Zwei skurrile Eifersuchtsdramen in der Kammeroper

Die Einakter von Mieczysław Weinberg und Bohuslav Martinů haben nicht nur das Thema gemeinsam, sondern auch, dass beide Komponisten die Uraufführung nicht erlebten. Ein fulminanter, phantasievoll witziger, musikalisch hochkarätiger (hoffentlich nur vorläufiger) Abschied in der Kammeroper-Dependance des MusikTheater an der Wien.

Seitensprung, Dreiecksverhältnis und Eifersucht. Ehemann bezichtigt Ehefrau der Untreue und ergreift die ihm angemessen erscheinenden Maßnahmen: Sir George will Lady Magnesia mit einem Messer ermorden, vergiftet nach Turbulenzen jedoch Adolphus, den Kammerdiener, überlegt es sich wieder, nachdem die toughe Gattin nun mit ihm ihre Liebesbedürfnisse ausleben will. Gegengift ist Gips, doch zu viel davon lässt Adolphus zur Statue versteinern. Weinberg hat das Stück von G.B. Shaw vertont, ohne je mit einer Aufführung zu rechnen, entsprechend frei treibt er auch musikalisch die absurde Handlung im Minutentakt auf die Spitze, setzt Engels-, Männerchor, Donner, Sturm – alles vom Band – und zum Kammerorchester E-Gitarre, E-Bass, Harmonium und Alt-Saxofon ein.

Bei Bohuslav Martinů inszeniert der Ehemann eine Verwechslungskomödie à la Così fan tutte, um die Untreue seiner Frau zu testen. Es sind jedoch nicht nur zweimal Alexander, sondern dreimal … Der Ehemann greift hier zum Rasier-Messer und tritt als Cousin auf, was Armande jedoch gleich durchschaut, aber dadurch angeregt, doch den Verehrer Oskar erhört. Das Portrait des Hausherrn singt als Hüter der Moral mit und wird in dieser Inszenierung gedoppelt von einem Alexander (Tänzer), der absolut bereit ist für Abenteuer … es endet mit heiterem Gruppensex. Anlässlich der Pariser Weltausstellung 1937 sollte das Stück uraufgeführt werden, Martinů ersuchte den Librettisten, dass für die fröhliche Komposition „entweder eine singende Katze oder Pflanze vorkommen solle“. Es wurde ein singendes Portrait – und die Einreichfrist versäumt.

Regisseurin Anna Bernreiter macht aus beiden Episoden ein skurriles Kammerspiel. Das Setting bleibt mit zwei separaten Ehebetten dasselbe, aber bei Lady Magnesia gibt es für das Paar kein Entrinnen, nur eine Dienstbotenklappe. Durchlässiger wird es beim anderen Stück, ein ständiges Ein- und Abtreten, auch aus dem zentralen Portrait des gedoppelten Alexanders. Dazu noch die einfallsreichen Assessoirs und die schrillen Kostüme! Überzeugend natürlich das junge Sängerteam, das mit großer Spielfreude und hervorragenden Stimmen agiert, und das Wiener Kammer Orchester unter der musikalischen Leitung von Irene Delgado-Jiménez. Nicht enden wollender Applaus für die letzte Aufführung in dieser kleinen, feinen Kammeroper!  

Lady Magnesia / Zweimal Alexander
Mieczysław Weinberg / Bohuslav Martinů
Musikalische Leitung: Irene Delgado-Jiménez
Inszenierung: Anna Bernreiter
Bühne und Kostüm: Manfred Rainer, Hannah Öllinger

Lady Magnesia – Oper in einem Akt, komponiert 1975
Libretto von Vera Stanewitsch nach George Bernard Shaw
Lady Magnesia: Josefine Göhmann
Sir George, ihr Ehemann: Peter Kirk
Adolphus Bastable, Kammerdiener: Jacob Philllips
Phyllis, Kammerzofe: Wilma Kvamme

Zweimal Alexander – Opera buffa in einem Akt, komponiert 1937
Libretto von André Wurmser
Armande: Josefine Göhmann
Alexander, ihr Ehemann: Jacob Philllips
Oskar: Peter Kirk
Philomene, Kammerzofe: Wilma Kvamme
Das Portrait, Alexander II: Timothy Edlin
Alexander III, Tänzer: Johann Ebert