Zwei neue Bücher widmen sich der Vorarlberger Bau- und Handwerkskunst

Mit den Vorarlberg-Museum-Schriften 90 und 93 legt das Museum zwei Publikationen zu Vorarlberger Handwerk und Architektur vor. Der Band zur gleichnamigen Tagung „Ausstrahlung in die Welt“ spannt den Bogen von der monumentalen Glasmalerei des 16. Jahrhunderts über die Barockbaumeister bis zur Architektur der Gegenwart.

Er wird am 6. Oktober beim Festival „Handwerk+Form 2026“ im Werkraum Bregenzerwald in Andelsbuch vorgestellt. In „Barockbauhandwerker in Bregenzerwälder Zunftbüchern“ macht Mathias Moosbrugger erstmals die ältesten Zunftbücher der Region in einer kritischen Edition zugänglich. Die Publikation wird am 17. Oktober bei Holzbau Muxel in Au präsentiert.

Seit Jahrhunderten prägen Bau- und Handwerkstraditionen den Raum zwischen Bodensee und Arlberg – und sie wirken weit über die Landesgrenzen hinaus: von den Klosterkirchen der Bregenzerwälder Barockbaumeister bis zur international beachteten Holzarchitektur und Handwerkskultur von heute. Die beiden Neuerscheinungen nähern sich diesem Erbe aus verschiedenen Richtungen und verfolgen seine gesellschaftliche wie technische Entwicklung.

„Vorarlberg ist ein Land des Handwerks. Mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung werden die Dynamiken sichtbar, die das Bauhandwerk und die Handwerkskunst aus dieser ländlichen Region in die Welt hinausgetragen und so erfolgreich gemacht haben – von den Zünften des 17. Jahrhunderts bis zu den Werkstätten der Gegenwart“, erläutert Michael Kasper, Direktor des Vorarlberg Museums.

Aus Vorarlberg in die Welt

Die Publikation Ausstrahlung in die Welt geht auf die interdisziplinäre Tagung zurück, die das Vorarlberg Museum gemeinsam mit der Universität Innsbruck im März 2025 ausgerichtet hat. Mit ihren Essays, wissenschaftlichen Aufsätzen und Oral-History-Formaten machen Autor:innen aus den Bereichen Architektur, Kunsthandwerk, Geschichte, Philosophie und weiteren Disziplinen die Vielfalt sowie die überregionalen Impulse und Einflüsse der Vorarlberger Bau- und Handwerkskunst in Geschichte und Gegenwart greifbar. Das Ziel ist es, der Bau- und Handwerkskunst mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen und die Trennung von Theorie und Praxis zu überwinden.

Die Beiträge reichen vom Feldkircher Glasmaler Thomas Neidhardt aus dem 16. Jahrhundert über den Bauboom nach dem Dreißigjährigen Krieg und den Klostertaler Baumeister Anton Ospel bis hin zur Arbeit der Künstlerin und Textildesignerin Dorothea Rosenstock und dem Ansichtskartenverlag Risch-Lau in Bregenz. Im Rahmen von „Handwerk+Form 2026“ diskutieren die Mitherausgeber:innen und Autor:innen mit dem Tischler und Architekten Martin Bereuter, dem Malermeister Michael Fetz und Anna Claudia Strolz (Strolz Leuchten) über die Verbindungen zwischen den historischen Erkenntnissen und den heutigen Erfahrungen regionaler Handwerker:innen.

Zunftbücher als Quelle zum Barockbauhandwerk

Die großen Bregenzerwälder Barockbaumeister Michael Beer, Kaspar Moosbrugger, Franz Beer von Bleichten und Peter Thumb sind bekannt, und ihre Kirchen und Klöster prägen die Bodenseeregion bis heute. Weniger bekannt ist jedoch, wie sie im zünftisch organisierten Bauhandwerk ihrer Heimat verankert waren. Mathias Moosbrugger, Assistenzprofessor für Kirchengeschichte und Historische Theologie an der Universität Innsbruck, macht dafür erstmals die drei ältesten bekannten Zunftbücher des Bregenzerwaldes – aus Au, Bizau und Schnepfau – in einer kritischen Edition zugänglich. Diese verzeichnen ab der Mitte des 17. Jahrhunderts die Lehrlinge im Bauhandwerk.

„Um die Bregenzerwälder Barockbaumeister zu verstehen, muss man die Bregenzerwälder Barockbauhandwerker verstehen”, schreibt Moosbrugger im Vorwort. Anstatt nur die berühmten Meistergestalten in den Blick zu nehmen, rückt er die personell und organisatorisch breit aufgestellte Handwerkstradition der Region ins Zentrum. Die Edition versteht sich als Anfang und Grundlage für weitere Forschung, beispielsweise zur Frage, warum ausgerechnet im abgelegenen Bregenzerwald, in dem sich bis in die 1610er Jahre eine bemerkenswert große Gruppe von Täufern halten konnte, ab der Mitte des 17. Jahrhunderts Kompetenzzentren des Bauhandwerks entstanden, die wesentlich zum katholischen Klosterbarock rund um den Bodensee beitrugen.

Ausstrahlung in die Welt. Vorarlberger Bau- und Handwerkskunst. Kunst- und Kulturgeschichte zwischen Praxis und Theorie
Anna Bertle, Michael Kasper, Isabel Köhr-Kraft, Andreas Rudigier, Christopher Schneeweiß, Philipp Zitzlsperger (Hg.)
Vorarlberg Museum Schriften 93
224 S., Universitätsverlag Wagner
ISBN 978-3-7030-6674-0

Dienstag, 6. Oktober 2026, 18:00 Uhr, Werkraum Bregenzerwald, Andelsbuch
Buchpräsentation
Baukultur in Praxis und Theorie
Mit: Isabel Köhr-Kraft (wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Kunstgeschichte, Universität Innsbruck), Anna Bertle (Vorarlberg Museum), Christopher Schneeweiß (Architekt), Martin Bereuter (Tischler und Architekt), Michael Fetz (Malermeister), Anna Claudia Strolz (Strolz Leuchten)
Moderation: Michael Kasper (Direktor, Vorarlberg Museum)
Kosten: 12 Euro
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Barockbauhandwerker in Bregenzerwälder Zunftbüchern. Einleitung – Edition – Erschließung
Mathias Moosbrugger
Vorarlberg Museum Schriften 90
320 Seiten, Universitätsverlag Wagner
ISBN 978-3-7030-6675-7

Sa., 17. Oktober 2026, 17:00 Uhr, Werkstatt Holzbau Muxel, Stefan, Rehmen 160, Au
Buchpräsentation
In Zusammenarbeit mit akKURAT – Verein zur Förderung der Bregenzerwälder Barockbaumeister-Geschichte
Eintritt frei