Zum 100. Geburtstag von Robert Rauschenberg

Anlässlich des 100. Geburtstags von Robert Rauschenberg (1925-2008) präsentiert die Kunsthalle Krems eine umfassende monografische Ausstellung, die dem wegweisenden US-amerikanischen Künstler gewidmet ist.

Es ist die erste Retrospektive des Künstlers in Österreich und Teil eines internationalen Jubiläumsprogramms, das von Texas über New York bis Madrid reicht. Rauschenbergs vielseitiges und genreübergreifendes Œuvre, das die Kunst des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt hat, wird in einer Ausstellung mit rund 50 Werken, darunter Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken, beleuchtet. Zentrale Werkphasen werden in der Präsentation sichtbar gemacht und die enorme Spannbreite von Rauschenbergs experimentellen Methoden, Materialkombinationen und Medienstrategien wird gezeigt.

Im Mittelpunkt steht Rauschenbergs charakteristischer Ansatz, Alltagsbilder und gestische Malerei miteinander zu verweben. Seit den 1950er-Jahren integriert er Fotomaterial aus Zeitungen, Magazinen und seinem persönlichen Archiv in dichte Bildräume, in denen Malerei, Grafik und Collage ineinandergreifen. Die frühen „Combines“ – eine Mischung aus Fundstücken, Printmedien und abstrakten malerischen Setzungen – werden zum programmatischen Kern seines Werks. Die Grenze zwischen Kunst und Leben wird dabei bewusst aufgehoben. Parallel dazu entstehen die experimentellen „Transfer Drawings“, bei denen durch das Abreiben befeuchteter Zeitungsbilder eine fragile und zugleich energetische Bildstruktur erzeugt wird.

Zu Beginn der 1960er-Jahre erweiterte Rauschenberg sein Bildrepertoire um die „Silkscreen Paintings“. In diesen erscheinen ikonische Motive wie die Freiheitsstatue oder John F. Kennedy in gestisch aufgeladenen Kompositionen. Gleichzeitig entwickelt er die Lithografie zu einem Medium, das Bildfragmente und Geste mit hoher Präzision in neue Ordnungsgefüge überführt. In seinen späteren Werkserien rückt die Materialität der Bildträger stärker in den Vordergrund: Die „Borealis“-Arbeiten (1988–1992) auf Kupfer, Bronze oder Messing sowie die „Night Shade“-Serie (1991) untersuchen Reflexion, Oberflächenwirkung und malerische Eingriffe. In den 1990er-Jahren wendet sich Rauschenberg schließlich digitalen Bildprozessen zu und entwickelt Werkgruppen wie „Waterworks“ und „Anagram“, die eine vibrierende, collagierende Bildsprache entfalten.

Rauschenbergs künstlerische Praxis geht weit über das zweidimensionale Bild hinaus. Seine enge Zusammenarbeit mit Persönlichkeiten wie John Cage, Niki de Saint Phalle, Jean Tinguely oder Jasper Johns prägt zahlreiche performative und interdisziplinäre Projekte. Seine erste Choreografie „Pelican” (1963), wie viele seiner Performances filmisch dokumentiert, zeigt den innovativen und spielerischen Umgang mit Bewegung und Raum. Für das Happening „Open Score” (1966) inszenierte er ein Tennismatch zwischen dem Künstler Frank Stella und der Tennisspielerin Mimi Kanarek – ein frühes Beispiel für seine Auseinandersetzung mit medialer Wahrnehmung. Mit global angelegten Initiativen wie dem ersten „Earth Day“-Plakat (1970) und dem politisch-aktivistischen Projekt „ROCI“ (1984–1991) etablierte sich Rauschenberg zudem als wichtiger kultureller Akteur mit gesellschaftlichem Anspruch.

Robert Rauschenberg
25.04.–01.11.2026