Mi, 14.11.2012 / Rosemarie Schmitt / Musikuß
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Bei dieser Hochzeit möchte ich kein Trauzeuge sein, denn ich habe meine Zweifel und befürchte, diese Ehe geht nicht gut. Sicher, diese Verbindung ist spannend, und trotz der offensichtlichen Unterschiede gibt es einige Gemeinsamkeiten, doch fehlt mir die gemeinsame Harmonie. Und dann dieser Altersunterschied! Nein, nein, das kann doch nicht gut gehen! Jeder für sich ja, aber gemeinsam?

Dem jungen Mann, der diese Hochzeit einfädelte, kann man den Versuch nicht zum Vorwurf machen, handelt es sich außerdem um meinen ganz persönlichen Eindruck, andere mögen das ganz anders sehen, oder korrekt gesagt, anders hören!

Sein Vater ist ein deutscher Pianist und Organist, die Frau Mama ist eine koreanische Komponistin, der Sohn und Cellist Isang Enders wurde in Frankfurt geboren. Er wurde nicht gleich als Cellist geboren, sondern lernte zunächst das Klavierspiel, wandte sich dann aber im Alter von 9 Jahren seinem Instrument, dem Violoncello zu. Benannt wurde er nach dem 1917 geborenen Komponisten Isang Yun. Und auf Isang Enders Debüt-Album soll nun eben jener Isang Yun die Ehe mit Robert Schumann eingehen, und zwar "Mit Myrten und Rosen" (Berlin Classics).

Gemeinsam mit dem 1983 geborenen Pianisten Andreas Hering spielte Isang Enders das komplette für Cello und Klavier geschriebene Werk beider Komponisten ein. Romantik trifft Moderne, obwohl ich es empfinde, als ob der Moderne dem Romantiker einfach dazwischen quasselt. Es mag daran liegen, daß ich diese serielle "koreanischönbergische" Tonsprache des Komponisten Isang Yun einfach nicht verstehe, keinen Zugang zu der Modernen finde. Sowohl Hering als auch Enders sind technisch absolut versiert und ihr Spiel ist ungeheuer gefühlvoll, manchen vielleicht gar etwas zu sanft. Es hat schon seine Gründe, daß Isang Enders seit er 20 ist, als Solocellist der Staatskapelle Dresden brilliert! Bereits aus dem Jahr 2010 stammt Isang Enders‘ Bearbeitung für Cello und Klavier von Robert Schumanns "Mit Myrten und Rosen" (aus Heinrich Heines Liederkreis), die auf dieser CD als Ersteinspielung zu hören und zu genießen ist.

Hier sind nun die Lieder, die einst so wild,
Wie ein Lavastrom, der dem Ätna entquillt,
Hervorgestürzt aus dem tiefsten Gemüt,
Und rings viel blitzende Funken versprüht!
(Heinrich Heine)

"Ich kenne Musiker, die ihre CD nie wieder anhören, aber ich muss sagen, dass ich meine sehr gern anhöre, nur des Klanges wegen. Und ich bin auch ein Stück weit Stolz auf dieses Produkt, auf das Gesamte an sich," sagt der Cellist Isang Enders. Und was sagen Sie? Möchten Sie "Mit Rosen und Myrten" ebenfalls hören – vielleicht sogar immer und immer wieder? Senden Sie die Antwort auf folgende Frage an klassik@habmalnefrage.de: Wann genau wurde Isang Enders geboren? (Nein, die Uhrzeit ist nicht erforderlich)

Herzlichst,
Ihre Rosemarie Schmitt

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)



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Isang Enders: 'Mit Myrten und Rosen', Berlin Classics
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Isang Enders, der junge Solocellist der Staatskaepelle Dresden
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Isang Enders und Andreas Hering; Foto: (c) Hans Ludwig Böhme