Zurück in Luzern – Kandinsky, Picasso, Miró und andere

Im neu eröffneten Kunstmuseum Luzern wird 1935 eine Ausstellung der Superlative mit Werken von Alberto Giacometti, Joan Miró, Sophie Taeuber-Arp, Pablo Picasso, Georges Braque, Alexander Calder und anderen gezeigt. Während zur selben Zeit im nationalsozialistischen Deutschland Kunst von Wassily Kandinsky, Paul Klee oder Piet Mondrian als „entartet” diffamiert wird, zeigt das Kunstmuseum Luzern genau diese Positionen der Moderne inmitten eines immer totalitärer werdenden Europas.

Mit der historischen Ausstellung „These, Antithese, Synthese” profilierte sich das Kunstmuseum Luzern international. Die Ausstellung gilt bis heute als „legendär”, „unnachahmlich” und „nicht zu übertreffen”. Dass die Ausstellung von 1935 wegen ihrer hochkarätigen Kunst für eine mittelgroße Institution wie das Kunstmuseum Luzern als nicht rekonstruierbar gilt, weckt den Ehrgeiz des aktuellen Teams. Unter dem Titel „Kandinsky, Picasso, Miró et al. zurück in Luzern” werden Werke präsentiert, die damals in Luzern zu sehen waren oder die als valable Alternativen für Werke gelten, die aus unterschiedlichen Gründen nicht ausgeliehen werden konnten.

Über fünf Jahre wurden die knapp hundert Werke der originalen Ausstellung von 1935 recherchiert. Die meisten von ihnen sind in den 1920er- und 1930er-Jahren entstanden und inzwischen in den Besitz der weltweit bedeutendsten Museen oder Privatsammlungen gelangt. Andere Werke sind hingegen verschollen, manche sogar zerstört. Die Recherche wurde durch die mangelnde Quellenlage zusätzlich erschwert: Von 1935 sind nicht viele Unterlagen erhalten, die die historische Ausstellung dokumentieren. Neben dem wenig bebilderten Ausstellungskatalog wurde lediglich eine spärliche Mappe mit Dokumenten zur Ausstellung im Stadtarchiv Luzern aufbewahrt. Umso erstaunlicher ist es, dass ein Großteil der Originalwerke als Leihgaben zusammengetragen werden konnte.

„Kandinsky, Picasso, Miró et al. zurück in Luzern” zeigt großartige Kunst. Die gefeierten Werke erzeugen Aufmerksamkeit, um weiterführende Geschichten zu erzählen. Aufsteigende Moderne, Ressentiment gegen die Avantgarde, Faschismus und Kommunismus bilden den historischen Kontext der legendären Ausstellung „These, Antithese, Synthese” von 1935, und die Ausstellung „Kandinsky, Picasso, Miró et al. zurück in Luzern” vermittelt die geistigen, politischen und kulturellen Umbrüche der Zwischenkriegsjahre. Die Ausstellung steht daher ebenso für eine kritische Selbstreflexion der Institution und ihrer Geschichte. Denn entgegen dem eigenen Anspruch der Ausstellung, das Versprechen der Moderne einzulösen und eine Alternative zu Kapitalismus und Faschismus zu bieten, wurden Frauen und Menschen außereuropäischer Herkunft in der Ausstellung von 1935 explizit übergangen. Die einzige Künstlerin von damals ist Sophie Taeuber-Arp. In Kenntnis der Absage der drei Ausstellungsmacher Paul Hilber, Konrad Farner und Hans Erni an Barbara Hepworth zeigt „Kandinsky, Picasso, Miró et al. zurück in Luzern” auch eine größere Werkgruppe dieser Künstlerin. So macht die Ausstellung die Geschichte der marginalisierten Künstlerinnen der Moderne mit Sophie Taeuber-Arp und Barbara Hepworth exemplarisch sichtbar. Die Ausstellung steigert die Sensibilität für Zusammenhänge. Gleichzeitig bietet sie ein überwältigend sinnliches Kunstspektakel, das schlicht und ergreifend begeistert.

Zu sehen sind Werke von Hans Arp, Georges Braque, Alexander Calder, Paul Cézanne, Giorgio de Chirico, André Derain, Hans Erni, Max Ernst, Luis Fernández, Alberto Giacometti, Julio González, Juan Gris, Jean Hélion, Barbara Hepworth, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Fernand Léger, Joan Miró, Piet Mondrian, Ben Nicholson, Amédée Ozenfant, Wolfgang Paalen, Pablo Picasso und Sophie Taeuber-Arp.

Kandinsky, Picasso, Miró et al. zurück in Luzern
Bis 2. November 2025