontieren. Für die Collagenserie "Fashion Victims" (Opfer der Mode) etwa bediente sie sich Fotografien – wiederum aus der Zeitschrift Vogue – und vernähte die Mund- und Augenpartien der Models mit Orangenschalen. Die mit Silberfäden befestigten Schalen trockneten mit der Zeit aus und wurden hart wie Leder.

Für die aktuelle Ausstellung in der Harder Galerie.Z wartet Helfrich, die als "Rookie of Art Bodensee" in diesem Sommer auf der Dornbirner Kunstmesse Art Bodensee in einem Container mit der Installation "The Body is the Message" das Bild vom Körper in den Medien in den Mittelpunkt rückte, mit einer neuen Serie auf, die den Titel "zur Erinnerung" trägt. Die neue Serie knüpft thematisch an den Zyklus "Familienalbum" an, für den die Weingartenerin alte Erinnerungsfotos aus dem engsten Familien- und Bekanntenkreis nachzeichnete.

Für den Komplex "zur Erinnerung" dient ein einziges Foto ihrer 1999 verstorbenen Mutter als Vorlage. Dieses Zeitdokument, - eines der letzten Fotos ihrer Mutter, in dem sich Erfahrungen, Erlebnisse, Erinnerungen und Emotionen verdichten, - zeichnete Helfrich mit Bleistift in gut 100 verschiedenen Variationen nach. In der Umsetzung mit schnellem aber konzentriertem Strich verändert sich das Bild der Mutter mit der jeweiligen Befindlichkeit der Künstlerin. Die Erinnungsvorstellungen vermischen sich mit eigenen Gemütszuständen.

Helfrich hat diesen Zyklus in Griechenland angefertigt, wo sie unmittelbar vor der Ausstellung weilte. Je nach Aufenthaltsort, Uhrzeit und eigenem Gefühlszustand variert die Umsetzung der Fotografie. Auf den einzelnen Zeichenblättern sind immer Datum und Uhrzeit angegeben. So verschränken sich diese einfühlsamen, zeichnerischen Bildvorstellungen der Mutter mit der inneren und äusseren Wahrnehmungswelt der Künstlerin. Die visuellen Zeichnungsformationen zu einem fotografischen Abbild der Mutter verbünden sich zu einem chronologischen Tagebuch innerer Zustände der Künstlerin. Karlheinz Pichler


Kirsten Helfrich - zur Erinnerung
30. Oktober bis 22. November 2008

Galerie.Z
Landstrasse 11
A - 6971 Hard

T: 0043 (0)650 6482020
E: galerie.z@cable.vol.at
W: http://www.galeriepunktZ.at

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